Hombrechtikon

Wo die zwei Alphornbläser vom Lützelsee geblieben sind

Jahrelang hat ein Duo am Lützelsee viele Leute mit seinen Alphornklängen erfreut. Dann wurde es von einer Anwohnerin vertrieben. Doch wer sind die Alphornbläser eigentlich, und wo sind sie heute?

Sie werden von Alphornfans am Lützelsee vermisst: Marie-Thérèse und Daniel Keller, die als Alphornduo Wildbach auftreten.

Sie werden von Alphornfans am Lützelsee vermisst: Marie-Thérèse und Daniel Keller, die als Alphornduo Wildbach auftreten. Bild: pd

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«Wo sind die Alphornbläser geblieben», fragt Xaver Eberhard aus Hombrechtikon die ZSZ-Reaktion in einer besorgten Zuschrift. Eberhard teilt darin mit, dass ein Alphornduo «mit wunderschönen Klängen» Spaziergänger, Wanderer und auch Bewohner wie ihn erfreut hätten. Und das jeweils vom Frühling bis im Herbst, so alle zwei, drei Wochen – und das über mehrere Jahre hinweg. Doch dann, nach dem Ende des letzten Sommers, sei plötzlich Schluss gewesen.

Der Grund laut Eberhard: Eine Anwohnerin habe das Duo mit heftigen Reklamationen vertrieben: «Die Frau warf den beiden vor, dass sie mit ihren Alphorntönen die Leute am Lützelsee verärgern würden», erläutert Eberhard auf Anfrage. Zudem habe die Frau die beiden nicht gerade freundlich gefragt, ob sie für ihre Alphornblaserei überhaupt eine Bewilligung hätten.

Zum Rückzug geblasen

Die Folge der heftigen Reklamation war laut Eberhard, dass das Duo sozusagen zum Rückzug geblasen hat. Es sei nie mehr am Waldrand beim alten Weiler Lützelsee aufgetaucht, um seine Alphorntöne über den See erschallen zu lassen. «Wir finden das sehr traurig, zumal alle Leute, die wir kennen, grossen Plausch hatten», sagt Eberhard. Er kenne keine einzige Person ausser der erwähnten Opponentin, die sich über die Alphörner aufgeregt hätten, zumal das Duo jeweils höchstens eine Stunde musiziert habe. Den Namen der Frau, die reklamierte, möchte er aus Rücksicht jedoch nicht nennen.

Das Bedauern Eberhards über den Rückzug des Alphornduos ist nachvollziehbar. Dies auch deshalb, weil es keinerlei rechtliche Bestimmungen gibt, die das Alphornblasen auf öffentlichem Grund verbieten würde, wie der Hombrechtiker Gemeindeschreiber Jürgen Sulger bestätigt. Möglich wären Inverventionen der Behörden allenfalls wegen massiver Lärmbelästigung nach 22 Uhr. Doch das Alphornduo sei ja immer am Tag unterwegs gewesen, und von Lärm könne keine Rede sein.

Doch um wen handelt es sich eigentlich bei dem Duo? Eberhard selber kann nicht weiterhelfen, obwohl er das Paar regelmässig in der Gartenbeiz Hasel zu einem Schwatz und Getränk empfangen hatte. «Sie haben mir mal ihre Karte gegeben, aber die habe ich leider verloren», sagt er entschuldigend. Gemeindeschreiber Sulger kann immerhin bestätigen, dass eine Frau zum Duo gehört hat. Eine erste These, wonach es sich um den in Meilen lebenden und schweizweit bekannten Alphornbläser Eugen Fenner und eine noch unbekannte Mitmusikerin handeln könnte, zerschlägt sich aufgrund von Recherchen in der regionalen Volksmusikszene.

Die Spur führt nach Hinwil

Mehr Erfolg bringt die Suche im Internet: Dank einer einschlägigen Website namens alphornmusik.ch, auf der viele Schweizer Alphornbläser mit ihren Musikformationen aufgeführt sind, finden wir das Alphornduo Wildbach: es besteht aus Marie-Thérèse und Daniel Keller aus Hinwil. Und siehe da: Auf Anfrage per Telefon bestätigt das Paar, dass sie es sind, die einst am Lützelsee ins Horn bliesen ­– und wegen Reklamationen nun darauf verzichten und lieber anderswo auftreten. «Die unfreundlichen Reaktionen dieser Frau, die uns auch noch beschimpft hat, hat uns die Freude an Auftritten am Lützelsee halt einfach genommen», sagt Daniel Keller mit unüberhörbarem Bedauern. Grundsätzlich hätten sie am Lützelsee aber immer viele erfreuliche und positive Reaktionen erhalten.

Ob es doch noch eine Chance gibt, dass das Duo mit seinen Alphörnern wieder mal am Lützelsee aufkreuzt, lässt Keller, der mit seiner Frau über eine Künstleragentur für Auftritte gebucht werden kann, erst mal offen. Xaver Eberhard, der dank der ZSZ nun über das Duo und seinen Verbleib informiert ist, will den Kellers jedenfalls telefonieren. Vielleicht klappt es ja einmal mit einem offiziellen Auftritt in der Gartenbeiz. Und wer das Alphornduo aus Hinwil live erleben möchte, kann das zum Beispiel am 5. August am Ricken-Schwinget tun. Dort ist das Duo fest gebucht – und Reklamationen sind keine zu erwarten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.08.2018, 12:07 Uhr

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