Stäfa

Zwei Firmen streiten sich um Stäfner Altkleider

Bisher sammelte die Firma Texaid die entsorgten Kleider ein. Nach einer Neuvergabe der Konzession soll dies der Konkurrent Tell-Tex tun dürfen. Doch dagegen wehrt sich Texaid.

Bisher sammelte die Firma Texaid in Stäfa die entsorgten Altkleider ein. Dass nun der Konkurrent Tell-Text den Auftrag erhalten hat, will sie nicht auf sich sitzen lassen.

Bisher sammelte die Firma Texaid in Stäfa die entsorgten Altkleider ein. Dass nun der Konkurrent Tell-Text den Auftrag erhalten hat, will sie nicht auf sich sitzen lassen. Bild: Archiv ZSZ

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Naht der Frühling, so steigt bei vielen Menschen die Lust, den Kleiderschrank auszumisten. Meist werden die aussortierten Kleider und Schuhe dann bequem in den extra dafür zugeschickten Sack gepackt und vors Haus gestellt. So konnte dies bisher auch in Stäfa getan werden. Die Firma Texaid führte jeweils im Frühling und im Herbst eine Strassensammlung durch. Ausserdem betreibt das Unternehmen an mehreren Standorten auf dem Gemeindegebiet Sammelcontainer.

Wann genau diesen Frühling die Strassensammlung stattfinden wird, ist momentan allerdings unklar. Der Grund: Die Gemeinde Stäfa hat die Konzession zur Sammlung von Altkleidern neu der Firma Tell-Tex GmbH erteilt. Dies per 1. Januar 2020 und für vier Jahre. Tell-Tex ist neben Texaid der zweite grosse Anbieter auf dem Markt der Textilsammler. Doch nun wurde der Vergabebeschluss vor dem Verwaltungsgericht angefochten, wie der Stäfner Gemeinderat in einer Medienmitteilung schreibt.

Abfallrechnung entlasten

Hinter der Beschwerde steht Texaid, der bisherige Altkleidersammler in Stäfa. Dies bestätigt das Unternehmen auf Anfrage. Zu den Gründen will die Firma aufgrund des laufenden Verfahrens allerdings keine Stellung nehmen.

Etwas mehr ist von der Gemeinde Stäfa zu erfahren: Wie Marcus Bosshard, Leiter Fachbereich Alter und Gesundheit, ausführt, hat die Gemeinde Stäfa von beiden Firmen Offerten eingeholt. Dabei hat aus Stäfner Sicht Tell-Tex besser abgeschnitten. Die angebotenen Leistungen der beiden Unternehmen seien zwar gleichwertig, sagt Bosshard. «Für die Einwohnerinnen und Einwohner ändert sich mit dem Entscheid absolut nichts.» Für die Vergabe entscheidend sei daher die Vergütung gewesen, welche zurück an die Gemeinde Stäfa fliesst.

«Für die Einwohnerinnen und Einwohner ändert sich mit dem Entscheid absolut nichts.»Marcus Bosshard

Diese beläuft sich für die nun erteilte Konzession an Tell-Tex auf 40 Rappen pro Kilogramm Altkleider. Bei einer geschätzten Altkleidermenge von 67 Tonnen in den nächsten vier Jahren, wie sie Stäfa annimmt, bedeuten dies Einnahmen von 26'800 Franken zu Gunsten der Stäfner Abfallrechnung. Wie hoch die Vergütung bei Konkurrent Texaid wäre, gibt Bosshard nicht bekannt. Dieser Teil der Offerte falle unter den Geheimnisschutz der Anbieter.

Wie von der Gemeinde Stäfa weiter zu erfahren ist, ist der strittige Punkt aber die Art der Vergabung. So berechnet die Gemeinde Stäfa den Auftragswert bei der geschätzten Sammelmenge von 67 Tonnen für die Vierjahresperiode auf unter 150'000 Franken. Damit liegt er im Bereich, den die Gemeinde freihändig, also ohne öffentliche Ausschreibung, vergeben kann. Laut Bosshard basiert diese Rechnung auf dem Dienstleistungsaufwand gemäss einem Gerichtsurteil zur Stadt Schlieren, in welchem die gleichen Firmen involviert waren.

Wie Bosshard sagt, stelle sich die Firma Texaid aber auf den Standpunkt, dass das Potential in Stäfa viel grösser wäre. «Ich habe aber die Zahlen der letzten 15 Jahren und weiss genau, dass wir deutlich unter den 150'000 Franken liegen.» Die Sammelmenge sei seit Jahren stabil.

Image spielte keine Rolle

Bei der Vergabe keine Rolle gespielt hat laut Bosshard das eher negative Image, welches Texaid mittlerweile hat. Vor rund einem Jahr hat die Zeitung «Blick» mehrfach über Texaid-Chef Martin Böschen und seine Baupläne für eine Villa in Baar berichtet. «Ein Zulassungskriterium wäre das Image nur, wenn bei einem der beiden Unternehmen für uns ein Reputationsschaden hätte entstehen können. Und das ist hier nicht der Fall», sagt Bosshard.

Trotzdem ist klar: Es geht bei beiden Firmen nicht nur um Wohltätigkeit, sondern auch darum, Gewinne zu erzielen. So haben in den letzten Jahren verschiedene Medien, darunter der Kassensturz, berichtet, dass die gesammelten Kleider zu einem grossen Teil weiterverkauft und nicht etwa gratis an Bedürftige abgegeben werden.

Welche der beiden Firmen die Altkleidern der Stäfner künftig weiter verwerten darf, muss sich also noch zeigen. Bis ein Urteil gesprochen ist, ist weiterhin Texaid zuständig. Bosshard geht davon aus, dass der Entscheid des Verwaltungsgerichts noch im ersten Jahresquartal fällt.

Erstellt: 11.02.2020, 18:30 Uhr

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