Youngmum

Hilfe, mein Kind benimmt sich nicht!

Blauschimmelkäse statt Chicken Nuggets – oder wie man seine Kinder erziehen kann.

Bild: Adobe Stock

Warum benehmen sich einige Kinder, während andere schreiend durch das Tram rennen und tun, was sie wollen? Ich bin nun schon seit fast 3 Jahren eine Mama und habe in dieser Zeit einiges gelernt. Lässt man die Zügel etwas lockerer, kann das schnell Konsequenzen im Alltag haben. Meine Versuche mit der Einführung strenger, französischer Erziehungspraktiken scheiterten bisweilen kläglich. Wie ich mit Erziehungsfragen umgehe, verrate ich euch gerne im nachfolgenden Beitrag.

Französische Erziehungsmassnahmen

Wieder einmal verweise ich auf eines meiner Lieblingsbücher, nämlich «Warum französische Kinder keine Nervensägen sind» von Pamela Druckerman. Als ausgewanderte Amerikanerin in Paris ist die Autorin konfrontiert mit Erziehungsmassnahmen, die eine Gesellschaft von gut schlafenden, gut essenden Kindern und entspannten Eltern hervorbringen. Gefüttert werden Kinder in der Kinderkrippe nämlich nicht mit Chicken-Nuggets und Nudeln mit Käse, wie das die Autorin aus den USA kennt, sondern mit einem Viergänger - der vierte Gang jeweils ausgewählter Käse oder eine kleine Süssigkeit. Kinder lernen so früh verschiedene Geschmacksrichtungen, müssen immer wieder Neues probieren und bekommen eine Belohnung, also ein Dessert, wenn sie sich artig durch die vorherigen Gänge gekämpft haben.

Unsere Methoden gehen nicht ganz auf

Ich muss zugeben, so schlecht machen wir es nicht. Grundsätzlich sind unsere Kinder sehr folgsam, sie reichen uns am Fussgängerstreifen die Hand, bevor wir zusammen die Strasse überqueren, verstehen, wenn etwas wirklich nicht geht und teilen ihre Spielsachen meist mit anderen Kindern. Und trotzdem will meine ältere Tochter weder das essen, was ich koche, noch schläft sie nachts durch. Meine Versuche mit der Einführung von Ratatouille und Blauschimmelkäse wurden mit einem konsequenten «Nai» abgelehnt. Ich muss eingestehen, dass wir wohl doch Fehler machen und gewisse Erziehungsmassnahmen überdenken müssen.

Französische Eltern als Vorbild

Französische Eltern sind extrem strikt, wenn es um gewisse Dinge geht, sehr tolerant hingegen in anderen Bereichen. Sie setzen klare Grenzen, lassen ihren Kindern innerhalb dieser Grenzen aber viel Spielraum. Sie haben eine ruhige Autorität gegenüber ihren Kindern und sind entspannt. Ich hingegen lasse ich mich vom Benehmen meiner Kinder immer wieder aus der Fassung bringen, anstatt mit einem ruhigen, bestimmten Ton zu sagen, was läuft. Mir fehlt es wohl an Autorität.

Sieben Regeln natürlicher Autorität

An dieser Stelle möchte ich mich der Idee der Geschwister Flötotto bedienen, welche Gordon Neufelds Buch «Hold on Your Kids – Why parents need to matter more than peers» studiert haben und folgende sieben Weisheiten extrahiert haben:

1. Nutze die Verbindung statt Trennung, um ein Kind dazu zu bewegen, dass es sein Verhalten deinen Erwartungen anpasst. Das Erfolgsgeheimnis besteht darin, auf eine gute Beziehung zum Kind zu achten, bevor ein Problem auftritt, anstatt, wenn es aufgetreten ist, eine Trennung herbeizuführen. Das Kind bei Konflikten ins Zimmer zu schicken ist also ein No-Go.
2. Konzentriere dich bei Problemen nicht auf den Vorfall, sondern auf die Beziehung und lass das Kind wissen, dass du seinen Frust verstehst.
3. Lass das Kind, wenn es Schwierigkeiten hat, weinen, anstatt ihm eine Lektion aufzudrängen.
4. Wecke gute Absichten, anstatt gutes Verhalten zu fordern.
5. Versuche nicht konfrontativ impulsives Verhalten zu stoppen, sondern locke die gemischten Gefühle. Durch Hinweis auf widersprüchliche Gefühlszustände reguliert sich das Kind selbst: «Jetzt kommen wir so gut miteinander aus, heute morgen warst du noch sehr wütend auf mich.»
6. Nimm die Rolle des Signalgebers ein, um deinem Kind das gewünschte Verhalten vorzugeben: «jetzt kannst du die Oma umarmen, wenn du willst».
7. Versuche die Welt des Kindes zu ändern, wenn du das Kind nicht ändern kannst. Will dein Kind nicht ins Bett, könnte Angst vor der Trennung oder der Dunkelheit dahinterstecken. Die Welt des Kindes zu ändern hiesse in diesem Fall, das Kind ins Elternbett zu nehmen.

Fehler zugeben

Meine eigene Weisheit kommt zum Schluss. Möchte ich, dass mein Kind sich benimmt und anständig mit anderen umgeht, muss ich ihm zuerst vermitteln, wie man denn überhaupt richtig miteinander umgeht. Ehrlichkeit ist ein wichtiger Aspekt. Habe ich die Trinkflasche zu Hause vergessen oder den Teddybären unten im Auto liegenlassen, muss ich das zugeben. So wissen die Kinder, dass auch Mama Fehler macht und falls sie davon betroffen sind, dass es mir leidtut und ich versuche, eine andere Lösung zu finden (z.B. anderen Teddy holen).

So entsteht nicht nur Vertrauen, sondern auch eine durchaus erwachsene Kommunikation zwischen denkenden und fühlenden Menschen. Es ist wichtig, Werte wie Ehrlichkeit konsequent vorzuleben und ein Vorbild zu sein.

Ich bin jemand, der gerne der eigenen Intuition folgt, vor allem bei Erziehungsfragen. Noch nie habe ich Elternratgeber gelesen bis ich realisiert habe, dass ich etwas falsch mache und einige Tipps brauchen könnte. Ich denke, dass es sich lohnt, beim nächsten Konflikt auf ein intuitives Verhalten zu verzichten, tief durchzuatmen und mit ruhiger und bestimmter Stimme mit dem Kind zu sprechen anstatt ihm Angst zu machen, es zu manipulieren, zu drohen oder zu strafen.

Herzlichst, YoungMum
(zsz.ch)

Erstellt: 05.10.2018, 11:32 Uhr

Über YoungMum

Silvia Makowski ist Mutter von zwei Töchtern, Bankangestellte und nebenbei freischaffende Texterin. Sie ist Verfasserin des Blogs «YoungMum.ch», in dem sie regelmässig über das Muttersein und den Familienalltag berichtet. Sie hat eine grosse Leidenschaft für Wörter, Sätze und Geschichten und lebt mit ihrer Familie im Raum Zürich.

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