Zollikon

Zolliker stimmen für Neustart für das Beugi-Areal

Überraschend deutlich haben die Zolliker eine Initiative der örtlichen Baugenossenschaften angenommen. Diese sollen nun auf dem brachliegenden Beugi-Areal Wohnungen erstellen.

Hart umkämpftes Beugi-Areal: Mit Plakaten auf dem Dorfplatz warben die Befürworter der Initiative – wie auch die Gegner – für ihr Anliegen.

Hart umkämpftes Beugi-Areal: Mit Plakaten auf dem Dorfplatz warben die Befürworter der Initiative – wie auch die Gegner – für ihr Anliegen. Bild: Manuela Matt

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Der Zolliker Gemeinderat hat seine letzte grosse Abstimmung in der zu Ende gehenden Amtszeit verloren: Die Stimmberechtigten haben sich an der Urne für die Initiative des Baugenossenschafters und Alt-Gemeinderats Jürg Widmer (SVP) ausgesprochen, gegen die sich der Gemeinderat mit Kräften gewehrt hatte. Die Initiative verlangt nichts anderes als einen Neustart der Planung für das Beugi-Areal.

Die Gemeinde hat auf dem Gebiet des ehemaligen Altersheims eine Wohnüberbauung mit Läden im Erdgeschoss und einem Grossverteiler im Untergeschoss sowie eine Tiefgarage geplant. Die Behörde wollte das gemeindeeigene Areal im Baurecht abgeben. Als Partner hatte der Gemeinderat bereits die Zürcher Baugenossenschaft Zurlinden sowie Coop gewinnen können.

Angst vor mehr Verkehr

Doch nun kommt alles anders: Mit 2363 Ja- zu 1867 Nein-Stimmen haben sich die Zollikerinnen und Zolliker für jene Variante ausgesprochen, die Jürg Widmer mittels Initiative ins Spiel gebracht hat. Sie unterscheidet sich im Vergleich zum bisherigen Projekt in zwei wesentlichen Punkten: Erstens sollen statt der Baugenossenschaft Zurlinden die fünf in Zol­likon ansässigen Baugenossenschaften in den Genuss des Baurechts kommen, und zweitens soll die Gemeinde auf einen weiteren Grossverteiler verzichten – sowohl Migros als auch Coop sind bereits mit einer Filiale im Dorfzentrum präsent.

Die Zustimmung fiel mit einem Anteil von 55,9 Prozent recht deutlich aus. Mit einer Stimmbeteiligung von 54,7 Prozent ist sie zudem breit abgestützt. Initiant Widmer zeigt sich etwas überrascht: «Mit diesem deutlichen Resultat habe ich nicht gerechnet», sagt er. Widmer glaubt, dass zwei Argumente den Ausschlag für seine Initiative und damit gegen das bisherige Projekt der Gemeinde gegeben haben. «Die Zunahme des Verkehrs und ein weiterer Grossverteiler waren vielen ein Dorn im Auge», sagt er und ergänzt mit Blick auf die umliegenden Gemeinden: «In Zumikon und Erlenbach sehen wir, wie schlecht die neuen Coop-Filialen besucht sind. Es braucht sie schlicht nicht.»

Bisheriges Projekt gestoppt

Überrascht vom deutlichen Resultat ist auch Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP). «Es ist ein Fakt, den der Gemeinderat hinnehmen muss», sagt sie. Was den Ausschlag gegeben habe, sei so kurz nach der Abstimmung schwierig zu ergründen, zumal die meisten Parteien hinter dem bisherigen Projekt der Gemeinde gestanden seien. Nur die SP und die EVP hatten sich für die Initiative ausgesprochen.

Gemäss Kull-Benz beginnt nun der ganze Prozess von vorne: «Das bisherige Projekt wird gestoppt und die Planung neu aufgenommen», sagt die Gemeindepräsidentin. Es werde nun sicher länger dauern, bis auf dem Beugi-Areal etwas entstehe. Um wie viele Jahre sich eine definitive Lösung verzögere, lasse sich aber schlecht voraussehen. «Es ist Aufgabe des neu konstituierten Gemeinderats, ein neues Projekt zu erarbeiten», sagt Kull-Benz, die im Sommer nach zwölf Jahren ihr Amt als Gemeindepräsidentin abgibt.

Jürg Widmer wiederum ist der Ansicht, dass der Gemeinderat zügig vorwärtsmachen sollte. «Die Zolliker Baugenossenschaften gehen davon aus, dass nun rasch mit den weiteren Planungsschritten begonnen wird und das Volk schon bald an der Gemeindeversammlung über einen Baurechtsvertrag abstimmen kann», sagt der Vizepräsident der Neuen Baugenossenschaft Zollikon. Entgegen den im Abstimmungskampf geäusserten Bedenken des Gemeinderates seien die bisher geleisteten Vorarbeiten nicht vergebens. Im Gegenteil: Darauf könne und solle jetzt aufgebaut werden.

Initiative nahm Zusatzschleife

Das Initiativkomitee will nun auch die bürgerlichen Parteien in die Pflicht nehmen. Damit spielen die Initianten wohl auch auf die Rolle der FDP an – hatte doch einer ihrer Vertreter, der Zolliker Nationalrat Beat Walti, dafür gesorgt, dass über die Initiative ein zweites Mal abgestimmt wurde, dieses Mal an der Urne. Denn Widmer hatte mit seinem Vorstoss bereits an der Gemeindeversammlung vor einem Jahr Erfolg. Das erforderliche Drittel der Anwesenden stimmte aber auch Waltis Antrag zu, das Geschäft an die Urne zu bringen. Erfolglose Rekurse gegen diesen Husarenstreich verzögerten den Urnengang jedoch.

Widmer will nun keine Spielchen mehr. Das Resultat zeige, dass es dem Gemeinderat und den Spitzen der bürgerlichen Parteien bis hin zu den Grünliberalen und der Gruppierung Forum 5W nicht gelungen sei, eine Mehrheit der Bevölkerung von ihrem Vorschlag zu überzeugen.

Dies erstaune umso mehr, als diese Parteien eigentlich auf eine Mehrheit in der Bevölkerung zählen könnten. «Das Ergebnis kann daher nur so gewertet werden, dass das Projekt des Gemeinderates nicht in der Lage war, diese Mehrheit zu mobilisieren.» Dies wiederum bedeute: «Der Gemeinderat steht nun in der Pflicht, den Willen des Souveräns ernst zu nehmen und sich gemeinsam mit den Initianten für eine gute Lösung einzusetzen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.06.2018, 21:58 Uhr

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