The Take

Sie kamen vom Himmel

‹The 100› ist eine brutal spannende Science-Fiction Serie, in der alle zu Monstern werden. Davon konnte man zu Beginn nichts ahnen.

Promobild zur ersten Staffel von ‹The 100›. Zum Glück für die jugendlichen Straftäter dürfen sie in einer Raumkapsel auf die Erde reisen und müssen nicht vom Himmel fallen.

Promobild zur ersten Staffel von ‹The 100›. Zum Glück für die jugendlichen Straftäter dürfen sie in einer Raumkapsel auf die Erde reisen und müssen nicht vom Himmel fallen.

Manchmal gibt es Serien, die einen überraschen und zwar positiv. Eine davon war für mich die Science-Fiction Serie ‹The 100›. Die Serie spielt knapp 100 Jahre nachdem die Erde durch eine Nuklearkatastrophe verwüstet worden ist. Was von der Menschheit noch bleibt, lebt seitdem auf der Arche, einer Raumstation, die seit einem Jahrhundert um den zerstörten Planeten kreist.

Die Ressourcen gehen aber langsam zu Neige und so wird ein verzweifelter Plan geschmiedet: 100 jugendliche Straftäter werden auf die Erde geschickt, um herauszufinden, ob sie wieder bewohnbar ist. Dies ist eine milde Strafe, verglichen mit dem was Kriminellen auf der Arche sonst droht: Tod durch das Vakuum im All. Als die Jugendlichen auf der Erde ankommen, ist die neue Umgebung ebenso faszinierend wie tödlich. Und dann stellt sich heraus, dass die Neuankömmlinge doch nicht alleine sind.

Der Trailer zur ersten Staffel von ‹The 100›

Die Beschreibung klingt nach einer spannenden Science-Fiction Serie, doch ‹The 100› ist eine Adaption einer Romanreihe für junge Erwachsene im Stil von ‹Hunger Games› oder ‹Divergent›. Da stehen häufig die typischen Teenagerprobleme im Vordergrund, zum Beispiel wer denn nun der Traumann ist. So schien es auch bei ‹The 100,› welche in Amerika auch noch auf dem Sender CW läuft. Dessen Spezialität sind Genre-Serien mit gut aussehenden jugendlichen Ensembles, wie zum Beispiel ‹Supernatural›, ‹Riverdale› und ‹Arrow›.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Dementsprechend drohte demnach auch bei ‹The 100› die scheinbar obligate Dreiecksbeziehung im Fokus zu stehen. Da meine Teenagerjahre nun doch schon ein Weilchen hinter mir liegen - sogar 2014, als die Serie begann - war meine Toleranzschwelle ziemlich niedrig. Nach dem patentierten 4-Episoden Test wollte ich daher aufgeben. Doch dann schaute ich aus irgendeinem Grund doch noch eine weitere Folge. Und plötzlich ich gefesselt. Mit ‹Twilight’s Last Gleaming› hat die Serie nämlich bewiesen, dass sie ihre Story ohne Rücksicht auf Verluste erzählt. Die Katastrophe, von der man als Zuschauer annimmt, dass sie abgewendet wird, nimmt ihren tragischen Lauf.

Auch auf der Arche bleibt nach der Landung der Hundert nichts wie zuvor.

Von diesem Moment an, tritt die Serie nicht mehr auf die Bremse. Ein gnadenloser Überlebenskampf nimmt seinen Lauf, in dem niemand seine Unschuld behält. Nicht Clark (Eliza Taylor), die Oberschichttochter, die spöttisch Prinzessin genannt wird, nicht Bellamy (Bob Morley), der junge Mann, der für seine Schwester alles aufgegeben hat. Keiner der Hundert, deren Zahl rasch abnimmt, bleibt von moralischen Dilemmas verschont.

Zu brutal ist der Planet und die Zusammenstösse mit den Grounders, den Nachfahren der Menschen, welche die atomare Katastrophe überlebt haben. Dabei ist man als Zuschauer zumindest zu Beginn auf Seiten der Eindringlinge und hört dennoch leise Echos des Kolonialismus, als sie immer weiter vordringen und die Groundergesellschaft durcheinanderbringen.

Octavia (Marie Avgeropoulos) fühlt sich auf der Erde wohler als auf der Arche.

Kaum eine andere Serie ist so spannend wie ‹The 100›. Häufig sitze ich vierzig Minuten mit pochendem Herzen vor meinem Bildschirm ohne mich ein einziges Mal zu bewegen, so gefesselt bin ich von der Handlung. Danach hänge ich wie erschlagen in den Sofakissen und frage mich: Ist das wirklich gerade passiert? Haben sie wirklich gerade….? (Die Antwort ist immer: Ja.)

Im Laufe der Zeit droht die Serie repetitiv zu werden, doch bis anhin hat sie noch immer die Kurve geschafft, und sei es mit einem wahnwitzigen Cliffhanger am Staffelende, sodass man im nächsten Jahr garantiert wieder einschaltet.

Auf Netflix sind Staffeln 1-5 von ‹The 100› zu sehen. Zurzeit läuft auf dem CW die 6. Staffel.

Erstellt: 02.06.2019, 13:34 Uhr

ZSZ-Mitarbeiterin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

Artikel zum Thema

Das Gewissen der Stadt

The Take In ‹Der Glöckner von Notre Dame› ragt die Kathedrale über Paris — als mahnende Zeugin und glockenschlagendes Herz der Stadt. Mehr...

Liebe in Zeiten des Wandels

The Take ‹Ash is Purest White› erzählt eine Liebesgeschichte im Gangstermilieu vor dem Hintergrund eines Chinas im Umbruch. Mehr...

Spiel’s noch einmal, Marvel

The Take Mit dem äusserst emotionalen ‹Avengers:Endgame› geht einer der wichtigsten Filmzyklen des 21. Jahrhunderts zu Ende. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare