The Take

Der Zürichsee ist gar nicht der Zürichsee

Drei Psychoanalytiker analysieren einander in ‹A Dangerous Method› endlos. Ab und zu gehen sie dazu auf den Zürichsee - oder etwa doch nicht?

C.G. Jung (Michael Fassbender) und Sabrina Spielrein (Keira Knightley) auf dem Zürichsee, der eigentlich der Bodensee ist.

C.G. Jung (Michael Fassbender) und Sabrina Spielrein (Keira Knightley) auf dem Zürichsee, der eigentlich der Bodensee ist.

Bei einem Film, der sich um drei berühmte Psychoanalytiker dreht, dürfte es niemanden überraschen, dass vor allem geredet wird. Immerhin ist die gefährliche Methode im Title von ‹A Dangerous Method› (2011), die Psychoanalyse, oder eben die Talking Cure, die Rede-Heilung, wie sie auf Englisch auch genannt wird.

Der Film des kanadischen Regisseurs David Cronenberg (‹Eastern Promises›, ‹The Fly›) erzählt, wie C.G. Jung (Michael Fassbender) in Küsnacht seine psychoanalytischen Methoden entwickelt und sich dabei immer mehr vom Übervater Sigmund Freud (Viggo Mortensen) löst. Eine wichtige Rolle spielt dabei Sabrina Spielrein (Keira Knightley), die zuerst Jungs Patientin ist, zu seiner Mätresse wird und schiesslich eine der Gründerinnen der Kinderpsychologie wird.

Eine interessante Geschichte also, besetzt mit Schauspielerin, die ich mag. Daher habe ich mir den Film nun acht Jahre nach seinem Erscheinen zum ersten Mal angeschaut. Natürlich ist es auch ganz schön, die eigene Umgebung in einem Film zu sehen.

Der Trailer zu ‹A Dangerous Method›

Cronenberg setzt das so um, dass die drei Hauptfiguren in ständig wechselnden Umgebungen diskutieren. Diese Gespräche wirken wie eine einzige lange Konversation. Im Fall von Freud und Jungs erstem Treffen wird dies exemplarisch umgesetzt. Die beiden Herren unterhalten sich bei Tisch, im Café und in Freuds berühmten Büro: Es ist ein 13 Stunden andauerndes Gespräch, das aber genauso gut über mehre Tage wenn nicht Wochen oder Jahre geführt hätte werden können.

Dieses ewige Gespräch ist zwar wie gesagt passend, aber eben auch ein wenig langweilig. Die Monotonie wird nur durchbrochen durch Spielreins Anfälle und den Sado-Maso Sex den sie mit Jung praktiziert. Diese wenigen Momente verleihen dem Film allerdings noch keinen Drive, auch wenn die Darsteller kompetent sind. Es wird schnell klar, dass ‹A Dangerous Method› die Adaption eines Theaterstückes ist.

Das Einmaleins der Psychoanalyse

Dass der zentrale Konflikt zwischen Freud und Jung ein klassischer Vater-Sohn Konflikt ist, wie ihn Freud zu genüge beschrieben hat, ist eingängig. Die meisten Zuschauer dürften zumindest oberflächlich mit dieser Dynamik vertraut sein. Cronenbergs Film ermöglicht einem aber keine neue Einsicht, sondern bleibt an dieser Oberfläche.

C.G. Jung (Michael Fassbender) und Emma Jung (Sarah Gadon) vor ihrem Haus in Küsnacht. Oder zumindest vor der Fassade.

Daher bleibt einem als Kenner der Region genügend Zeit, sich auf die vertraute Umgebung des Zürichsees zu konzentrieren. Für einmal spielt die Weltgeschichte bei uns. Doch es wird schnell klar, dass hier die Trickserei des Mediums Film am Werk ist. Der sogenannte Zürichsee ist nämlich der Bodensee. Gemäss Cronenberg sind die Ufer des Zürichsees zu modern bebaut, während der grosse See im Norden offenbar noch einen Hauch 19. Jahrhundert versprüht. Auch das Haus in dem die Jungs in Küsnacht wohnten, ist nicht das Original. Stattdessen wurde die Fassade des Hauses nachgebaut. Das Innere ist dann nochmals ganz woanders.

Die Hohentwiel verrät, dass es sich hier um den Bodensee handelt. Sie tut dort seit 1913 Dienst.

Der See wird natürlich zur Umgebung für wichtige Gespräche zwischen den drei Psychoanalytikern. Auf einem Dampfschiff namens Hohentwiel erreichen Spielrein und Jung einen wichtigen Durchbruch. Dieses Schiff gibt es tatsächlich, nur ist es seit 1913 auf dem Bodensee zuhause. Immerhin wurde es von der Firma Escher Wyss & Cie in Zürich gefertigt. Im Film tut zwar von den Schauspielern über das Schiff bis zum See Alles nur so als ob, aber der echte Jung war schliesslich auf dem echten Zürichsee auf echten Zürichseeschiffen unterwegs — vielleicht kann die ZSG trotzdem Werbung machen, mit dem inspirierenden Wesen ihrer Schiffe?

Erstellt: 12.03.2019, 20:13 Uhr

ZSZ-Mitarbeiterin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

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