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Zu Weihnachten gibt es Jahresberichte statt Bettelbriefe

In der Vorweihnachtszeit wird viel gespendet. Die hiesigen Institutionen und Heime, die sich um Behinderte kümmern, machen keine klassischen Spendenaufrufe zu Weihnachten. Vielmehr organisieren sie Adventsausstellungen oder Märkte.

Das Weihnachtszelt der Meilemer Stiftung Stöckenweid hat mittlerweile Tradition. Hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 2015.
Das Weihnachtszelt der Meilemer Stiftung Stöckenweid hat mittlerweile Tradition. Hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 2015.
Sabine Rock

In der Adventszeit hat das Spendensammeln Hochsaison. Im Briefkasten finden sich jeden Tag mehrere Bettelbriefe, oder Fund­raiser, wie sie auf Neudeutsch heissen, sprechen die Passanten auf der Strasse an. Sie sollensie zum Spenden für wohltätige Zwecke bewegen, und das tunsie meist mit Erfolg. Denn die Schweizer sind gerade in der Vorweihnachtszeit ein spendierfreudiges Volk.

Laut Zewo spendeten Schweizerinnen und Schweizer letztes Jahr rund 1,79 Milliarden Franken an gemeinnützige Organisationen. In einer repräsentativen Umfrage gaben 82 Prozent der Haushalte an, im Vorjahr überhaupt und im Durchschnitt 300 Franken gespendet zu haben.

Heime und Institutionen, die sich um Behinderte kümmern, indem sie ihnen geeigneten Wohnraum oder einen geschützten Arbeitsplatz bieten, sind eigentlich nicht auf Spenden ­angewiesen. In der Schweiz istes der Staat, der die Kosten der Plätze zum Beispiel mit Leistungsvereinbarungen deckt.

Tausend Adventskränze

Thomas Schmitz von der Stiftung Brunegg in Hombrechtikon sagt dazu: «Wir sind traditionell keine Bettelorganisation, die an Weihnachten auch noch einen Spendenaufruf verschickt.» Die Stiftung kontaktiert zwar zweimal im Jahr einen festen Stamm ­treuer Spender, doch das Mailing habe eher einen informativen Charakter.

«Spendengelder gehen fast zu hundert Prozent in das Freizeitangebot der Bewohner.»

Thomas Schmitz, Stiftung Brunegg, Hombrechtikon

Die Adventsausstellung hingegen ist nicht mehr aus dem Jahreskalender wegzudenken. Schmitz sagt dazu: «Jährlich kommen zwischen drei- und viertausend Besucher, und wir verkaufen an die tausend Adventskränze. Uns ist es wichtig, dass der Markt nicht etwa aus Mitleid besucht wird. Wir wollen zeigen, dass Behinderte tolle Produkte herstellen, die wegen ihrer guten Qualität gekauft werden.» Spendengelder machen denn auch nur einen Anteil zwischen fünf und zehn Prozent des Jah­resbudgets aus. Schmitz ergänzt: «Spendengelder gehen fast zu hundert Prozent in das Freizeitangebot der Bewohner und steigern so deren Lebensqualität.»

Dankes- statt Bettelbrief

Ähnlich klingt es auch aus dem Weesner Wohnheim St. Josef. Der Betriebsleiter Christoph Neurauter sagt, dass sie zwar einen Weihnachtsbrief verschicken würden, es sich dabei aber eher um einen Dankes- denn um einen Bettelbrief handle. Auch sie führen mit grossem Erfolg einen ­Adventssamstag durch, den sie meist zusammen mit einer Schulklasse gestalten. Ebenfalls keine Weihnachtspost kriegen potenzielle Geldgeber von der Stiftung Bühl in Wädenswil oder von der Joner Stiftung Balm. Priska Engelbogen von der Stiftung Balm meint zum Thema: «Wir machen sehr wenige aktive Aufrufe, dieses Jahr zum Beispiel keinen einzigen.

Für nächstes Jahr planen wir allerdings eine Aktion, die aber Firmen ansprechen soll. Wir wollen ihnen nahelegen, die Kundenweihnachtsgeschenke bei uns einzukaufen.» Allen Stiftungen ist es wichtig, in der Vorweihnachtszeit Präsenz zu markieren. Das tun sie ent­weder mit einem eigenen Weihnachts- oder Adventsmarkt, oder sie präsentieren sich – zum Teil zusätzlich – an einem der vielen Märkte in der Region. So war die Stöckenweid aus Feldmeilen beispielsweise am Weihnachtsmarkt in Meilen oder die Stiftung Bühl an der Anzündete in Wädenswil mit einem Stand vertreten.

Kampagne erst im Januar

Von den angefragten Heimenund Institutionen plante einzig die Horgner Humanitas einen weihnächtlichen Spendenaufruf per Brief. Aus organisatorischen Gründen hat es dann aber zeitlich nicht gereicht, und die Kampagne läuft nun im Januar an. «Nachträglich bin ich über diese zeit­liche Verschiebung gar nicht so traurig», meint Anouk Isch von Humanitas und stimmt in den allgemeinen Grundtenor ein: In der Vorweihnachtszeit laufen von zu vielen gemeinnützigen Organisationen zu viele Spendenaufrufe, die wohl teils ungelesen auf dem Altpapierstapel landen.

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