Hombrechtikon

«Zirkus ist ein sehr hartes Business»

Anfang April gastiert der Zirkus Stey in Hombrechtikon. Direktor Martin Stey erzählt, weshalb er in seinem Programm auf Haustiere setzt und was Zirkus und Spitzensport gemeinsam haben.

Martin Stey, der Direktor des Zirkus Stey, lässt in seinem Programm diverse Haustiere auftreten.

Martin Stey, der Direktor des Zirkus Stey, lässt in seinem Programm diverse Haustiere auftreten. Bild: zvg / Marcel Hutzli

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Martin Stey, Sie stehen heuer zum 36. Mal in der Manege. Ist man da noch aufgeregt vor einem Auftritt?
Martin Stey: Ein wenig schon. Es gibt besonders am Anfang der Saison noch einige Unsicherheiten, etwa zu Abläufen im Programm oder in der Technik. Als Zirkusdirektor trägt man logischerweise auch viel mehr Verantwortung denn als Artist.

Sie wurden ins Zirkusleben hineingeboren. Hatten Sie nie Lust, etwas anderes zu machen?
Als sich 1993 mein Vater und mein Onkel beruflich trennten, wurde ich gefragt, ob ich den Zirkus übernehmen wolle. Ich hatte damals zwar eine Schnupperlehre absolviert, die mir aber nicht besonders gefallen hat. Deshalb setzte ich auf den Zirkus. Hier ist es wie im Spitzensport: Man macht etwas ganz oder gar nicht. Es ist tägliches Training nötig.

Viele kleine Zirkusse kämpfen ums Überleben. Wie steht es um den Stey?
Es ist ein sehr hartes Business, wir müssen schauen, dass wir über die Runden kommen. Jedes Jahr gibt es mehr Auflagen, etwa zu Sicherheit oder Tierhaltung. Plötzlich können wir auf einem Platz nicht mehr haltmachen, weil der Abstand zum nächsten Gebäude zu klein ist. Gemeinden könnten uns sehr unterstützen, wenn sie beispielsweise während der Spieltage auf Miete und Stromkosten verzichten würden. Aber das kommt praktisch nicht vor.

Welches ist die grösste Konkurrenz für einen Zirkus?
Das riesige Freizeitangebot. Früher hatte der Zirkus einen anderen Stellenwert, er war für die Leute etwas Besonderes. Heute findet jedes Wochenende irgendwo ein Event statt.

Weshalb soll man dennoch zu Ihnen in den Zirkus kommen?
Wir wollen die Besucher für zweieinhalb Stunden in eine andere Welt entführen und ihren Alltag vergessen lassen.

«Meine Kinder müssen eine Ausbildung machen.»
Martin Stey, Direktor Zirkus Stey

Was unterscheidet Sie von anderen Zirkussen?
Wir sind ein sehr familiärer Zirkus, bei uns kann man mit den Artisten reden. Man trifft sie in der Pause, wenn sie Zuckerwatte oder Getränke verkaufen, oder am Eingang vor der Show. Man ist einfach näher dran.

Welches sind die Highlights des diesjährigen Programmes?
Jedem Gast gefällt etwas anderes gut. Ich finde die Handstandnummer von Antonio besonders gelungen.

Sie haben einige Tiernummern im Programm. Was bedeuten Ihnen die Tiere?
Wir haben ja unsere eigenen Tiere, mit denen wir täglich trainieren. Das gibt eine sehr enge Bindung.

Wie bringen Sie die Tiere dazu, ein Kunststück zu vollbringen?
Mit viel Geduld und natürlich Belohnung.

In Ihren Tiernummern arbeiten sie oft mit Haustieren wie Ziegen, Ponys oder Katzen. Setzen Sie bewusst keine Wildtiere ein?
Das hat mit den Kosten zu tun. Wenn wir eine Nummer selber durchführen können, sparen wir Geld. Zudem sind die Auflagen für die Haltung von Wildtieren sehr hoch. Vor drei Jahren hielten wir Kamele. Sie mussten 300 Quadratmeter Auslauf zur Verfügung haben; das ist an gewissen Plätzen schwierig einzuhalten. Es hat sich bis jetzt aber auch nicht ergeben, etwa Raubtiere in die Show aufzunehmen.

Wie stellen Sie ein neues Programm zusammen?
Wir besuchen andere Zirkusse, um dort nach Talenten Ausschau zu halten. Zudem senden Artisten uns Links zu Youtube oder DVDs mit ihren Kunststücken zu.

Ist es für einen kleinen Zirkus schwieriger, an Artisten zukommen?
Nein, im Moment gibt es sehr viele Artisten, weil in anderen Ländern immer mehr Zirkusse aufhören.

Sie haben zwei Kinder. Werden Sie ihnen dereinst raten, in Ihre Fussstapfen zu treten?
Unsere Kinder müssen eine Ausbildung machen, das haben meine Frau und ich beschlossen. Danach können sie immer noch beim Zirkus einsteigen. Bei mir selber wäre es vielleicht auch ein Vorteil gewesen, wenn ich eine Ausbildung hätte.

Sie treten immer wieder in Hombrechtikon auf. Was für eine Beziehung haben Sie zum Dorf?
Wir haben einen tollen Platz und einen guten Freund dort, der ein grosser Zirkusfan ist. Wir sind sehr gern im Dorf.

Der Zirkus Stey gastiert am Mittwoch, 4., und Donnerstag, 5. April, auf dem Parkplatz beim Gemeindesaal Hombrechtikon. Vorführzeiten: Mittwoch 14 und 19.30 Uhr,Donnerstag 14 Uhr.Infos unter www.zirkus-stey.ch.

Erstellt: 23.03.2018, 09:01 Uhr

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