Zollikon

Zolliker stellt spektakuläre Drohnenfotos aus

Wenn Sebastian Müller fotografiert, dann nimmt er kaum etwas um sich herum wahr: Sein Blick fokussiert sich auf ungewohnte Perspektiven in hohen Höhen. Was dabei herauskommt, zeigt er ab Donnerstag an der Ausstellung photo19.

Ein verschneites Stück Schweiz zeigt der Zolliker Sebastian Müller mit seiner Aufnahme des Landwasserviadukts bei Filisur.

Ein verschneites Stück Schweiz zeigt der Zolliker Sebastian Müller mit seiner Aufnahme des Landwasserviadukts bei Filisur. Bild: PD / Sebastian Müller

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Von einem Moment auf den anderen war er fasziniert. Von den neuen Blickwinkeln. Den ungeahnten Möglichkeiten, die sich bald als grenzenlos erwiesen. Die Begeisterung flaute nicht mehr ab. Im Gegenteil: Ihretwegen hat Sebastian Müller sein bisheriges Hobby aufgegeben. Zuweilen vergisst er gar zu essen, weil er «nichts verpassen» möchte.

Was war geschehen? Müller hatte einen Ausflug auf den Pfannenstiel unternommen. Die Hügelkette ist dem Zolliker vertraut: Bietet er doch seit rund zehn Jahren einen Spazierservice für Hunde von Zürich bis Meilen an – dabei führen ihn seine Wege öfters in das beliebte Naherholungsgebiet. An diesem besonderen Tag aber waren es nicht die Tiere, die er im Auge behalten musste. Sondern, erstmals, eine Drohne. Und ähnlich wie die Vierbeiner, die hin und wieder mal einen Ast daher bringen, kam auch das Flugobjekt mit etwas zurück: Mit Fotos von bislang unbekannten Ansichten.

Nun, ein gutes Jahr später, stellt der 39-Jährige fünf seiner Werke an der grössten Schau für zeitgenössische Fotografie der Schweiz aus, an der photo19. Die Ausstellung, die morgen beginnt, zeigt heuer zum ersten Mal eine Sonderausstellung über das noch junge Gebiet der Drohnenfotografie.

Ein Autodidakt

Freilich wird Müller dort nicht die Aufnahmen zeigen, die er dannzumal vom Pfannenstiel nach Hause gebracht hat. Seine Exponate in den Oerliker Messehallen geben aber eine Idee davon, was er mit den Worten meint: «Wenn mich etwas fasziniert, dann will ich es möglichst gut machen.» So habe er sich in rund hundert Stunden das Know-how der Drohnenfotografie beigebracht. «Ein ständiger Lernprozess.» Nur schon, gleichzeitig die Drohne zu steuern und auf dem dazu gehörenden Bildschirm die Szenerie zu beobachten, wie sie sich im Sucher der installierten Kamera präsentiert, sei anfangs nicht einfach. Ganz zu schweigen von den rechtlichen Bedingungen, die die Drohnenfotografie von Menschenmassen sowie in der Nähe von Flughäfen und ähnlichen Einrichtungen einschränken.

Aber auch «die unzähligen Möglichkeiten zu verstehen, die eine Drohne bietet, braucht Zeit», sagt Müller. Vieles habe er sich durch den Austausch mit Gleichgesinnten auf Instagram angeeignet, das meiste indes vorzu beim Selberausprobieren. Und während man immer mehr entdecke, sagt er, könne es geschehen, dass man vor lauter Eifer den Ladestand der Batterie übersehe. Ein Fehler, der ihm wohl nur einmal passiert sei: Die Drohne stürzte ab in einen See und war verloren.

Altes Hobby finanziert neues

Das war nicht der einzige Grund, sich ein neues Gerät anzuschaffen. Mittlerweile besitzt er das vierte Exemplar. Er verfolge stets, was sich Neues auf dem Markt tue. Gut 1400 Franken war ihm seine aktuelle Drohne wert. Das Geld, das er in seine jetzige Leidenschaft investiert, stammt zu einem grossen Teil aus der Beschäftigung, ohne die er vielleicht nie zur Drohnenfotografie gefunden hätte: Zuvor pflegte er die Hundefotografie mit klassischer Digitalkamera als Hobby. «Dies brachte aber immer mehr Wiederholungen mit sich», sagt er, «künstlerisch hat es mich nicht mehr befriedigt.»

«Es kann geschehen, dass ich vor lauter Eifer den Ladestand der Batterie übersehe.»Sebastian Müller, Fotograf

Er schaute sich nach neuen Möglichkeiten um und stiess so auf den technologisch neuen Zweig der Fotografie mit Drohne. Dafür habe er nun von seiner früheren Ausrüstung alles verkauft.

«Mir geht es einzig um den Blick von oben», beschreibt Müller seine Faszination. Sei er mit der Drohne unterwegs, blende er alles aus, was am Boden um ihn herum geschehe. «Man vergisst alle Sorgen, während man sich darauf fokussiert, die beste Perspektive aus der Höhe hinzubekommen.» Dann müssten Hunger und Durst halt hinten anstehen.

Keine Zeit für Museen

Er sei ein typischer Drohnentourist, gibt er zu. Oft ist er für sein Hobby im Ausland unterwegs – aber Museen und Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, das lasse er sein. Stattdessen wolle er weiter an den nächsten Ort, um so viel Zeit wie möglich der Drohnenfotografie zu widmen.

Der Pariser Place de l’Étoile mit dem Triumphbogen, Siena, Portofino sowie Maloja- und Julierpass werden die Besucher der photo19 von dem Zolliker sehen. Motive, mit denen er auf Instagram bereits eine hohe Resonanz erzielt habe. Er selber schätze auch seine abstrakten Fotos – Bilder, etwa von Salzfeldern oder beleuchteten Strassen, wo es vor allem um Muster und Farben gehe. Nach der Ausstellung reist Müller und seine Familie – er ist Vater zweier Söhne von zwei und acht Jahren – bald nach Island. Es muss nicht erwähnt werden, was er im Gepäck dabei haben wird. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.01.2019, 16:33 Uhr

Weitere Aussteller

An der photo19 stellen rund 200 Fotografen aus, vorwiegend aus der Schweiz – sowohl Profis wie Amateure. Gezeigt wird das fotografische Spektrum von Presse, Werbung und Kunst, freie Arbeiten wie Auftragswerke. Neben der Werkschau finden Vorträge, Kurse und zahlreiche Spezialausstellungen statt. Aus dem Bezirk Meilen sind neben Sebastian Müller folgende Fotografen dabei: Stephan Brauchli, Zollikon; Gian Luigi Cavalli, Zollikon; Nadia de Lange, Ürikon; Johanna Encrantz, Stäfa; Michael Kindermann, Küsnacht; Robert Korizek, Zollikerberg; Magnus Oetiker, Meilen; Kimberly Shepherd, Meilen und Ann Ziegler, Küsnacht. Den Bezirk Horgen vertreten Pascal Bovey, Horgen, und Sandra Risi, Langnau.

Donnerstag, 10. bis Montag, 14. Januar. Stage One und Halle 622 beim Bahnhof Oerlikon, Zürich. www.photo-schweiz.ch

«Es kann geschehen, dass ich vor lauter Eifer den Ladestand der Batterie übersehe»: Sebastian Müller, Fotograf.

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