Kommentar

Der ZSG fehlt ein Rettungsanker

Der Schiffszuschlag ist abgeschafft. Der Zürcher Regierungsrat hat einen emotionalen Kampf verloren. Dass der Zuschlag weg ist, ist gut für die Bevölkerung – aber ein Alarmzeichen für die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft. Ein Kommentar von ZSZ-Redaktionsleiter Conradin Knabenhans.

Carmen Walker-Späh ist eingeknickt: Die Zürcher Regierungsrätin schafft den Schiffsfünfliber ab.

Carmen Walker-Späh ist eingeknickt: Die Zürcher Regierungsrätin schafft den Schiffsfünfliber ab. Bild: Moritz Hager

Sie ist eingeknickt. Carmen Walker-Späh schafft den Schiffszuschlag in einer Hauruck-Übung ab. Offiziell begründet die Zürcher FDP-Regierungsrätin den Schritt mit der Mehrwertsteuersenkung auf Anfang Jahr. Mehreinnahmen für den ZVV könnten so der Bevölkerung zurückgegeben werden, wie dies der Preisüberwacher forderte. Seien wir ehrlich: Das ist eine Finte. Denn so plötzlich tauchte die Möglichkeit mit der Mehrwertsteuersenkung ja nicht auf. Der öffentliche Druck war schlicht und einfach zu gross. Entlassungen bei der Gastronomie, eingebrochene Passagierzahlen und eine Initiative die den Schiffsfünfliber abschaffen wollte.

Carmen Walker-Späh hatte in den vergangenen Wochen immer einen Fünfliber im Mantel, um ihn genervten Schiffspassagieren abzugeben. Wenn eine Regierungsrätin mit Fünflibern aus dem eigenen Sack um sich werfen muss um die kochende Volksseele zu beruhigen, dann spricht das Bände. Die Zürcher Regierungsrätin hat mit der Abschaffung nur den letztmöglichen Rettungsanker gepackt, bevor sie mit ihrer Fünfliberpolitik noch komplett Schiffbruch erlitten hätte.

Dieser Rettungsanker fehlt der ZSG. Das Schifffahrtsunternehmen kommt nun gehörig unter Druck. Ein bis zwei Millionen Franken muss die ZSG bis zum Fahrplanwechsel 2022 selber aufbringen, um das Defizit von zuletzt rund 12 Millionen Franken zu senken. Das wurde an der Medienkonferenz am Gründonnerstag bekannt. Natürlich gibt es die Möglichkeit, effizienter zu werden, Treibstoff günstiger einzukaufen oder mehr Traumschiffe für zahlungsbereite Kunden anzubieten. Mit Verlaub: Das alles wird nicht reichen, die Finanzlage zu verbessern. Es wird deshalb bei der ZSG im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Kurskorrektur kommen.

Noch will niemand über Fahrplananpassungen sprechen. Doch die Stossrichtung ist klar: Bluten werden die Pendler müssen, die das Schiff für ihren Arbeitsweg nutzen. Das zeigt ein Blick auf den Kostendeckungsgrad der einzelnen Linien. Die Freizeitroute von Zürich nach Rapperswil erreichte bei der letzten Erhebung vor einigen Jahren den angestrebten Grad von fast 50 Prozent. Im Pendlerdreieck zwischen Wädenswil, Stäfa und Männedorf liegt die Quote bei knapp 30 Prozent. Kurzum: Die ZSG wird wohl oder übel eine Verschiebung vom Berufsverkehr zum Freizeitverkehr vornehmen müssen. Ob sie das so schafft, dass das Pendlerangebot im heutigen Umfang bestehen bleibt ist fraglich.

Das Personal habe unter dem Schiffszuschlag viel leiden müssen, argumentiert Carmen Walker-Späh. Das stimmt. Aber der enge finanzielle Rahmen für die ZSG wird für das Personal die noch schwierigere Situation schaffen. Selbst wenn der Zürcher Verkehrsverbund verspricht, dass es ohne Entlassungen geht: Die latente Angst den eigenen Job zu verlieren, ist wohl um einiges belastender, als den Schiffsfünfliber gegenüber renitenten Passagieren zu erklären.

So überstürzt wie der Schiffsfünfliber als Sparmassnahme eingeführt wurde, so überstürzt ist auch die neue Zielvorgabe des Sparens. Selbst der ZSG-Verwaltungsratspräsident Peter Weber wurde nur wenige Stunden vor der Medienkonferenz über die Abschaffung des Schiffsfünflibers informiert. Er musste gute Miene zu den knallharten Sparzielen machen. Die Regierung beschwichtigte: Unternehmerischer Geist sei gefragt, man müsse einfach die Ärmel hochkrempeln und dann werde die ZSG schon erfolgreich.

In Tat und Wahrheit lässt Carmen Walker-Späh die Schifffahrtsgesellschaft einfach alleine im finanzpolitischen Regen stehen. Eigentlich müsste die Schifffahrt auf dem See dem Kanton schon nur aus Imagegründen einiges Wert sein. Statt den im Sparwahn geborenen Schiffsfünfliber als Fehler einzugestehen reicht die Volkswirtschaftsdirektorin das heisse Eisen einfach an die ZSG selbst weiter. Das ist kein Zeichen von Wertschätzung, das ist respektlos.

Conradin Knabenhans

Und so äusserte sich Regierungsrätin Carmen Walker Späh direkt nach der Pressekonferenz (nur Audio).

Erstellt: 29.03.2018, 17:55 Uhr

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