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Wo die Boten des Sommers wohnen

Zurzeit umschwirren wieder Mauersegler die Hausdächer. Eine Exkursion in Männedorf zeigte am Sonntag auf, welche Lebensräume die schwarzen Flugkünstler brauchen. Dahinter steckt ein Projekt zur umfassenden Kartierung.

Zurzeit umschwirren wieder Mauersegler die Hausdächer.
Zurzeit umschwirren wieder Mauersegler die Hausdächer.
Manuela Matt
Blick in die Lüfte: Vogelfreunde suchten in Männedorf den Mauersegler.
Blick in die Lüfte: Vogelfreunde suchten in Männedorf den Mauersegler.
Manuela Matt
Unter einem Hausdach angebrachte Nistplätze für Mauersegler.
Unter einem Hausdach angebrachte Nistplätze für Mauersegler.
Keystone
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Gesucht sind: Ziegel ohne abdichtende Zementunterlage. Lüftungsspalte zwischen Dach und Regentraufe ohne Insektengitter. Nicht sanierte Nischen im Mauerwerk. 16 Personen machten sich am frühen Sonntagmorgen in Männedorf auf, um nach solchen Stellen an Gebäuden zu suchen. Nicht etwa, weil sie unperfekten Fassaden zu Leibe rücken wollten, im Gegenteil. «Wir sind jetzt sozusagen Mauersegler», sagte Amadeus Morell, bevor die Gruppe ihre Tour startete.

Morell ist Co-Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Männedorf-Uetikon-Oetwil. In dieser Funktion hatte er den Rund­gang durch Männedorf organisiert, der sich vor allem dem Lebensraum des Mauerseglers widmete.

Eine Silhouette wie eine Sichel

Die Exkursion fand nicht zufällig Ende Mai statt. Denn derzeit schwirren die eleganten schwarzen Segler hierzulande durch die Lüfte, um ihre letztjährigen Nester für die Brut aufzusuchen, bevor sie sich Mitte August wieder auf den Weg in südliche Gefilde machen. Mit ihren «Sri-Sri»-Rufen sind sie für manche Menschen der Inbegriff des Sommers.

Unverkennbar war dieser Ruf denn auch am Sonntagmorgen gleich am Bahnhof Männedorf zu vernehmen. Und immer wieder liessen sich die Vögel mit der sichelförmigen Silhouette aus der Höhe hinabstürzen, um haarscharf an einer Dach- oder Hauskante vorüberzusegeln oder in einer kaum sichtbaren Ritze zu verschwinden.

Nistplätze melden

Just um diese Schlupfwinkel ging es Morell. Sein Ziel ist, die Standorte der Mauersegler, die in Männedorf, Ueti­kon und Oet­wil brüten, auf einer Karte einzutragen. Dadurch erhofft er sich zum einen, Rückschlüsse auf den Bestand der Vögel in den Gemeinden machen zu können. «Mauersegler sind äusserst standorttreu», sagte er. Zum anderen aber soll die Karte bei etwaigen Neu- und Umbauten aufzeigen, wann bestimmte Vorkehrungen zum Schutz von Nistplätzen getroffen werden müssen. «Hierzu sind die Bauherren gemäss Natur- und Hei­mat­schutzgesetz verpflichtet», gab Morell zu bedenken.

Je umfangreicher das Datenmaterial, das über die Nistplätze zur Verfügung steht, umso aussagekräftiger ist die Kartierung. Morell ermunterte darum die Teilnehmer des Rundgangs, ihn mit Informationen für das Projekt zu versorgen. Um ihre Augen für die Wahrnehmung der Wohnstätten der Mauersegler zu schärfen, führte er die Interessierten durch einige Strassen und Gassen von Männedorf.

Löcher in Neubauten

Besonders der alte Dorfteil seewärts vom Bahnhof stellte sich als ergiebig heraus. Bei nicht mehr ganz neuen Gebäuden gebe es da und dort etwa einen verrutschten Ziegel, eine Lücke bei Lukarnen oder vorspringende Dächer, deren Übergänge zum Hauptmauerwerk den Mauer­seglern Einschlupfmöglichkeiten bieten. «Mauersegler müssen im Innern der Nische brüten können», erklärte Morell. Dies im Unterschied zu den Schwalben, deren Nester an der Aussenfas­sade von Gebäuden, oft unter Dachfirsten, angebracht sind.

«Mauersegler sind besondere Vögel», brachte Morell seine Faszination auf den Punkt. Eine Besonderheit sei etwa, dass sie ihr Nest direkt anfliegen und sich die Jungen daraus heraus fallen lassen. Darum liegen die Nistplätze oft in einer Höhe von etwa 5 bis 15 Metern über Boden; Bäume, Masten oder andere Hindernisse in der Nähe des Gebäudes hindern sie am An- und Abflug. Doch auch moderne Bauten können den Mauerseglern Unterschlupf bieten. Morell machte die Teilnehmer auf runde, Schiessscharten ähnelnde Löcher in einem Neubau aufmerksam – und nicht zuletzt auf die Möglichkeit, sie mit speziellen Nistkästen zu unterstützen.

Wer in Männedorf, Uetikon oder Oetwil­ ein Gebäude beobachtet, das von Mauerseglern umschwirrt wird, kann dies an www.nvmu.ch melden.

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