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Die Illusion vom Paradies

Unsere Autorin fragt sich, warum sich Gartenbesitzer einmauern, als wären sie mittelalterliche Burgherren. Und findet die Erklärung bei sich selbst.

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Ich glaube, die Zahl der Leute, die sich nackt im Garten aufhalten, ist eher klein. Das hiesige Klima liesse es auch gar nicht zu, es sei denn man will sich an empfindlichen Stellen einen Frostschaden holen. Bleibt die Frage, was all die Leute so schampar Geheimes machen hinter den Kilometern von blickdichten Thujahecken? Illegale Migranten beherbergen? Hanf anbauen? Katzenfilme gucken?

Das Selfie im Bikini schafft's dank Facebook sogar auf den Bildschirm des Chefs, aber in einen nicht blickdicht abgeschotteten Garten wagt sich darin niemand.

Schon komisch: Dem appetitlich angerichteten Salat darf via Instagram die ganze Welt beiwohnen, aber bei dessen Verspeisung auf dem Sitzplatz soll einem ja keiner auf den Teller glotzen. Das Selfie im Bikini schafft's dank Facebook sogar auf den Bildschirm des Chefs, aber niemand legt sich darin in einen nicht blickdicht abgeschotteten Garten. Über die sozialen Netzwerke teilen wir unsere Babys und Büsis mit Leuten, die wir schon in der Schule nicht mochten. Kaum aber nennen wir ein Grundstück unser eigen, mutieren wir zu mittelalterlichen Burgherren: Umzäunen es mit angespitzten Latten und pflanzen Hecken, vielleicht sogar mit Dornen.

Ich habe eben unsere Thujamauer niedergemetzelt. Und ja, derzeit überlege ich, wie ich die entstandene Lücke wieder schliessen soll. Weniger, weil ich mich geniere, wenn die Nachbarn sehen, wie ich mein Kompostkübeli leere. Ungeschminkt! Oder beobachten, wie mir beim Essen ein Nüdeli runterfällt. Das ich auflese, abpuste und trotzdem esse!

Täglich müssen wir uns mit anderen Leuten in Büros, Züge und Wartezimmer quetschen. Täglich werden wir daran erinnert, dass wir uns die Welt mit Millionen anderen Menschen teilen müssen. Wenigstens im Garten möchte ich mir die Illusion, die einzige auf Erden zu sein, aufrechterhalten. Eva sein im Paradies.

 Vielleicht lässt sich in Zeiten, in denen überall Mauern gebaut werden, ein Zeichen setzen, in dem man wenigstens den Gartenhag weglässt. 


Das geht nicht, wenn ich mitanschauen kann, wie der Nachbar in den Unterhosen den Rasen mäht. Und jedes Mal Small-Talk machen muss, wenn ich eigentlich einfach mal etwas Stille wollte an einem Tag, der um 5:15 Uhr mit „MAMI!!“ begann. Andererseits ist es schön, Komplimente für die Rosen zu erhalten. Und mit der Nachbarin über die besten Anti-Schneckenstrategien zu diskutieren. Daraus können Freundschaften fürs Leben entstehen.

Vielleicht lasse ich unsere Grenzen doch offen. Vielleicht lässt sich in Zeiten wachsenden Misstrauens, in denen überall Mauern gebaut werden, ein Zeichen setzen, in dem man wenigstens den Gartenhag weglässt.

Erstellt: 02.02.2017, 15:06 Uhr

Tipps zu Hecken und Zäunen

Zäune:

  • Schweizer Klassiker ist der gute alte Lättli-Gartenzaun aus Holz, wahlweise angespitzt oder abgerundet. Ältere Liegenschaften haben manchmal schöne Zäune aus Metall, je nach Baujahr mehr oder weniger verschnörkelte. Solche bekommt man von Abbruchhäusern oder in Bauteilbörsen: www.bauteilclick.ch

  • Eine unkonventionelle Alternative ist ein geflochtener Weidenzaun. Er hält ca. 10 Jahre, dann kann er aber dank des Grundgerüsts aus Metall einfach erneuert werden. Spezialist dafür ist der Flechtwerkgestalter Simon Mathys www.flechtart.ch

  • Als Sichtschutz kann auch eine Holzbeige dienen. Dafür werden Holzscheite in einem Metallständer aufgeschichtet. Es gibt Elemente, bei denen Fenster offen gelassen werden können, als Durchguck oder für Topfpflanzen. Eine Holzbeige ist auch ein wunderbarer Lebensraum für allerlei Tiere, von Wildbienen über Laufkäfer bis zu Eidechsen. Vor dem Verfeuern auf mögliche Bewohner achten!

  • Zäune und Mauern können mit Kletterpflanzen begrünt werden – sieht gut aus und ist ein toller Unterschlupf für viele Vogelarten. Clematis, Kletterrosen und Spalierobst eignen sich für sonnige, Efeu, Wilder Wein, Lonicera und Pfeifenwinde für schattigere Orte.

  • Die meisten Kletterpflanzen wollen hoch hinaus und sind wenig interessiert, sich im unteren, weniger hellen Bereich breit zu machen. Zu ihren Füssen können dem Standort entsprechende Stauden oder Gräser gepflanzt werden.



Hecken:

  • Hecken brauchen etwas mehr Platz und Pflege. Wer neu pflanzt, sollte sich mit dem Nachbar absprechen oder vorgängig das Zivilgesetzbuch studieren. Die Gesetze zum Setzen von Sträuchern und Zäunen findet man auf Seite 13 unter C. //bit.ly/2hzAiAH

  • Statt wie alle langweilige Thuja oder Kirschlorbeere zu pflanzen – beides kaum von Wert für Tiere, letztere gilt gar als invasiver Neophyt und sollte darum gar nicht mehr gepflanzt werden – wenn es der Platz zulässt lieber eine Wildfruchthecke setzen. Sie besteht aus einheimischen Sträuchern wie Vogelbeere, Schwarzdorn, Haselnuss, Brombeere, Wildrose, Pfaffenhütchen, Heckenkirsche, Felsenbirne, Berberitze, Kornelkirsche oder Holunder. Ein Unterschlupf für Vögel und Nahrungsquelle dazu – zudem sind alle als Raupenfutter einer oder mehrerer Schmetterlingsarten nützlich.

  • Beratung und Bezug von Bio-Wildobst z. B. über Pavel Beco www.albisboden.ch

  • Wer unbedingt Formschnitt will oder wenig Platz hat, setzt Hartriegel, Hainbuche, Liguster oder Eibe, alle vier einheimisch und ebenfalls wertvoll für Vögel. Eibe ist sogar immergrün.

Offene Gärten

Wer gerne mal hinter Hecken und über Zäune blicken will, kann in der ganzen Schweiz private Gärten besichtigen.
Wer, wann und wo finden Sie über www.offenergarten.ch
(Bei Saisonstart wieder ein laufend grösseres Angebot.)

300 öffentlich zugängliche Gärten finden Sie in Sarah Fasolins „Gartenreiseführer Schweiz“, 2014, Callwey Verlag.

Offizieller Tag der offenen Gärten 2017
17. und 18. Juni 2017

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