Zumikon

Zumikon erlebt sein Bienen-Wunder

Bienen sind in vielerlei Sicht faszinierende – aber auch gefährdete – Lebewesen. Das machen die zwei Dutzend Texttafeln der Wanderausstellung «Bienen-Wunder» deutlich. Diese gastiert derzeit auf dem Zumiker Dorfplatz.

Die Bienen-Ausstellung auf dem Zumiker Dorfplatz zog am Freitag die Dorfbevölkerung an.

Die Bienen-Ausstellung auf dem Zumiker Dorfplatz zog am Freitag die Dorfbevölkerung an. Bild: Michael Trost

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Sie sind Künstlerinnen und politische Vorbilder: Die Bienen, oder besser, die Honigbienen. Zwar sind sie auch häufig anzutreffende Gäste auf den sommerlichen Esstischen – und hierin nicht immer willkommen. Zwar sind ebenso ihre Produkte wie Honig und Wachs wohl den meisten Menschen bestens vertraut. Doch die schwarz-gelb gestreiften Insekten haben eben noch viele weitere und mitunter weniger bekannte Seiten an sich.

Dies zeigt sich diesen Monat auf dem Dorfplatz Zumikon – in Form der Wanderausstellung «Bienen-Wunder». Es ist dies eine Reise durch die Welt der Bienen, festgehalten auf zwei Dutzend Stellwänden.

Fülle fasziniert

So liest sich etwa auf einer der Tafeln, was es mit einem besonders beeindruckenden Bild auf sich hat: Wenn Bienen nicht vereinzelt da und dort auf einer Blüte sitzen – sondern zu Tausenden, dicht gedrängt, dass man sie von der Weite für ein Stück Stoff halten möchte: Dann sei dies zum einen ein sorgfältig geplanter Entscheid aus der Fülle heraus: Ein Teil des Bienenvolks schwärme mit der bisherigen Königin aus, um einer Nachfolgerin und ihren Jungbienen Platz zu schaffen. Und um damit, zum anderen, auch Krankheitsvorsorge zu betreiben.

Mit dem hierbei verwendeten Begriff der Fülle hat es noch eine ganz andere Bewandtnis: Sie macht zu einem grossen Teil die Faszination aus, die der Autor der Texte für die Bienen hegt. Dabei handelt es sich um den Basler Molekularbiologen und Imker Johannes Wirz. Er war mit dabei, als Gemeindepräsident Jürg Eberhard (FDP) die Ausstellung auf dem Zumiker Dorfplatz vergangenen Freitag mit einer Vernissage eröffnet hat.

Seit 30 Millionen Jahren

«Eine Biene besucht eine Blüte nicht nur einmal», illustrierte Wirz in seiner kurzen Ansprache einen Aspekt der Fülle. «Sondern sechs, sieben Mal oder noch häufiger.» Je mehr dies, und damit die Bestäubung der Blüten, geschehe, umso besser würden dann auch Früchte, Beeren und Gemüse. Ohne diese Leistung der Bienen, gab er zu bedenken, wäre der Speiseplan von uns Menschen stark eingeschränkt. Handkehrum hätten es die Bienen hierzulande immer schwerer aufgrund der intensiven Landwirtschaft – wegen des hohen Pestizideinsatzes, aber auch, weil sie den Bienen kaum Blumenwiesen zugestehe. «Die Frage ist nicht, ob die Bienen überleben», sagte er. Das würden sie nach 30 Millionen Jahren auf der Erde durchaus – allerdings anderswo, wo die Lebensbedingungen besser seien. «Aber schaffen wir es ohne die Bienen?», stellte Wirz als Frage in den Raum. Diese und weitere kritische Punkte zur Bienenthematik hat er denn auch in seine Ausstellungstexte einfliessen lassen.

Aber auch die demokratische Organisation des Bienenvolkes beeindruckt ihn. «Das Volk entscheidet gemeinsam, wann es etwa Zeit zum Schwärmen ist und wo es sich neu niederlassen will.» Es gebe kein Leittier, sondern nur den Konsens im Kollektiven. Hierin, meinte der Biologe, seien sie den Menschen ein Vorbild.

Vom «Phänomena»-Macher

«Und nicht zuletzt sind die Bienen unglaubliche Künstlerinnen», sagte er und zeigte den gut 50 Vernissagenbesuchern ein Stück Wabe. «Die Regelmässigkeit der einzelnen Zellen ist perfekt.» Umso mehr, da es für die männlichen Drohnen und die weiblichen Arbeiterinnen unterschiedlich grosse Zellen gebe. Die Übergänge zwischen den beiden Zelltypen seien genauso präzise wie das gesamte Bauwerk.

Geistiger Vater der Ausstellung ist der Zürcher Georg Müller. Der Theaterregisseur und Feinmechaniker hat bereits in den Achtzigerjahren bewiesen, dass ihm die Vermittlung von Wissenschaft am Herzen liegt – dies mit der Schau «Phänomena». Anlass für «Bienen-Wunder» sei das letztjährige 50-Jahr-Jubiläum des Zürcher Kerzenziehens gewesen, erklärte er, aber auch der Ansporn, die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit der Insekten zu sensibilisieren. Nun tourt die Ausstellung mit ihren zwölf Vitrinen durch weitere Städte und Gemeinden; Zumikon ist hierbei ihr erster Halt.

Ausstellung «Bienen-Wunder». Bis Sonntag, 30. Juni. Dorfplatz Zumikon. Eintritt frei.

Erstellt: 11.06.2019, 15:22 Uhr

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