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«Zugunsten der Qualität entschieden»

Seit 2010 gehört die «Zürichsee-Zeitung» zu Tamedia. Eine wichtige und richtige Verbindung, wie die Entwicklung der Bezahlzeitungen zeige, sagte Verlagschef Pietro Supino am Jubiläumsfest der ZSZ in Meilen.

MeinungPietro Supino
Pietro Supino, Verleger und Verwaltungsratspräsident Tamedia.
Pietro Supino, Verleger und Verwaltungsratspräsident Tamedia.
Moritz Hager

Für sich allein betrachtet, kann man den Verlust an eigenständigen Regionaltiteln bedauern. Angesichts der Medienentwicklung bin ich aber überzeugt, dass die Einbettung in ein nationales Netzwerk für die «Zürichsee-Zeitung» mehr Vor- als Nachteile mit sich bringt. Tamedia bietet in der heutigen Zeit die besten Voraussetzungen, um unabhängigen Qualitätsjournalismus zu leisten.

Wenn die Kosten den sinkenden Erträgen angepasst werden müssen, ergibt sich unvermeidlich ein Zielkonflikt zwischen der Vielfalt der Angebote und ihrer Qualität. Belässt man die Vielfalt, stehen für die einzelnen Titel weniger Ressourcen zur Verfügung. Bündelt man die Ressourcen, leidet die Vielfalt.

Ich meine: In diesem Dilemma müssen wir zugunsten der Qualität entscheiden. Nur schlagkräftige, mit genügend Ressourcen ausgestattete Medien können ihre staatspolitische Rolle erfüllen. Natürlich empfiehlt sich eine Bündelung der Kräfte vor allem in jenen Gebieten, wo die Vielfalt gross ist. Also eher auf der internationalen und nationalen und weniger auf der regionalen und lokalen Ebene.

In der regionalen und lokalen Berichterstattung bieten sich in unserem kleinräumigen Land weniger Grössenvorteile, dafür besteht die einzigartige Chance, unser Angebot bei der Leserschaft zu verankern. Man kann in diesen Fragen selbstverständlich unterschiedliche Standpunkte vertreten. Einig sind wir uns aber sicherlich darin, dass Untätigkeit keine Option gewesen wäre.

Leiden wir denn in der Schweiz oder im Kanton Zürich unter einem Verlust an Medienvielfalt, wie gelegentlich behauptet wird? Es trifft zu, dass die Bezahlzeitungen sich rückläufig entwickelt haben und die Anzahl Titel abgenommen hat. Insgesamt erleben wir aber eine Explosion und eine Atomisierung des Medienangebotes. Dabei wäre gerade die Möglichkeit des Dialogs zentral – des Austauschs von Informationen, Argumenten und Meinungen in einem gemeinsamen öffentlichen Raum. So, wie es der amerikanische Schriftsteller Arthur Miller formuliert hat: «A good newspaper, I suppose, is a nation talking to itself.»

Statt der Zeitungsvielfalt nachzutrauern, sollten wir uns Sorgen darüber machen, dass die grossen Schweizer Zeitungen schrumpfen. Dass es immer weniger gemeinsame Plattformen gibt, auf denen die Mehrheit der Bevölkerung zusammenfindet. Zeitungen haben in den westlichen Demokratien seit jeher eine zentrale gesellschaftliche und politische Rolle gespielt – für die gesellschaftliche Integration und als Gegengewicht zu bedeutsamen Institutionen und mächtigen Persönlichkeiten.

Es entspricht unserem verlegerischen Credo, das sich auf eine lange Tradition stützt. Unsere Ambition ist es, mit unserem unternehmerischen Engagement dazu beizutragen, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger gut informieren und ihre eigenen Meinungen bilden können.

Tamedia ist aus dem «Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich» hervorgegangen und hat sich schrittweise von einem Zürcher Verlag zu einem nationalen Medienhaus mit Schwerpunkten in Basel, Bern, Genf, der Waadt und natürlich weiterhin im Kanton Zürich entwickelt. Die grösste Herausforderung von Tamedia ist heute die digitale Transformation unserer Bezahlzeitungen – erstens des publizistischen Angebots und zweitens des Geschäftsmodells. Darauf werden wir uns bei Tamedia in den nächsten Jahren konzentrieren, und dafür soll die dezentrale Struktur der TX Group einen optimalen Rahmen bieten.

Es ist zahlreichen risikobereiten Gründern und umsichtigen Unternehmern zu verdanken, dass sich die Zürcher Medienlandschaft seit 175 Jahren organisch entwickelt und sich immer wieder an veränderte Verhältnisse angepasst hat. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gemeinsam gelingen wird, diese Geschichte im selben Geiste fortzuschreiben. Darüber können wir uns beim nächsten Jubiläum in 25 Jahren wieder unterhalten.

Auszug aus der Ansprache von Verleger Pietro Supino am Jubiläumsfest der «Zürichsee-Zeitung» vom 30. Januar in Meilen.

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