Männedorf

Zu heiss zum Debattieren

Die Gemeindeversammlung heisst die Jahresrechnung von Männedorf gut. Auch der Kredit für den Neubau einer abgebrannten Stromversorgungsanlage wird einstimmig angenommen.

Die Trafostation wechselt die Seite der Saurenbachstrasse: Aus dem Seewasserwerk rechts auf den Wiesenstreifen links.

Die Trafostation wechselt die Seite der Saurenbachstrasse: Aus dem Seewasserwerk rechts auf den Wiesenstreifen links. Bild: Michael Trost

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Nur die hochsommerliche Temperatur sorgte für Hitze im Gemeindesaal. Die Geschäfte der Gemeindeversammlung hingegen liessen die 53 anwesenden Stimmberechtigten ziemlich kalt, auch wenn eines davon dem Feuer geschuldet war. Es zerstörte am 9. Dezember 2017 die Transformatorenstation im Seewasserwerk. Die Folgen waren ein abgebrochener Weihnachtsmarkt in der Kugelgasse, Dunkelheit im ganzen Dorf für mehrere Stunden und seither eine Anschlusslücke im Versorgungsnetz von Männedorf. Denn bald war klar, dass die Trafostation nicht mehr zu reparieren war, wie Erich Meier (GLP), Gemeinderat für Infrastruktur am Montagabend ausführte.

Darum soll die Station neu gebaut werden und zwar ausserhalb des Seewasserwerks ein paar Meter weiter auf der anderen Seite der Saurenbachstrasse. Das kleine Stück Land gehört zum Areal des Spitals Männedorf und wird von diesem der Gemeinde kostenlos überlassen.

Versicherungen zahlen noch

Gar nicht gratis ist hingegen der Neubau der Trafoanlage. Sie kostet 1,745 Millionen Franken. Davon entfallen wegen der Übersiedlung 637000 Franken an Mehrkosten, über die der Souverän zu befinden hatte. Die übrigen Kosten von 1,112 Millionen Franken hat der Gemeinderat bereits als gebundene Ausgabe bewilligt.

Meier hob die Vorteile unter dem Sammelbegriff «Versorgungssicherheit» hervor, weshalb an einem anderen Ort gebaut werde. Neue Bauvorschriften, mehr Platz als im Seewasserwerk für spätere Ausbauten und eine räumliche Trennung von der Wasserversorgung sprechen für die Verlegung. Diesen Argumenten folgte die Versammlung einstimmig, nachdem auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) und in ihren Aussendungen die Ortsparteien das Geschäft zur Annahme empfohlen hatten. Die Baukosten werden sich noch um einen beträchtlichen Teil verringern, sobald die Versicherungsfragen restlos geklärt sind.

Trotz Gewinn kein Jubel

Eigentlich sind 250000 Franken Gewinn statt budgetierter 190000 Franken Verlust ein erfreuliches Resultat für eine Jahresrechnung der Gemeinde. Dies bei je etwas über 100 Millionen Franken Aufwendungen und Erträgen. Dumm nur, wenn alle Gemeinden in der Region ebenfalls positiver abrechnen aber dann gleich um zum Teil einige Millionen Franken besser als Männedorf. Das war der Wermutstropfen in den Ausführungen von Finanzvorstand Giampaolo Fabris (FDP). Vor allem RPK-Präsidentin Susan Tanner Burckhardt (FDP) hielt ihm den Vergleich mit den Nachbarn Stäfa und Uetikon unter die Nase, «wo die Steuern nur so sprudeln – und das trotz tieferem Steuerfuss». In Männedorf hingegen sei eine Trendwende bei den ordentlichen Steuererträgen auszumachen, sagte sie. 2017 hätte die Gemeinde noch 2 Millionen Franken mehr eingenommen als 2018. «Es muss aufgepasst werden, wofür das Geld ausgegeben wird», mahnte sie zu Vorsicht.

Gemeinderat Fabris liess sich seine schwarzen Zahlen jedoch nicht anschwärzen. Die Mehrausgaben gegenüber dem Budget von über 2 Millionen Franken seien gut begründet. Vor allem die Schule, die Liegenschaften und höhere Pflegekosten seien dafür verantwortlich. Auch Männedorf verzeichnete im Vorjahr um über 2 Millionen Franken höhere Steuererträge als erwartet. Stolz ist er auf den stets hohen Selbstfinanzierungsgrad. «97 Prozent aller Investitionen der letzten fünf Jahre konnten wir mit dem Cashflow bezahlen», sagte Fabris. Die Jahresrechnung wurde nach lediglich zwei Nachfragen zu Details ohne Gegenstimme angenommen.

«Es ist zu warm für eine Gemeindeversammlung», verabschiedete Gemeindepräsident André Thouvenin (FDP) nach kaum 40 Minuten die Stimmberechtigten und fügte hinzu: «Sie sind besonders gute Stimmberechtigte, weil sie auch bei dieser Hitze gekommen sind.»

Erstellt: 24.06.2019, 22:29 Uhr

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