Youngmum

Warum bist du so gestresst, Mama?

Unsere Youngmum-Bloggerin schreibt heute über Stress – und wie eine Mutter damit umgehen kann.

Bild: Adobe Stock

Mama hat heute schlechte Laune. Warum bloss, fragen sich Kinder und Ehemann. Hat sie vielleicht zu viel zu tun? Ist es, weil sie vergessen hat, Parmesan für die Spaghetti Bolognese zu kaufen und in unzufriedene Gesichter schauen muss? Weil die gestrige SOS-Gesichtsmaske einen roten Ausschlag in ihrem Gesicht verursacht hat und der in Eile zwischen Stühlen und Bänken aufgetragene Nagellack schon am nächsten Tag am Zeigefinger abgesplittert ist? Oder ist es, weil sie heute zu spät aus der Arbeit gegangen ist und mit schwerer Handtasche und High Heels durch die überfüllte Bahnhofshalle auf den Zug rennen musste? Nein, das alles ist nicht der Grund für Mamas schlechte Laune. Mama will einfach nur etwas mehr SCHLAF. Die Gedanken einer gestressten Mutter.

Mama, trinken!

Es ist 21:30, das wäre jetzt schon das 3 Fläschchen «Gutenachttee». «Das reicht! Du bist jetzt ruhig Vivienne. Schau, du weckst noch deine Schwester!» Das Geschrei wird lauter. Dabei hat sie vor 5 Minuten schon fast geschlafen. Und ich muss noch ins Bad, sprich das ganze Make-up mit meinem neu gekauften 4-Schritt Schönheitsprogramm entfernen, danach duschen, Haare waschen, Haarmaske auftragen, «Zaahsidelä», Zähneputzen, Haare föhnen, eincremen. Das wird spät.

Zudecken!

01:30. Mama ist noch nicht mal in der Tiefschlafphase, da kommt schon das nächste Wehwehchen. Papa steht im Halbschlaf auf. «Zudecken!» höre ich meine Tochter aus dem Kinderzimmer rufen. Sicher doch, machen wir. Mama und Papa haben ja um diese Zeit gar nichts Besseres zu tun. Hat sie «bitte» gesagt oder nur «zudecken» gerufen? Ich habe glaub ganz leise ein «bitte» gehört.

Bibiip, bibiip

06:45. Beide Kinder liegen zwischen uns auf dem Bett, quer natürlich. Überall Flecken auf dem Leintuch vom Gutenachttee. Meine Augen sind wie zugekleistert. Aufstehen, 45 Minuten Zeit zum fertig machen. Jeder Muskel schmerzt vom gestrigen Body-Pump Training, zu welchem ich in der Mittagspause um 12 Uhr gerannt bin und von dem ich ohne Mittagessen eine Stunde später wieder zurück ins Büro gerannt bin. Kaum stehe ich auf, springen die Kinder plötzlich aus dem Bett und folgen mir ins Bad. «Zähneputzen!». Ok, machen wir. Nachdem ich nicht nur mich geschminkt habe, sondern auch meinen zwei Mädchen imaginäre Rouge-Bäckchen mit dem Schminkpinsel gemacht habe, kommt die Verabschiedungsprozedur, danach das reuevolle Schreien nach Mama, danach Schuhe und Jacke anziehen und auf den Zug rennen. (Warum renne ich immer?)

Endstation, bitte aussteigen

18:00. Ich bin schon fast zuhause. Was für ein Tag! Ich hatte wieder keine Zeit zum Mittagessen. Zuhause angekommen verabschiedet sich die Nanny und die Kinder hängen sich sofort an mich. Klar, sie vermissen ihre Mama! Die Schale mit Kelloggs Smacks fällt auf den Wohnzimmerboden. Ein Becher mit Wasser kippt um und macht Vivi’s Strumpfhose nass. Charlotte ruft wie aus dem nichts nach einer Windel, obwohl sie schon seit 1.5 Jahren keine Windeln mehr trägt. Beide Kinder wälzen sich schreiend am Boden.

Kinder, Essen ist fertig!

18:45. «Nein! Das ess’ ich nicht!» Schatz wo bleibst du nur? «Ich will etwas anderes!» Aha. «Kinder, das hier ist kein Restaurant». So geht es weiter, bis mein Mann die Haustüre öffnet und ihm die Kinder entgegenlaufen. Während er die Kinder durch die Luft wirbelt und ihre Herzen höher schlagen lässt, wechsle ich die Bettwäsche im Kinderzimmer, lege die Wäsche von gestern zusammen, nehme Essensreste vom Boden auf, sammle herumstehenden Gläser ein, bereite eine Einkaufsliste für Morgen vor und packe anschliessend die Tasche für den morgigen Spielgruppenbesuch der Kinder. Heute baden wir die Kinder ausnahmsweise mal nicht, Mama will heute etwas früher ins Bett.

Was für ein Zirkus

19:30. Ist das heute? Total vergessen. Oje, gerade habe ich meine Trainerhose angezogen. Auf dem Küchentisch liegen 2 Zirkus Knie Eintrittskarten für die Premiere des neuen Musicals. Der Babysitter klingelt an der Tür. Jetzt noch schnell auf Knopfdruck Lächeln und eine Auszeit zu zweit mit meinem Mann geniessen. Da wir spät dran sind, rennen wir aus dem Haus zum Auto. Entspannt lächeln wir mit Cüpli ins Handy als wir einen Facebook-Selfie machen. Die Vorstellung geht bis 23:30. Wird wohl nichts mit früh schlafen gehen. Vielleicht klappt’s morgen!

Herzlichst, YoungMum

Erstellt: 29.03.2019, 10:34 Uhr

Über YoungMum

Silvia Makowski ist Mutter von zwei Töchtern, Bankangestellte und nebenbei freischaffende Texterin. Sie ist Verfasserin des Blogs «YoungMum.ch», in dem sie regelmässig über das Muttersein und den Familienalltag berichtet. Sie hat eine grosse Leidenschaft für Wörter, Sätze und Geschichten und lebt mit ihrer Familie im Raum Zürich.

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