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Badi in Holland, oder: Wo man den Zürichsee schätzen lernt

Dass Colin Bätschmann in Utrecht nicht baden gehen will, liegt nicht nur an der Wassertemperatur. Der freie Mitarbeiter der ZSZ scheint den «badewürdigen» Zürichsee zu vermissen.

Nicht nur in der Schweiz sind die Temperaturen «badiwürdig», auch hier in den Niederlanden ist das Thermometer bereits weit über die 25 Grad-Marke gestiegen. Das ist eher ungewöhnlich, denn das hiesige Klima ist für seine vergleichsweise kühlen Sommer (und milden Winter) bekannt. Die Einheimischen lassen es sich vielleicht auch deshalb nicht nehmen, sich beim ersten Anzeichen von wärmender Sonne die Kleider vom Leib zu reissen. Aber wie gesagt: In diesem Frühling ist das sehr angebracht.

Lebt man in der Nähe des Zürichsees, muss man sich kaum überlegen, wo die (früh)sommerliche Abkühlung auf einen wartet. In Utrecht gibt es zwar auch ausreichend Gewässer in Form von Kanälen, doch habe ich diese in Bezug auf das Schwimmen bis anhin vermieden. Meines Wissens ist das Baden in den Kanälen sogar verboten, u.a. weil es kaum Ausstiegsmöglichkeiten gibt und die teils engen Kanäle von Booten befahren werden. Ein Verbot braucht es bei mir nicht, um mich vom Kanalschwimmen abzuhalten. Meist reicht der Anblick des Wassers oder dessen Geruch aus. Das Wasser sei zwar in 400 Jahren noch nie so sauber gewesen wie heutzutage, entwarnt das Online-Magazin DutchReview. Beeindrucken tut mich das nicht wirklich, weil im Vergleich zur einer Abfallgrube, welche die Kanäle bis ins 19. Jahrhundert darstellten, noch so vieles sauberer ist. Auch heute kann es nach heftigen Regenfällen noch zur Überflutung der Abwasserkanäle kommen, welche dann das schmutzige Wasser in die Kanäle pumpt. Zudem sind einige Hausboote noch nicht an das Abwassersystem angeschlossen. Wo deren Abfälle enden, ist wohl klar...

Dennoch: Vor wenigen Tagen fand in Utrecht das «SingelSwim» statt. Das hat nicht (zwangsläufig) mit schwimmenden Singles zu tun, sondern bietet die Möglichkeit, doch einmal in den braunen Stadtgewässern zu planschen – dass alle Teilnehmenden einen Neoprenanzug tragen, liegt dann wohl auch kaum an den Wassertemperaturen. In Amsterdam gibt es einen ähnlichen Event, das «City Swim», an dem 2012 sogar Königin Maxima, die Ehefrau Königs Willem-Alexanders, teilnahm. Bleibt man in der Stadt, muss man sich aber normalerweise mit dem Aufenthalt am oder auf dem Wasser begnügen. Kanus und Pedalos lassen sich mieten, doch wer will – wenn es ohnehin schon heiss ist – noch mehr schwitzen? Eine unsportlichere Alternative bieten da verschiedene Bars in Fluss- oder Kanalnähe, welche sich im Sommer in «Strandbars» verwandeln. Das Soia oder das Roost aan de Singel locken vor allem junge Leute an.

Eine halbstündige Velofahrt ausserhalb Utrechts befindet sich das Erholungsgebiet Maarsseveense Plassen, welches mit mehreren künstlichen Seen – aus Satellitenperspektive sind sie unnatürlich rechteckig – doch noch eine Bademöglichkeit bietet. Mit einem Kollegen fuhr ich vor Kurzem dahin. Kaum ausserhalb der Stadtgrenze wähnt man sich in tiefstem Landwirtschaftsgebiet. Im Strandbad des Sees mit seiner riesigen Liegefläche hielten sich erstaunlich wenig Leute, aber fast ausschliesslich Familien mit Kindern auf, was einleuchtete, als wir bemerkten, dass uns das Wasser in der abgesperrten Badezone nur bis zur Hüfte reichte. Der See ist zwar bis zu 30 Meter tief, doch erreicht man dieses Gebiet nur von den diversen Liegewiesen, welche um das Gewässer herum verteilt sind – nicht aber vom Strandbad aus.

Mein Fazit bezüglich der Badisaison in Holland: Der Frühsommer in Utrecht hat mich den Zürichsee schätzen gelernt.

Colin Bätschmann

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