Erlenbach / Langnau

ZKB schliesst Schalter in Erlenbach und Langnau

Die Tage der ZKB-Filialen in Erlenbach und Langnau sind gezählt. Sie sollen Mitte 2020 geschlossen werden. Die Bank begründet den Entscheid mit veränderten Kundenbedürfnissen.

Die ZKB-Filiale an der Erlenbacher Bahnhofstrasse soll voraussichtlich Mitte 2020 geschlossen werden.

Die ZKB-Filiale an der Erlenbacher Bahnhofstrasse soll voraussichtlich Mitte 2020 geschlossen werden. Bild: Michael Trost

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Die Gemeinde Erlenbach droht immer mehr zu einer Schlafgemeinde zu werden. Wie die Zürcher Kantonalbank (ZKB) am Mittwoch mitteilte, wird sie die Filiale an der Bahnhofstrasse voraussichtlich Mitte 2020 schliessen. Damit reagiere die Bank auf die sich rasch verändernden Bedürfnisse der Kundschaft, schreibt die ZKB in einer Medienmitteilung. Die Schalter würden seltener frequentiert, während sich zeit- und ortsunabhängige Dienstleistungen – namentlich das E-Banking – einer wachsenden Beliebtheit erfreuten. Detaillierte Zahlen zur Nutzung will die ZKB aber nicht offenlegen, wie Mediensprecher Yannik Primus auf Anfrage sagt.

Ausser der ZKB gibt es mit der Bank Linth nur ein weiteres Geldinstitut in Erlenbach. Deren Geschäftsstelle bietet allerdings nur Private Banking, also Vermögensverwaltung, an. Die nächsten ZKB-Filialen finden sich in Küsnacht und Zumikon.

Zukunft des Gebäudes unklar

Für die Gemeinde ist der Entscheid der ZKB eine weitere Hiobsbotschaft. Nach dem Konkurs der Bäckerei Keller und der Schliessung des SBB-Schalters steht das Bahnhofgebäude derzeit praktisch leer. Der Restaurantbetrieb im Erlibacherhof wurde eingestellt, das Blumengeschäft Perle an der Bahnhofstrasse sowie die Schwanenapotheke an der Seestrasse geschlossen.

«Das ist keine erfreuliche Entwicklung», sagt Gemeindeschreiber Hans Wyler. «Wir bedauern den Entscheid der ZKB sehr.» In Erlenbach liegt das Durchschnittsalter der Bevölkerung über dem kantonalen Mittelwert. Gerade für ältere Menschen sei die Schliessung der Filiale ein Verlust, sagt Wyler. «Das haben wir bereits bei der Schliessung des SBB-Schalters erlebt.»

Wyler beobachtet insbesondere das Ladensterben an der Bahnhofstrasse mit grosser Besorgnis. «Für eine Gemeinde ist es ein gefährlicher Trend, wenn immer mehr Dienstleistungen – dazu gehört auch das Gewerbe – nicht länger im eigenen Dorf verfügbar sind», sagt er. Das führe dazu, dass die Einwohner immer öfter in Nachbarorte ausweichen müssten. Der Gemeinderat könne die Entwicklung aber nur beschränkt beeinflussen. Eine Möglichkeit sei es, selbst Liegenschaften zu erwerben, um günstigen Wohnraum und Flächen für Gewerbe und Dienstleistungen anzubieten. In Erlenbach beispielsweise erfolge dies mit dem Kauf des Restaurants Rössli und zweier Liegenschaften an der Bahnhofstrasse mit Zahnarztpraxen und einem Blumenladen.

Nicht im Besitz der Gemeinde befindet sich die Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 20, in deren Erdgeschoss sich die ZKB-Filiale befindet. Diese gehört der City Real Estate AG. Wie die Gewerbeflächen künftig verwendet werden sollen, sei noch unklar, heisst es vonseiten der Eigentümer auf Anfrage.

Mitarbeiter können bleiben

Die ZKB dünnt ihr Filialnetz auch andernorts im Kanton aus. Betroffen sind neben Erlenbach die Gemeinden Langnau, Embrach, Marthalen, Bonstetten, Hausen und Albisrieden. Wie bei der Erlenbacher Filiale handle es sich auch dort um Geschäftsstellen, die vor allem Schalterdienstleistungen anbieten und insbesondere für Ein- und Auszahlungen genutzt werden.

«Wir gehen davon aus, dass künftig einfach Transaktionen fast ausschliesslich digital erfolgen», sagt Primus. Die Bancomaten würden an den Standorten bestehen bleiben, die Mitarbeiter innerhalb der ZKB weiterbeschäftigt, heisst es in der Medienmitteilung.

Langnau: Starker Rückgang der Transaktionen

Im Bezirk Horgen trifft es Langnau. Als Grund dafür gibt Mediensprecher Yannik Primus an, dass im Bankengeschäft generell ein starker Rückgang der Schaltertransaktionen beobachtet wird. «In Adliswil und Thalwil offerieren wir ein umfassendes Beratungsangebot», sagt er. In Langnau ist das anders. «Hier haben wir uns praktisch ausschliesslich auf das klassische Schaltergeschäft konzentriert.» Mit dem gesellschaftlichen Wandel und dem technischen Fortschritt würden sich laut Primus auch die Bedürfnisse der Bankkunden ändern. «Das Schaltergeschäft in der Filiale vor Ort ist heute nur noch einer von mehreren Kanälen, über die unsere Kundinnen und Kunden ihre Bankgeschäfte abwickeln können.»

Überraschter Präsident

In Langnau bedauert man den Entscheid. «Ich wurde am Dienstag von der ZKB über die Wegzugpläne informiert», sagt Gemeindepräsident Reto Grau (FDP). Er wurde von der Nachricht überrascht. Schade sei dies in erster Linie für die Standortattraktivität, auch wenn Grau die Argumente der Bank aus wirtschaftlicher Sicht versteht, wie er sagt.

Die ZKB-Filiale liegt an der Neuen Dorfstrasse 24, also direkt im Zentrum neben dem Coop. Damit zieht ein grosser Name aus dem Dorfkern, ohne das die Gemeinde Aussicht auf neue grössere Firmenansiedlungen hätte. Ein erklärtes Ziel von Reto Grau, der seit Frühling den Gemeinderat anführt, ist es deshalb, neue Firmen anzuwerben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil damit Steuereinnahmen generiert werden könnten, die der Gemeinde aus der finanziellen Misere helfen würden. Reto Grau will darum dem Hauseigentümer der Liegenschaft Hand bieten bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für die ZKB. Für weiterführende Antworten diesbezüglich sei es momentan aber noch zu früh, sagt Grau.

Die Filiale in Langnau ist momentan der einzige Schalterstandort, der im Bezirk Horgen wegfallen soll. «Wir analysieren aber fortlaufend unser Dienstleistungsangebot», sagt Yannik Primus.

Erstellt: 04.10.2018, 08:55 Uhr

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