Im Gespräch

Witzige Holzfiguren mit Merk-Mal

Wenn es einen Künstler gibt, der in der Region Zürichsee unübersehbar ist, dann Richi Merk. Die mit der Kettensäge geschaffenen lebensgrossen Holzfiguren des Oetwilers schauen von Balkonen, von Dächern und aus Gärten verschmitzt in die Welt.

Die Harley-Figuren gehören zu den Lieblingswerken von Richi Merk. Sie waren Ziel von Vandalismus, jetzt hat sie der Oetwiler Holzkünstler erneuert.

Die Harley-Figuren gehören zu den Lieblingswerken von Richi Merk. Sie waren Ziel von Vandalismus, jetzt hat sie der Oetwiler Holzkünstler erneuert. Bild: Michael Trost

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Herr Merk, Ihre Figuren strahlen Witz, Verspieltheit, Ironie und Humor aus: Trifft das auch auf Sie zu?
Ja, vielleicht - der Schalk steckt schon in mir. Ich kann aber auch ein ernster Mensch sein.

Etwa dann, wenn ausgerechnet Ihre lustigen Figuren wie Koni und Üri, die Töfffahrer-Gruppe oder Asterix & Obelix Opfer von Vandalen werden? Wenn ihnen Köpfe und Arme abgeschlagen werden, sie mit Farbe übergossen werden? Was empfinden Sie bei solchen Taten?
Ich sehe das Positive, nämlich dass über 300 meiner Figuren in Gärten stehen und unbehelligt bleiben. An öffentlichen Orten besteht halt ein Risiko, dass die ungeschützten Werke Ziel von Vandalismus werden. Holz ist empfindlich und leicht zu zerstören. Dafür kann man es gut reparieren.

Unbekannte haben im April 2018 in Ürikon die Holzskulptur Koni enthauptet. Foto: PD

Ärgern Sie sich denn nicht?
Im Moment schon. Aber ich war viele Jahre Ausbildner. Das hilft mir, die Jugendlichen und ihre Aggressionen ein bisschen zu verstehen.

Welche Art von Humor beseelt Sie und Ihre Figuren?
Für mich ist der versteckte Humor der schönste, weil ich selbst gerne im Hintergrund bleibe. Darum liebe ich das Versteckte, das, was man erst auf den zweiten Blick erkennt. Das kommt zum Beispiel bei meinen Figuren wie dem Bub, der ins Feld pinkelt oder beim störrischen Esel zum Ausdruck.

Leidet die Welt an Humorlosigkeit?
Ja, ich glaube schon. Zu oft wird Humor durch aufgesetzte Heiterkeit ersetzt. Der echte Humor geht im Stress unter. Ich würde es jedem gönnen so zu arbeiten, wie es mir die letzten fünfzehn Jahre möglich war: Selbständig, frei, unabhängig – und mit Freude. Das gibt auch dem echten, natürlichen Humor Platz zur Entfaltung.

Betrachten Sie Ihre Arbeiten als Beitrag zur Weltverbesserung?
Nein, ich hoffe bestenfalls zur Weltverschönerung. Mich treibt beim Arbeiten der Gedanken an, dass man beim Betrachten der Figuren sich freuen und schmunzeln kann. Das ist meine Kunst. Ich will nicht provozieren oder verbessern.

«Zu oft wird Humor durch aufgesetzte Heiterkeit ersetzt. Der echte Humor geht im Stress unter.»

Eigene Ideen oder Auftragsarbeiten: Was überwiegt?
Es sind zu 95 Prozent Auftragsarbeiten geworden. Davon kann ich leben. Andererseits habe ich kaum noch Zeit, meine eigenen Ideen zu verwirklichen. Immerhin schaue ich mir zuerst an, wo die Skulptur stehen und wie sie dort wirken wird. Das kann meine Arbeit beeinflussen. So bringe ich doch auch meine Ideen ein.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Aus Beobachtungen und witzigen Situationen, die ich in Holz festhalte. Ich übersetze also die Idee in Holz. Manchmal gelingt das nicht wie gedacht und die Wirkung enttäuscht.

Wo überall befinden sich Ihre Skulpturen?
Die weitest entfernten stehen in Venezuela, auch in Berlin gibt es von mir Werke. 90 Prozent bleiben aber in der Region.

Wie wird man als Kettensäge-Künstler bekannt?
Mit Asterix und Obelix am Waldrand von Männedorf wurde ich bekannt. Das war 2005.

Einfach aus dem Nichts?
Nein, zuerst begann ich vor circa 30 Jahren mit dem traditionellen Schnitzen. Mein Ziel war damals, dass ich einmal selber Schnitzkurse geben kann. Das habe ich erreicht, 15 Jahre habe ich Kurse erteilt. Zur Kettensäge kam ich als ich erkannte, dass beim Schnitzen zuerst Rohlinge gesägt und nur die Feinarbeit geschnitzt wird. Das hat mir zum einen wegen des Schnitzens abgelöscht, zum anderen aber die Sägerei näher gebracht. Daraufhin habe ich in Österreich einen Kettensägekurs absolviert. Mein Erstlingswerk war ein Adler, den ich sofort verkaufen konnte. So hat es angefangen. Dann kamen Asterix und Obelix. Ich habe dann rasch auf Menschen umgestellt statt Tiere und Kunstfiguren zu schaffen, weil mich das menschliche Gesicht immer schon fasziniert hat.

«Zur Kettensäge kam ich als ich erkannte, dass beim Schnitzen zuerst Rohlinge gesägt und nur die Feinarbeit geschnitzt wird.» Bild: Michael Trost

Sind Sie ein künstlerischer Holzverarbeiter oder ein Holz verarbeitender Künstler?
Ich bin ein Kunsthandwerker. Zuerst habe ich das Handwerk gelernt und bin erst danach in die Kunst hineingerutscht. Eine Hälfte ist Handwerk, die andere Kunst, vor allem wenn es um die dreidimensionale Wirkung geht.

Welche Motive bereiten Ihnen Schwierigkeiten?
Ich habe Mühe mit Katzen. Mit denen tue ich mich schwer, ich weiss nicht warum. Hunde mache ich zwar gerne aber nur als Zusatz zu Menschenfiguren. Überhaupt liegen mir Menschen mehr, die kann ich ohne Vorlage machen während mir die Bewegung und Körperhaltung von Tieren nur selten gelingt.

«Ihre ruhende Position strahlt beinahe Ewigkeit aus.»

Haben Sie sich bei einem Werk mit der Kettensäge schon einmal verschnitten?
Ja, eine Kundin bestellte einen Hund, der über die Brüstung schaut. Ich hätte nie gedacht dass dies so schwierig ist. Es hätte einen grossen Hund geben sollen aber bis ich die Haltung halbwegs hinbekommen hatte, wurde es ein kleiner Pudel.

Sie haben bisher rund 350 Holzskulpturen geschaffen. Was reizt Sie noch?
Ich bewerbe mich für die alle drei Jahre stattfindende Freiluft-Skulpturenschau in Bad Ragaz mit zweieinhalb Meter grossen Tangotänzern. Diese Ausstellung würde mich unheimlich reizen.

Sticht eine Lieblingsfigur aus ihrem Schaffen hervor?
Am häufigsten machte ich bisher Figuren, die von einem Balkon runterschauen. Die liebe ich, weil sie auch nach Jahren noch perfekt wirken. Ihre ruhende Position strahlt beinahe Ewigkeit aus. Am meisten Herzblut war bei den Harley-Töfffahrern dabei, weil ich früher selbst Harley gefahren bin. Die Arbeit war ausserdem sehr anspruchsvoll, da ich ein Motorrad möglichst detailgetreu modellieren wollte.

Besitzen Ihre Werke eine typische Handschrift, sozusagen ein Merk-Mal?
Meine Handschrift ist daran erkennbar, dass die Schuhe immer dieselbe Farbe wie das Oberteil haben. Der Gesichtsausdruck ist mein Markenzeichen. Meine Gesichter sind nie flach. Man muss ja ein Gesicht von der Seite sehen um zu erkennen, ob es einen Ausdruck hat. Das gilt auch für lebende Menschen.

Erstellt: 05.05.2019, 14:48 Uhr

Richi Merk

Richi Merk ist 65-jährig und lebt mit seiner Frau in Oetwil. Im Appisberg oberhalb von Männedorf hat der gelernte Maschinenschlosser sein Atelier. Seit einiger Zeit arbeitet bei ihm Roland Bergmann. Der ursprüngliche Schreiner hilft teilzeitlich, Rohlinge zuzubereiten, und bei der Auffrischung von in die Jahre gekommenen Kunstwerken. Merks Hobbys sind Töfffahren und Badminton. (di)

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