Zollikon

Bündner Widerstand gefährdet Verkauf von Zolliker Ferienhaus

Der Gemeinderat möchte das Ferienheim Sanaspans in Vaz/Obervaz verkaufen. Doch im Bündner Dorf gibt es Opposition – aus Angst vor dem Hotelkomplex, der dort entstehen könnte.

Idyllisch liegt das Ferienhaus Sanaspans mit 25 Zimmern und 100 Betten im Grünen  Bald aber könnte es abgerissen werden.

Idyllisch liegt das Ferienhaus Sanaspans mit 25 Zimmern und 100 Betten im Grünen Bald aber könnte es abgerissen werden. Bild: Nicola Pitaro

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Bündner Lokalpolitik könnte dem Zolliker Finanzhaushalt einen Strich durch die Rechnung machen. Der Gemeinderat möchte die Kasse aufbessern und das wenig genutzte Ferienheim Sanaspans im Ferienort Vaz/Obervaz, zu dem die Lenzerheide gehört, verkaufen (diese Zeitung berichtete). Der dortige Gemeindevorstand würde diesen Schritt begrüssen – doch nun regt sich in der Bevölkerung Widerstand.

Die Kritik bezieht sich nicht auf den Verkauf des Ferienheims an sich. Vielmehr wehren sich Anwohner und Landwirte dagegen, was Zollikon und Vaz/Obervaz gemeinsam für die Liegenschaft mit 56000 Quadratmetern Umschwung erarbeitet haben. Den Behörden der beiden Gemeinden schwebt ein über 100 Millionen teurer Hotelkomplex mit 500 Betten vor, verteilt auf 48 Zimmer und 104 Wohnungen. Im 4- bis 5-Stern-Ressort sind zudem Verkaufsgeschäfte und eine Tiefgarage mit rund 320 Parkplätzen geplant. Bauen soll ein Investor, der das Grundstück der Gemeinde Zollikon abkaufen würde.

Bauernland würde geopfert

In der Bündner Gemeinde lagen die Pläne für das Vorhaben bis vor kurzem öffentlich auf. Die Bevölkerung konnte sich somit dazu äussern – und nahm offenbar kein Blatt vor den Mund. Als zu gigantisch empfinden viele Vazer dieses Vorhaben, wie die «Südostschweiz» am Mittwoch berichtete.

Anwohner kritisieren die acht vorgesehenen Gebäudekuben als «monströse Bauten». Sie bemängeln, dass fünf davon ganz oder zumindest teilweise in der Landwirtschaftszone zu stehen kommen sollen. Die Gemeinde opfere «eines der letzten schönen Landstücke», heisst es etwa – die Rhetorik erinnert an manches Bauprojekt, das schon am Zürichsee von Anwohnern bekämpft worden ist.

Aron Moser (parteilos), Gemeindepräsident von Vaz/Obervaz, ist der Ansicht, dass es das Projekt braucht. Auf der Lenzerheide würden Hotelbetten fehlen, in Arosa stünden doppelt so viele zur Verfügung. «Je grösser das Hotel ist, desto eher ist Rentabilität erreichbar.»

Unterstützung erhalten die skeptischen Nachbarn von den Bauern. «Die Landwirtschaftszone rund ums jetzige Ferienheim verringert sich – und die Gefährdung der Existenz von uns Bauern nimmt damit zu», sagte etwa Landwirt Lucas Margreth gegenüber der Bündner Regionalzeitung. Pikant ist zudem, dass für die verbreiterte Zufahrt zum Hotelkomplex private Grundstückbesitzer Land verkaufen müssten. Stimmen sie nicht zu, drohen allenfalls Enteignungen und mitunter jahrelange juristische Verfahren.

Zwei Gemeinden stimmen ab

Zunächst muss das Projekt aber erst einmal die Abstimmungshürde nehmen. Die Vazer stimmen darüber voraussichtlich am 24. November an der Urne ab. Sagen sie Ja, sind die Zolliker an der Reihe. Im nächsten Jahr würde die Gemeindeversammlung entscheiden, ob sie die Liegenschaft tatsächlich verkaufen will.

Sprechen sich die Bündner gegen das Projekt aus, hätte dies Konsequenzen für Zollikon. Das Ferienheim ist heute mit 4,8 Millionen Franken in den Büchern verbucht. «Kommt das Projekt nicht zustande, wäre das für uns ein rechter Abschreiber», sagt der Zolliker Gemeindeschreiber Peter Imhof. «Wir müssten dann überlegen, was wir nun machen würden.»

Warum aber hilft die Gemeinde Zollikon überhaupt mit, im Bündner Ferienort einen millionenteuren Ferienkomplex zu realisieren? Der Gemeinderat habe, sagt Imhof, verschiedene Varianten geprüft. «Wir haben den Markt angeschaut und gesehen, dass es utopisch ist, das Ferienheim für 4,8 Millionen zu verkaufen.» Bessere Chancen rechnete sich der Gemeinderat mit dem gemeinsam entwickelten Projekt mit der Gemeinde Vaz/Obervaz aus. «Das wäre eine Win-win-Situation für beide.»

Zollikon könnte den Erlös für das Ferienheim gut für Investitionen in der Gemeinde gebrauchen, etwa für die Sanierung des Hallenbads Fohrbach. Wie viel Geld der Verkauf der Liegenschaft an einen Investor tatsächlich in die Gemeindekasse spülen würde, ist allerdings unklar. Gemäss einer Marktstudie, die eine externe Firma durchgeführt hat, könnte das Grundstück für über acht Millionen verkauft werden. «Wir haben aber bewusst noch nicht nach Investoren gesucht, auch aus Respekt gegenüber den Stimmberechtigten, die sich zuerst zur Frage äussern sollen», sagt Imhof.

Erstellt: 26.06.2019, 22:35 Uhr

Artikel zum Thema

Ferienheim soll ein Luxusresort werden

Zollikon 500 Betten verteilt auf 48 Zimmer und 84 Wohnungen - das sind die Zahlen zum Bauprojekt «Hotel Sanaspans» im bündnerischen Vaz/Obervaz. Entstehen soll das 4- bis 5-Sterneresort dort, wo heute das Ferienheim der Gemeinde Zollikon steht. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles