Kommentar

Der Baum des Anstosses

Redaktorin Eva Pfirter zum Baum-Streit in Rapperswil-Jona.

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Man sagt ihm positive, ja heilende Kräfte nach. Doch die Rapperswil-Joner wollen ihn nicht, den Baum. Sein fallendes Laub sei im Herbst gefährlich, sagen sie, man könne darauf ausrutschen. Seine ausladende Krone verhindere den Einsatz lebensrettender Helikopter, fürchten sie. Sein dicker Stamm bilde ein Kollisionsrisiko für Töff- und Autofahrer, glauben sie. Und seine Anmut, die vielgeschätzte, verwandle die Strasse in eine Wohlfühloase, die diese ja nicht sei, mahnen sie.

Die städtische Informationsveranstaltung zum Verkehrskonzept vom vergangenen Donnerstag erinnert an die Geschichte von Hans im Schnäggeloch. Was er will, das hat er nicht und was er hat, das will er nicht: Mit dem Status quo sind die Bürgerinnen und Bürger höchst unzufrieden, aber auch jeder noch so gut gemeinte Verbesserungsvorschlag stösst auf harsche Kritik.

Weder das Alte noch das Neue taugt in den Augen der Kritiker etwas. Ja wer, um Himmels Willen, kennt denn einen Ausweg aus der Einbahnstrasse namens Verkehrsplanung? Aus pauschaler Kritik ist kaum je etwas Konstruktives entstanden. Und wer städtische Verkehrsvorlagen als Ventil für aufgestauten Frust benutzt, dem sei ein Moment der Demut ans Herz gelegt. Denn wer von den scheinbar allwissenden Damen und Herren sähe sich effektiv in der Lage, ein Verkehrskonzept auszuarbeiten, das allen Ansprüchen genügt?

Mit ihrer Vision einer modernen, grünen und lebensfreundlicheren Hauptachse sind Stadt und Kanton auf dem richtigen Weg. Die Verkehrsader bleibt — daran ist nicht zu rütteln — aber sie soll ein neues Gesicht bekommen und all jenen Raum bieten, die sich zu Fuss, per Bus oder auf dem Zweirad fortbewegen. Dieser Ansatz ist richtig, denn durch separate Spuren und Begrünung werden die Alternativen zum Auto attraktiver. Dass ausgerechnet der Baum als Symbol moderner Urbanität seine Krone für den Frust der Rapperswil-Joner hinhalten muss, ist ebenso absurd wie typisch.

Erstellt: 23.03.2018, 16:53 Uhr

Eva Pfirter, Redaktorin Zürichsee-Zeitung.

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