Männedorf

Zwingli und Luther auf der Musicalbühne

«Der letzte Stich» heisst ein Musical, das sich heiter und tiefsinnig mit der Reformation auseinandersetzt. Über 40 Laien und Profis interpretieren alte Fragen neu auf der Bühne. Demnächst wird das Stück in Männedorf gezeigt.

Über 40 Laien und Profis  setzen sich im Reformationsmusical «Der letzte Stich» mit christlichen Lebensthemen auseinander.

Über 40 Laien und Profis setzen sich im Reformationsmusical «Der letzte Stich» mit christlichen Lebensthemen auseinander. Bild: Vivane Schwizer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Gott schuf den Menschen nach seinem Bild», der 30-köpfige adhoc-Chor studiert in der Probe für die bevorstehende Tournee des Reformationsmusicals «Der letzte Stich» gerade ein Lied ein. Letzte Feinheiten lassen noch zu wünschen übrig. Wiederholung ist angesagt, denn der junge Dirigent Demian Gander will die schwierige Stelle mit den Laiensängerinnen und -sängern noch besser hinkriegen. «Die Intonation stimmt noch nicht so ganz», moniert der 22-jährige Musikstudent. Konzentriert wiederholt der Chor die Passage. Diese spricht wie alle Lieder christliche Lebensthemen an, erinnert aber nicht an gängige Kirchengesänge.

Nach der Wiederholung ist der Dirigent zufrieden. Er lobt den Chor nun ausgiebig. Komponiert wurden die Lieder von Manuel Ledergerber. Der 20-Jährige spielt die rhythmischen Stücke im Musical gleich selber auf dem Klavier als Teil der auftretenden Band. Auch am Schlagzeug, am Bass und an der E-Gitarre ist der Vollblut-Musiker bewandert. Zur Vertonung von «Der letzte Stich», seinem bisher grössten Werk, sagt er: «Die rassige Musik ist voller guter Laune und bewegt sich zwischen eingängigen Pop- Harmonien, funkig-frechen Grooves, rockigen Gitarren und Chorälen».

«Versöhnung» als Antwort

Das Reformationsmusical stammt aus der Feder des Männedörfler Pfarrers Achim Kuhn. Er kreierte die Liedtexte und ein Stück, das humorvoll, unterhaltend und gehaltvoll zugleich ist. Zwar hat Reformator Martin Luther seine 95 Thesen schon vor 500 Jahren an die Türen des Schlosses von Wittenberg angeschlagen, aber heute braucht die Kirche wieder eine neue inhaltliche Reformation – und kann dabei bei Luther anknüpfen, meint Kuhn: «Der Wunsch nach innerem Frieden - das ist das Verbindende zwischen den Menschen zu Luthers Zeiten und uns Menschen heute». Damals sei die Antwort die «Rechtfertigung» gewesen, ein Begriff, der heute kaum noch verstanden werde. Für Kuhn ist die heutige Antwort auf viele gesellschaftliche und kirchliche Fragen «Versöhnung».

Das Stück plädiert dafür, Brücken zu schlagen, in guter Auseinandersetzung Kompromisse zu finden, dem Andersdenkenden mit Wohlwollen zu begegnen und wo möglich ein Stück weit entgegen zu kommen. «Der Mensch kann Versöhnung schenken, weil er von Gott damit beschenkt worden ist. Konflikte auszutragen, braucht Mut – aber Versöhnung ist erst recht nichts für Feiglinge», sagt Kuhn. Es freut ihn sehr, dass sich sowohl Reformierte als auch Katholiken gemeinsam für das Reformationsmusical stark gemacht und es ermöglicht haben. Das Musical ist zudem Teil der Reformationskampagne der Zürcher Landeskirche.

Vielschichtiger Inhalt

Auf drei ineinander verschachtelten Ebenen werden unterschiedliche Inputs rund um das Kernthema «Versöhnung» gegeben. Ein Vater spricht mit seiner Tochter beim Campieren über Gott und die Welt. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn wird in die heutige Zeit übersetzt. Zudem taucht immer wieder ein ultracooler Engel auf, der auf seinen Rollschuhen erfreut. Im Kontakt mit Jesus regt er aber auch zum Nachdenken an.

Besonders originell sind die drei Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin, die nach den ins Land gegangenen Jahrhunderten aus dem Himmel die heutige Zeit verfolgen: Wenn sie auf die Erde hinunter schauen, sind sie enttäuscht. Denn sie sehen wohl, dass die Menschen zu ihrem Glück dringend etwas brauchen, aber sie erkennen zugleich, dass die damalige Reformationsbotschaft den heutigen Menschen nichts mehr zu sagen hat. Sie zerbrechen sich den Kopf darüber, wie diese Botschaft heutzutage helfen kann, aber kommen zu keinem Ergebnis. Also vertreiben sie sich die Zeit, ziehen sich gegenseitig auf und jassen, bis ihnen endlich weitergeholfen wird.Wer wohl im populären Schweizer Spiel den letzten Stich machen wird? Kann sich Reformation nochmals ereignen? Wird Versöhnung möglich, wie es sich der Autor des Stückes wünscht? Die Antwort auf diese Fragen gibt es am 25. März bei der Aufführung in Männedorf.

Sonntag 25. März, 18 Uhr, Gemeindesaal «Zentrum Leue», Alte Landstrasse 250, 8708 Männedorf. Eintritt frei, Kollekte. Weitere Infos: www.reformationsmusical.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.03.2018, 14:40 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben