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Für die SP ein Exit zur Unzeit

Patrick Gut zum überraschenden Rücktritt der Zürcher SP-Stadträtin Claudia Nielsen.

Es dürfte einmalig sein, dass eine amtierende Stadträtin gut drei Wochen vor den Wahlen ihren Verzicht bekannt gibt. Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen ist in den vergangenen Monaten arg unter Druck geraten. Das ging vom enormen Defizit der Zürcher Stadtspitäler Triemli und Waid über die Kritik an Nielsens Führungsstil – sie habe diverse Kadermitarbeiter verheizt.

Nielsens Spitalstrategie, die aus Sicht der Bürgerlichen zu lange auf sich warten liess, wurde im Gemeinderat versenkt. Nicht einmal die eigene Partei – die SP – unterstützte Nielsen. Schliesslich nahm ihr der Stadtrat das Dossier aus der Hand und bildete einen Ausschuss.

Nun haben offenbar fragwürdige Verbuchungen und Verwendungen von ärztlichen Honoraren im Triemli das Fass zum Überlaufen gebracht. Stadträtin Nielsen nimmt den Hut und sagt, sie übernehme Verantwortung. Für die schwer angeschlagene Politikerin persönlich ist das der richtige Entscheid. Ihre Wiederwahl wäre spätestens durch die neuen Enthüllungen stark gefährdet gewesen. Und bei einer Wahl hätte das Thema die weitere Amtszeit von Nielsen arg überschattet.

Ihrer Partei aber hat Claudia Nielsen ein riesiges Ei gelegt. Mit ihrem kurzfristigen Rückzug hat sie der SP jede Chance genommen, für den Wahlgang vom 4. März eine Kandidatin oder einen Kandidaten aufzubauen. Die SP wird nun zweifellos einen Sitz im Stadtrat verlieren. SVP, FDP und CVP könnten unter den neuen Voraussetzungen einen vierten Sitz gewinnen. Für die bürgerliche Wende wird es allerdings nicht reichen.Nielsen-Wähler dürften nun vermehrt den Namen derGrünen Karin Rykart aufden Wahlzettel schreiben.

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