Zollikon

Zollikon wird zum Fohrbach eine Denkpause verordnet

Die Zukunft des Schwimmbads Fohrbach sorgt in Zollikon für Diskussionen. Insbesondere bürgerliche Kreise und die Rechnungsprüfungskommission kritisieren die Kosten, die für eine Sanierung notwendig wären.

Die Aussenbecken und das Piratenschiff im Zolliker Fohrbach könnten dereinst der Vergangenheit angehören: Ob das Schwimmbad saniert oder rückgebaut wird, ist ungewiss.

Die Aussenbecken und das Piratenschiff im Zolliker Fohrbach könnten dereinst der Vergangenheit angehören: Ob das Schwimmbad saniert oder rückgebaut wird, ist ungewiss. Bild: Archiv Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich hätten die Zolli­ker Stimm­bürger im kommenden Juni über die Zukunft des Schwimmbads Fohrbach abstimmen sollen. Doch die Gemeindeversammlung hat der Exe­ku­tive letzte Woche eine Denkpause verordnet. Eine deutliche Mehrheit der 140 Anwesenden strich den Posten zur Projektierung der Schwimmbad­sa­nie­rung nach einem entsprechenden Antrag von RPK-Präsident Viktor Sauter (FDP) schlichtweg aus dem Budget. 1,5 Millionen Franken hatte der Gemeinderat eingeplant: Über diesen Betrag hätte eigentlich im Sommer 2019 die Gemeindeversammlung entscheiden sollen.

Nun kann frühestens in einem Jahr oder eventuell sogar erst Anfang­ 2020 über den Projektierungskredit abgestimmt werden. «Das Problem ist, dass gewisse bauliche Sanierungen beispielsweise der Heizung oder der Badwassertechnik dringend sind», sagt der Zolli­ker Sicherheitsvorsteher André Müller (FDP). Als Grund für die Dringlichkeit nennt er gesetzliche Auflagen, die zu erfüllen seien. «Die Decke muss zudem bald ersetzt werden.» Diese baulichen Massnahmen waren im Projektierungskredit enthalten, müssten aber bei einer zu grossen zeitlichen Verzögerung separat durchgeführt werden. «Die Kosten für diese Sanierungen würden sich sicher auf einige Millionen Franken belaufen», sagt Müller dazu.

Kleineres Bad als Option

Millionen, die allenfalls für nichts investiert würden, sollte das Bad mit Innen- und Aussenbecken, Sauna und Solarium rückgebaut werden müssen. Dies ist eine von vier Optionen, welche in einer Vorstudie eines Beratungsunternehmens und eines Architekturbüros genannt werden. Kosten würde ein solcher Rückbau 1,6 Millionen Franken (sowie 40 Prozent dieser Kosten für die Schadstoffverwertung). Die Studie geht zudem von einem verbleibenden Gebäudewert von fast 12 Millionen Franken aus. Bei den anderen beiden Optionen handelt es sich um eine günstigere Sanierung für 32,4 Millionen und eine teurere energetisch tiefgreifende Sanierung für 35,9 Millionen Franken sowie um einen Neubau des Bades für 63 Millionen Franken.

«Man muss jetzt einen Marschhalt einlegen und nicht nur die Sanie­rung des bestehenden Schwimmbads ins Auge fassen.»Thomas Gugler, Präsident der Zolli­ker SVP

Welche Präferenz hat der Gemeinde­rat? «Es sind noch alle Optio­nen offen», sagt Sicherheitsvorsteher Müller dazu. Für Thomas Gugler, Präsident der Zolli­ker SVP, ist genau dies der Punkt. «Man muss jetzt einen Marschhalt einlegen und nicht nur die Sanie­rung des beste­henden Schwimmbads ins Auge fassen», sagt er. Die schon erwähnte Vor­studie, in welcher die Entwicklungsmöglichkeiten des Fohr­bachs unter die Lupe genommen wurden, ist erst seit wenigen Tagen­ auf der Gemeinde-Website aufgeschaltet. Gugler findet, dass die Zolli­ker Stimmberechtigten nun mehr Zeit bräuchten, um mit diesem Hintergrundwissen die Zukunft des Bades zu diskutieren. Er bezeichnet die vom Gemeinderat vorgesehene Zeitspanne bis zum Entscheid über den Projektierungskredit im Sommer 2019 als zu knapp.

«Es ist klar, dass wir ein Hallenbad brauchen, in dem die Zolli­ker Kinder schwimmen lernen können sowie auch für Vereine», betont Gugler. Für ihn ist der jet­zige Standort des Fohrbachs gegenüber der Zolli­ker All­mend nicht sakro­sankt. Man könnte auch ein kleineres Hallenbad dort bauen, wo jetzt noch das ehemalige Pflegeheim am See steht und damit Synergien mit dem Seebad Zolli­­kon nutzen. Aber auch das Beugi-Areal ist für Gugler als Standort eine Op­tion. «Wenn man das Fohrbach nicht mehr braucht, könnte man dort beispielsweise Wohnungen bauen», sagt er. Dass die Zolli­ker Schüler vorüber­gehend Schwimmunterricht im Zumi­ker Schwimmbad Juch erhielten, ist für ihn ebenfalls eine Überlegung wert.

Angespannte finanzielle Lage

Die Kosten für eine Sanierung wer­den zudem nicht nur von Gugler, sondern auch vom Zolli­ker RPK-Präsidenten Sauter (FDP) kritisiert. Ihm geht es nicht nur um die Sanierungs-, sondern auch um die Betriebskosten. «Sie müssen nicht nur von Sanierungskosten von 32 Millionen ausgehen, sondern auch von einem jähr­lichen Defizit von über 3 Millionen Franken», gibt Sauter zu bedenken. Hochgerechnet auf 30 Jahre wären dies inklusive Sanierung 120 Millionen Fran­ken. Für Sauter ist es daher auch eine Option, das Bad ganz zu schliessen und jähr­liche Kosten von 335 000 Franken für den Schwimmunterricht der Zolli­ker Schüler sowie die Unterbringung des Schwimmclubs in einem externen Bad zu zahlen.

Isoliert möchte der RPK-Präsident das Fohrbach jedoch nicht betrachten. «Es geht nicht ums Fohrbach an sich, sondern um eine Gesamtschau», betont er und verweist auf die finanzielle Situa­tion der Gemeinde mit Nettoschulden von 50 Millionen sowie auf andere anstehende Investitionen. Als Beispiel nennt er das Beugi-Areal, die Kindergärten und auch das ehemalige Pflegeheim am See, bei dem man noch nicht wisse, was ­damit passieren werde. Es müsse sich zeigen, ob Zolli­kon sich eine Sanierung von 32 Millionen Franken überhaupt leisten könne.

Interessierte Kreise anhören

Angesprochen auf den Diskussionsbedarf bezüglich der Zukunft des Fohrbachs zeigt Müller sich ­offen: «Interessierte Kreise, etwa die RPK, Parteien und Vereine, werden zum Fohrbach angehört.» Im Zusammenhang mit dem Projektierungskredit wird auch geprüft, in welcher Form diskutiert werden soll. Klar ist, dass es bei der Finanzierung noch viele Unbekannte gibt. Etwa die Frage, ob es für ein erneuertes Fohrbach Beiträge aus dem kantonalen Sportfonds für Jugend- und Breitensporteinrichtungen gäbe.

Erstellt: 11.12.2018, 21:18 Uhr

Artikel zum Thema

Zolliker genehmigen Budget 2019 und tadeln den Gemeinderat

Zollikon Die Zolliker sagten an der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend Ja zum Budget 2019. Zuvor strichen sie aber den Projektierungskredit für die Sanierung der Badeanlage Fohrbach aus der Investitionsrechnung. Mehr...

Brand im Fohrbach treibt Schadenssumme massiv in die Höhe

Feuerwehr Die Brandschäden im Jahr 2017 im Bezirk Meilen summierten sich auf 3,5 Millionen Franken. Diese höchste Schadenssumme seit 2008 ist vor allem auf den Brand im Zolliker Schwimmbad Fohrbach zurückzuführen. Mehr...

«Das Wasser ist eine Kraftmaschine, die man selber steuern kann»

Zollikon Seit 20 Jahren leitet Annalies Walter Aquafitkurse im Zolliker Hallenbad Fohrbach. Aus ihrer Einfraufirma ist mit den Jahren ein siebenköpfiges Unternehmen geworden. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles