Zum Hauptinhalt springen

Zukunft gesät – ohne Gentechnologie

«Zukunft säen!» – so heisst die schweizweite Herbstaktion, an der sich in Feldbach rund 50 Menschen beteiligt haben. Am Samstag haben sie 30 Kilogramm Bioweizen von Hand ausgesät.

Herbert Völkle, Geschäftsführer des Vereins für Kulturpflanzenentwicklung bei den letzten Instruktionen vor der Saat.
Herbert Völkle, Geschäftsführer des Vereins für Kulturpflanzenentwicklung bei den letzten Instruktionen vor der Saat.
Manuela Matt

Es ist eine traumhafte Kulisse an diesem letzten milden Herbsttag. Vom gepflügten Acker reicht der Blick über den See bis zum Schloss Rapperswil. Hier, unweit der Feldbacher Kreuzung, werden in wenigen Minuten 30 Kilogramm Weizenkörner der Sorte Pizza ausgesät. Sie stammen aus der biodynamischen Getreidezüchtung des Hombrechtikers Peter Kunz. Bis diese Sorte offiziell zur Aussaat zugelassen ist, braucht es nicht selten bis zu 15 Jahre­.Für diesen Akt des gemein­samen Aussäens haben sich rund 50 Erwachsene und Kinder eingefunden. Sie stehen mit einem Abstand von einer Armlänge an den beiden Längsrändern des 15 Are grossen Feldes, das sich auf dem Areal des von Kunz gegrün­deten Vereins für Kulturpflanzenentwicklung befindet. In der Hand hält jede Säfrau und jeder­ Sämann eine Papier­tüte gefüllt mit einem halben Kilo­gramm Weizenkörnern.

Mit langsamen Schritten schrei­ten die Menschen schon fast ehrfürchtig über den Acker und streuen – die einen mit einer ausholenden, andere mit einer zaghaften Armbewegung – ihr Saat­gut auf die weiche Erde. Immer­ nur wenige Körner aufs Mal, so sind sie instruiert worden. Die Säenden kreuzen sich, erreichen den Feldrand und wieder­holen ihren Gang zurück zum Ausgangsort. Bis auch das aller­letzte Weizenkorn auf der Erde liegt.

Schweizweit auf Biobetrieben

Der Akt steht unter dem Motto des gemeinsamen Säens für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Peter Kunz, der seit 35 Jahren Getreide­sorten für die biologische Landwirtschaft züchtet, hat die Manifestation vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Seither findet «Zukunft säen!» jeweils im Herbst nicht nur in der Region, sondern schweizweit auf Bio­betrieben und auch im Ausland statt. In Italien haben sich heuer gar 35 Betriebe daran beteiligt. «Es ist eine wunderbare Erfindung in unserer Zeit, in der das Selbermachen zum Trend geworden ist und Do-it-yourself-Läden boomen», meinte Herbert ­Völkle am Samstag zur Begrüssung der Teilnehmenden. Die meisten von ihnen beteiligten sich nicht zum ersten Mal an dieser Aktion. Ihnen ist der Gedanke, dass Saatgut ein Gemeingut ist, wichtig. Mit ihrem Einsatz leisten sie ihren Beitrag zu dessen Vermehrung, wie einige sich dazu äusserten.

Der Ertrag aus dem Winter­wei­zen, den sie am Samstag ­ausgesät haben und der Ende Juli ­geerntet wird, wird darauf von einem dafür spezialisierten Betrieb­ zu Saatgut vermehrt. Erst dann gelangt er in die Land­wirtschaft und findet über die Mühle schliesslich den Weg zum Bäcker, wie Herbert ­Völkle die Wertschöpfungskette von der Züchtung bis zum Brot kurz umfasste.

Eine Biosuppe als Belohnung

Völkle ist seit zwei Jahren Geschäftsführer des von Peter Kunz vor 17 Jahren gegründeten Vereins für Kulturpflanzenent­wicklung. Kunz selber habe sich zurückgezogen, sitze jedoch noch im Vorstand und verfolge weiterhin die Getreidezucht.

2014 ist der Verein vom Hof Breit­len­ in Hombrechtikon nach Feldbach umgezogen. In einer um­gebauten Scheune befinden sich dort neben den Zucht­gär­ten auch die Forschungsräume, La­bors und Lager, in welchen 14 Mit­arbeitende für die Züchtung und Sortenentwicklung tätig sind. Erst kürzlich haben sie auf einem 70 Are grossen Feld 1500 Sorten Getreide angesät. Die Land­fläche in Feldbach wird gemeinsam mit dem Produzenten von Bio­gemüse, Jürgen Käfer, bewirtschaftet, was der Fruchtfolge von Getreide, Gemüse und Wiese zugute­kommt. Käfers Bio­laden befindet sich jetzt beim Hof Breitlen. Nach getaner Arbeit konnten sich die Säenden an einer Gemüse­suppe aus Käfers Produktion stärken.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch