Gastro

Bischofsmützen und Dolce Vita

Im Restaurant Frauenhof in Rapperswil-Jona.

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Wir sitzen an einem geschichtsträchtigen Ort, der bis heute eine absolute Topadresse ist. Der Frauenhof steht am Rapperswiler Hauptplatz, über uns thront das Schloss, an den Hausfassaden gegenüber erzählen Fresken Szenen aus der Stadtgeschichte. Dass die Altstadt bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüsst hat, ­davon zeugt das Stimmengewirr in den zahlreichen Aussenrestaurants rund um uns herum: Deutsche, Amerikaner, Chinesen und viele Einheimische lassen es sich an diesem warmen Samstagabend gut gehen.

Der Frauenhof ist über 500 Jahre alt und seit der Restauration eines der schönsten Häuser am Platz. Die Besitzerfamilie Raible hat keine Kosten und ­Mühen gescheut, um diesem prachtvollen Eckhaus seinen Glanz zurückzugeben. Sogar die Madonnenfigur, von der das Haus seinen Namen hat, steht wieder in ihrer Ecknische.

Im Erdgeschoss, wo vor der Restauration eine Drogerie war, hat im Februar eine Beiz ihre Türen geöffnet. Das Interieur ist schlicht, viel Holz und ein alter Torbogen ziehen den Blick an. Wir nehmen draussen Platz und verbuchen gleich den ersten Pluspunkt. Keine hartschalige Plastikstuhlzumutung, sondern der Schweizer Designklassiker, den der ­Volksmund wegen seiner Bespannung Spaghettistuhl nennt, empfängt uns.

Klar, dass ich mich da sogleich für die Spaghetti mit Mangold (19.50 Fr.) entscheide. Die roten Krautstiele haben einen feinen, erdigen Geschmack, aber die rahmige Sauce überdeckt diesen ­leider fast ganz. Mein Begleiter lobt sein Lammrack (38.50 Fr.), das innen noch beinahe blutig ist. Für ihn, dem alles stark Durchgebratene ein Gräuel ist, ein ­Genuss; bei mir löst der Anblick hingegen eher eine Abwehrreaktion aus.

Dafür sind die Bischofsmützen, die als Gemüsebeilage rund ums Fleisch angerichtet sind, eine echte Entdeckung. Die kleinen, auch Patissons genannten Kürbisse schmecken buttrig-mild und sehen äusserst niedlich aus. Auch an den beiden Suppen (7.50 Fr.) gibts nichts zu mäkeln: Die Bouillon mit Gin verführt allein schon mit ihrem herrlichen Duft, die kalte Pfirsich­schale ist schön erfrischend.

Zum Dessert entscheiden wir uns für saisongerechte Backwaren: Das Beeren-Blätterteig-Kissen (8.50 Fr.) schmeckt schon sehr gut und wird von der Birnentarte (7.50 Fr.) sogar noch übertroffen. Sie ist im Geschmack und in der Konsistenz schlicht perfekt.

Geführt wird der Frauenhof von ­Christian Hösli und Ubaldo Curtol, beide bekannt als langjährige Pächter der Altstadtbeiz Bären. Hösli serviert mit viel Charme und lässt sich auch vom steigenden Lärm- und Alkoholpegel am Nebentisch nicht aus der Ruhe bringen. Wir lassen den Abend derweil mit einem feinen Espresso ausklingen. «Dolce Vita», ruft einer in die laue Nachtluft hinaus. «Madonna, com’è bello», antworten wir mit einem Blick hinauf zur Ecknische.

Restaurant Frauenhof, Am Hauptplatz, 8640 Rapperswil-Jona, Telefon 055 211 09 59. Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr geöffnet, Montag Ruhetag. ()

Erstellt: 03.09.2018, 14:23 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben Redaktorinnen und Redaktoren der Zürichsee-Zeitung über ihre gastronomischen Erlebnisse rund um den See.

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