Meilen

Zu helfen ist ihre Motivation

Ab Januar steht die Stützpunktfeuerwehr Meilen unter dem Kommando von Martin Siegrist. Der 42-Jährige folgt damit auf Thomas Osterwalder. Im Gespräch äussern sich die beiden über Faszination und Herausforderungen des Amtes.

Thomas Osterwalder (links) übergibt das Kommando der Stützpunktfeuerwehr Meilen seinem Nachfolger Martin Siegrist.

Thomas Osterwalder (links) übergibt das Kommando der Stützpunktfeuerwehr Meilen seinem Nachfolger Martin Siegrist. Bild: Michael Trost

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Es ist gut so.» Ein Abschnitt gehe zu Ende, etwas Neues komme. Thomas Osterwalder kennt keine Wehmut. Dies, wenn er am Montag seine Funktion als Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Meilen abgibt. Acht Jahre hat der 56-Jährige das Amt bekleidet, deren 20 weitere war er bei der Meilemer Feuerwehr überhaupt.

Mit der Übernahme des Amts habe er sich damals auch gleich das Datum seines Rücktritts gesetzt. «Es ist wichtig, dass nach einer gewissen Zeit neue Leute für frischen Wind sorgen», begründet er. Und so habe er sich schon lange auf die neue Lebensphase mit mehr Raum für Beruf und Sport einstellen können, dass der Abschied nun nicht zu schwer falle.

Wir treffen ihn im Depot der Stützpunktfeuerwehr Meilen. Mit ihm dabei «der frische Wind» in Person: Martin Siegrist, seit Kindheit in Meilen verwurzelt. Bereits die Hälfte seines 42-jährigen Lebens ist er in der Stützpunktfeuerwehr aktiv. Erst als Soldat, dann als Korporal, Offizier, Löschzugkommandant – als dieser bereits Teil des fünfköpfigen Kommandos –, Hauptmann. Und nun ergebe sich mit dem Gesamtkommando über die 80 Freiwilligen und fünf Berufsfeuerwehrleute, was «sich abgezeichnet hat.»

Statt Nachbarschaftshilfe

Doch was macht die Faszination für die Feuerwehr aus, dass sie Jahrzehnte anhält? Weder Osterwalder noch Siegrist überlegen lange: «Die Kameradschaft.» Man müsse sich voll aufeinander verlassen können. «Das schweisst zusammen.» Ihm sei geraten worden, sagt Osterwalder, in die Feuerwehr einzutreten, als er sich einst in Wettswil am Albis niedergelassen habe. «Weil das der beste Weg ist, mit den Dorfbewohnern in Kontakt zu kommen.» Er befolgte den Rat und erfuhr bald, dass etwas daran ist. Dies auch vier Jahre später beim Umzug nach Meilen.

«Die Feuerwehr ist der beste Ort, um mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen.»Thomas Osterwalder, abtretender Kommandant

Im selben Atemzug nennen er und sein Nachfolger eine weitere Motivation: «Menschen zu helfen.» Und zwar «bei allem Möglichen.» Längst wird die Feuerwehr nicht mehr nur zum Löschen von Bränden gerufen. So seien Tierrettungen in letzter Zeit bedeutender geworden: Hier ein Marderjunges, das sich mit dem Kopf in einem Fussballtor verheddert hat und dessen Schreie die Quartierbewohner um den Schlaf bringen. Dort ein Vogel, der in einen Cheminéeabzug geraten ist. Und so weiter. Da spüre die Feuerwehr zuweilen die Anonymität der Gesellschaft: «Früher hat man in solchen Fällen eher den Nachbarn um Hilfe gefragt», sagt Siegrist.

Leck im Bahnwagon

Andere Einsätze sind in ihrer Zunahme einer gewachsenen Sensibilität gegenüber der Umwelt geschuldet: Die Bevölkerung nehme heutzutage etwa eine Ölspur ernster als früher, sagt Osterwalder. Zum Aufgabenbereich der Chemiewehr gehört denn auch sein prägendster Einsatz als Kommandant: «Als 2005 ein Bahnwagon der Chemischen Fabrik Uetikon Leck gegangen ist.» Erst nach zwei Tagen sei die Gefahr für den Zürichsee durch die ausgetretene Schwefelsäure gebannt gewesen. «Zum Glück wurden wir rechtzeitig alarmiert», erinnert sich Osterwalder. So habe man die Situation schnell in Griff bekommen.

Auch der Klimawandel wirke immer markanter auf die Feuerwehr. «Schäden von Sturm und Hochwasser werden uns künftig noch mehr beschäftigen», erklärt Siegrist. Für ihn bedeutet das etwa, mit Pumpen und anderem Material umliegende Gemeinden verstärkt zu unterstützen. Zudem, die Wetterszenarien öfter zum Gegenstand von Übungen zu machen.

Herausforderung Milizsystem

Keine Übung ohne Mannschaft. Das Milizsystem der Stützpunktfeuerwehr stellt IT-Spezialist Siegrist so wenig infrage wie Bauingenieur Osterwalder. «Finanziell ist etwas anderes nicht denkbar.» Jedoch: «Die Tagesverfügbarkeit aufrecht zu erhalten ist eine Herausforderung», sagt Siegrist. Feuerwehrleute, die in Zürich arbeiten, seien im Ernstfall schlicht zu weit weg. «Die Vorgabe ist, zehn Minuten nach Eingang des Alarms am Einsatzort zu sein.» Noch hat er keine konkreten Pläne, wie er das Problem angehen wird. Ideen hingegen schon, deren gemeinsamer Nenner ist: Synergien zu nutzen und über die Gemeindegrenzen hinweg zu denken.

Genauso wichtig ist ihm, die Mannschaft auf dem erreichten Stand zu halten. «Wir sind in einem ständigen Ausbildungsprozess.» Sei es mit neuen Mitgliedern, aufgrund neuer Gerätschaften oder geänderten Vorgaben der Gebäudeversicherung: Nicht zuletzt das Eingehen auf stetig wechselnde Begebenheiten gefalle ihm an seiner neuen Funktion. Diese bringt ihm bald unter anderem vermehrt Sitzungen auf Bezirks- und Kantonsebene, repräsentative Aufgaben – und die Verantwortung über den gesamten Betrieb ein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.12.2018, 14:21 Uhr

Stützpunktfeuerwehr Meilen

Eine von vier Chemiewehren im Kanton

Die Stützpunktfeuerwehr Meilen erfüllt zum einen die üblichen Aufgaben einer Ortsfeuerwehr: Rettung von Mensch und Tier bei Bränden oder Naturereignissen und Dienstleistungen wie Aufräumarbeiten oder Absperrungen. Zum anderen unterstützt sie die umliegenden Gemeinden – Uetikon, Männedorf, Stäfa, Hombrechtikon und Oetwil – bei grösseren Ereignissen mit Material wie Drehleitern, Pumpen, speziellen Löschmitteln, mit Fahrzeugen und Personal.

Zudem stellt sie neben Zürich, Winterthur und Dielsdorf eine der vier Chemiewehren des Kantons.
Als solche hilft sie den Ortsfeuerwehren bei Chemieunfällen mit Spezialmaterial aus und ist bis Bäretswil zuständig. Die Stützpunktfeuerwehr rückt pro Jahr rund 500-700 Mal aus. Ein Neubau ihres Depots an der Bruechstrasse ist derzeit von einem Rekurs blockiert. Die Leistungsvereinbarung der Feuerwehr geschieht in Zusammenarbeit mit der Gebäudeversicherung des Kantons. (and)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!