Gartenblog

Lagerfeuerromantik für Anfänger

Unsere Autorin träumt von Lagerfeuerromantik im eigenen Garten. Doch der ist noch eine Baustelle. Auch die Clanmitglieder müssen erst noch von der Idee überzeugt werden. Der Nachbar brät sich derweil ein Steak auf dem Gasgrill.

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Täuschte ich mich oder schaute unser neuer Nachbar etwas mitleidig zu uns hinüber? Gut möglich. Nicht nur gleicht unser Garten noch immer eher einem unkrautüberwuchertem Acker, wo nach einem vielversprechenden Anfang mit Akelei, Blausternen und Tulpen nun vor allem Sauerampfer, Hexenkraut, Brennnessel und andere Gewächse zum Vorschein kommen, die schon mit ihrem Namen verraten, dass sie im Garten eher ungern gesehen sind. Auch sassen wir, allesamt von oben bis unten voller Gips, Sägemehl und Baustaub, auf klapprigen Gartenstühlen um ein qualmendes Feuer aus Holzabfällen und hielten Haselstöcke mit veganen Würstchen drüber. Eines der Kinder brüllte aus vollem Hals, weil es seine Wurst noch nicht essen durfte, das andere, weil seine ins Feuer gefallen war und der Ehemann brüllte zwar nicht, zeigte sich aber sichtlich enttäuscht, hatte er sich doch auf eine Bratwurst aus echtem Kalb gefreut.

Bei der Gartenplanung hatte ich die Feuerstelle als erstes eingezeichnet. Noch vor dem Gemüsegarten. Denn gibt es etwas Schöneres, als abends gemeinsam um ein loderndes Feuer zu sitzen, Marshmallows und Schlangenbrot zu backen und dazu, von der Gitarre begleitet, alte Lieder zu singen? Das alte Haus von Rocky Docky, Country Roads und wie sie alle heissen ... Dass man nach der ersten Strophe meistens nicht mehr weiter weiss und das Stockbrot immer aussen schwarz und innen roh ist, spielt dabei keine Rolle. Es geht ums Gefühl!

Unser Nachbar macht sich nun auch daran, ein Feuer zu entfachen. Dazu muss er nur an den Reglern seines gigantischen Gasgrillgeräts schrauben. Noch ein Blick zu uns hinüber. Eindeutig mitleidig. Und der Blick meines Mannes? Eindeutig ein bisschen neidisch. Ob auf den Supergrill, das Steak oder die Tatsache, dass das Kind des Nachbarn friedlich in seinem Wagen schläft, während unsere sich die Seele aus dem Leib brüllen, wer weiss. Lieber Nachbar! Falls wir Sie derzeit in Ihrem ästhetischen Empfinden stören, tut es uns leid. Auch für den anhaltenden Lärm möchten wir uns entschuldigen. In hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft sitzen wir in adretten Kleidern auf unserem von Blumen gesäumten Kiesplätzli auf Designermöbeln um eine stilvolle Feuerschale und entschädigen Sie für diesen Sommer des Lärms und des hässlichen Anblicks mit holdem Gesang und Gitarrenklängen. Und wenn Sie mögen, dürfen Sie gern auf ein Tofuwürstchen vorbei kommen.

Feuerschale frei – Tipps zum Kochen im Garten

Modell:
Feuerschalen sind aus Edelstahl, Gusseisen oder Keramik erhältlich. Möchte man die Schale nur, um Ambiance zu erzeugen, reicht eine Schale von 30 – 40 cm Durchmesser aus. Wer allerdings darauf kochen möchte, braucht einen Durchmesser von mind. 60 cm.

Brennmaterial:
Eigentlich sind Feuerschalen für das Verbrennen von Holz gedacht. Schalen aus Edelstahl und Gusseisen können aber auch mit Holzkohle befeuert werden. Bei Schalen aus Keramik ist Vorsicht geboten, denn sie reagieren empfindlicher auf grosse Hitze. Insbesondere wenn die Schale nass ist, kann es zu Rissen kommen. Verbrennen Sie kein nasses Holz, weil es schlecht brennt und viel Rauch erzeugt. Achten Sie beim Kauf von Holzkohle auf das FSC-Zeichen, das garantiert, dass die Kohle aus nachhaltiger Holzwirtschaft stammt. Auf- und

Zusätze:
Feuerschalen können mit einem Grillrost, speziellen Grill- und Bratplatten oder mit einem Schwenkarm oder Dreibein ergänzt werden, an welchem Kochtöpfe befestigt werden können. Bezug von Dreibeinen, Kochtöpfen, Teekochern oder Kuchenformen fürs Kochen und Backen über dem Feuer z. B. über den Pfadishop www.hajk.ch

Platzierung:
Grössere Schalen haben ein ziemliches Gewicht – dies ist zu beachten, wenn man die Schale nicht fix an einem Ort installiert haben will. Zudem füllen sie sich bei Regenwetter mit Wasser und müssen ausgekippt werden können. Rostende Schalen sehen zwar attraktiv aus, können aber Flecken machen auf Steinplatten. Feuerschalen werden sehr heiss – Kleinkinder im Auge behalten. Wegen Funkenflug sollten Feuerschalen in ausreichendem Abstand zu Gebäuden, insbesondere zu Scheunen und Holzbeigen, aufgestellt werden. Auch ist die Windrichtung zu beachten, damit die Nachbarn nicht eingequalmt werden.

Rezepte:
Klar kann man einfach eine Bratwurst auf den Grill legen oder ein paar Marshmallows am Stock braten. Grundsätzlich kann aber fast alles auf dem offenen Feuer zubereitet werden. Von der Suppe über Fisch bis hin zum Gugelhopf – wenn man weiss, wie. Kochbücher gibt es viele, z. B. von Susanne Fischer-Rizzi «Wilde Küche – das grosse Buch vom Kochen am offenen Feuer», AT-Verlag

Erstellt: 10.10.2017, 10:25 Uhr

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