Wochengespräch

«Wir wollen ein Treffpunkt bleiben»

Wie ist es, ein grosses Viersternhotel am Zürichsee zu führen? René Grüter muss es wissen: Der Luzerner führt seit 14 Jahren mit seiner Frau das Romantik-Seehotel Sonne in Küsnacht.

René Grüter im Festsaal des Romantik-Seehotels Sonne, das auch kulinarisch viel zu bieten hat.

René Grüter im Festsaal des Romantik-Seehotels Sonne, das auch kulinarisch viel zu bieten hat. Bild: Sabine Rock

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Die Hotelbranche klagt derzeit über Probleme wegen des Frankens, verschärftem Preis- und Kostendruck sowie rückläufigen Buchungen aus dem Ausland. Wie sieht es bei Ihnen aus?
René Grüter: Die Rahmenbedingungen sind in der Tat nicht einfach. Der Preisdruck nimmt wegen den Online-Buchungsportalen zu, und die Konkurrenz im Raum Zürich wächst weiter, weil noch zusätzliche Hotels entstehen. Auch wir müssen heute eine flexiblere Preispolitik betreiben, um auf die Nachfrage zu reagieren. Trotzdem läuft es dieses Jahr bisher sehr gut, sogar besser als letztes Jahr. Warum, ist nicht einfach zu erklären. Wir haben jedoch die Verkaufskanäle und die Internetpräsenz optimiert.

Wie hoch ist die Auslastung ?
Gegenwärtig bei 80 Prozent. Im Vergleich zu früher mussten aber auch wir Federn lassen; vor Jahren lag die jährliche Auslastung noch bei 90 Prozent.

Was für Gäste haben Sievor allem?
Wir haben viele Business-Gäste, viele Leute, die für Anlässe wie Hochzeiten, Bankette oder Seminare kommen, aber auch Gäste aus dem Ausland, die Bekannte, die hier arbeiten, besuchen. Es kommen aber auch Familien, die ein paar Tage Ferien machen. Wir haben immer noch viele Schweizer, daneben Deutsche und an­dere Europäer und einige Gäste aus Amerika und Asien.

Wie läuft das Geschäft mitden Restaurants?
Gut, aber jetzt im Sommer sind wir stark vom Wetter abhängig. Vor allem das Gartenrestaurant.

Was tun Sie, um als Hotel und Restaurant attraktiv zu bleiben?
Wir achten sehr darauf, dass wir einen guten Gästemix haben und allen etwas bieten können. Das Gartenrestaurant ist ein gutes Beispiel: Hier decken wir alle Bedürf­nisse ab, von der jungen Mutter mit Kindern, die gesund und günstig essen will, bis zum Geschäftsmann, der einen Business-Lunch bevorzugt, und zum Ausflügler, der einfach eine Wurst geniessen will.

Was ist beim Hotel wichtig?
Man muss auf Bewertungsportalen wie Tripadvisor gut wegkommen. Das ist eine Realität. Aber wir nehmen das sportlich – und schauen, dass zufriedene Gäste sich auch positiv äussern. Wir inves­tieren zudem jedes Jahr 300 000 bis 700 000 Franken in die Erneuerung der Infrastruktur und versuchen ständig, die Angebote zu verbessern. Da orientieren wir uns auch an den Gästen und versuchen, Trends aufzugreifen. Ein Beispiel ist die Eisbahn im Garten im Winter. Räum­lich sind wir aber eingeschränkt, weil unser Haus unter Heimatschutz steht.

Können Sie die Investitionen aus eigenen Mitteln finanzieren?
Diesen Anspruch haben wir – auch für die Zukunft. Wir wollen wirtschaftlich arbeiten und das Haus trotzdem auf dem neusten Stand halten. Wir haben in den letzten Jahren alle Zimmer renoviert, ein Restaurant und den Garten erneuert und einen neuen Fitnessbereich eingerichtet. Wenn wir etwas nicht finanzieren können, warten wir mit der Investition halt noch ein Jahr ab. Wichtig ist, dass wir die Ansprüche der Gäste, die sich ja ständig ändern, befriedigen können.

Ich staune jeweils, wie gut Sie das Regime mit den eigenen Parkplätzen vor dem Hotel im Griff haben. Wie schaffen Sie das eigentlich?
(lacht laut) Wissen Sie was? Dafür beschäftigen wir zwei Mitarbeiter und investieren zwei Jahresgehälter. Anders würde das gar nicht gehen, es sind ja 24 Parkplätze, die wir managen müssen.

Sie führen das Hotel mit Ihrer Frau. Wie funktioniert die Arbeitsteilung?
Das hat sich sehr gut eingespielt. Ich komme von der Gastronomie, meine Frau von der Hotellerie. Sie macht primär Verkauf, Marketing, Empfang und die Gäste- und Mitarbeiterbetreuung. Ich kon­zen­triere mich auf Restauration, Infrastruktur, Buchhaltung und die Organisation der Anlässe. Wir haben viel Erfahrung, weil wir schon im Widder-Hotel in ­Zürich zusammengearbeitet haben. Dort haben wir uns kennengelernt.

Wie ist es, als Paar ein Hotel zu führen?
Das geht bestens, weil wir schon lange zusammenarbeiten. Als Hote­liers muss man Menschen mögen und gern einen Generalistenjob machen. Wir ticken ähnlich und haben Freude am Metier, obwohl es nicht immer einfach ist. Zudem haben wir gelernt, auch mal abzuschalten und uns Zeit fürs Privatleben zu nehmen – auch dank unseres Sohnes Marc, mit dem wir in der Nähe des Hotels leben. Er war ein grosser Gewinn für uns, weil wir uns dank ihm mehr Zeit für uns nehmen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Im Sommer rund 85, im Winter etwa 60.

Haben Sie Probleme beim ­Rekrutieren?
Es ist in der Tat nicht einfach, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen. Die Konkurrenz um gut Ausgebildete unter den Betrieben wächst. Dazu kommt, dass die Arbeit in unserer Branche durchaus anspruchsvoll ist, auch wegen der Arbeitszeiten am Abend oder am Wochenende. Potenzielle Mitarbeiter sind ­heute auch anspruchsvoller – ­genau wie manche Gäste.

Wo finden Sie neues Personal?
Wir rekrutieren vor allem über Job­portale der Branche im Internet. Zudem nutzen wir Kontakte, die wir dank unserer Mitgliedschaft bei den Romantik-Hotels oder Swiss Historic Hotels haben. Wir beschäftigen immer noch viele Schweizer, in allen Bereichen, daneben auch Deutsche. Es gibt Leute, die arbeiten schon lange in der Sonne, zum Teil länger als wir selber.

Was machen Sie, um die Mitarbeiter bei der Stange zu halten?
Wir bieten Ihnen zum Beispiel eigene, günstige Unterkünfte hier in Küsnacht an, die in sehr gutem Zustand sind. Das ist ­sicher ein Vorteil. Und wir offerieren attraktive Arbeits­plätze, direkt am See und erst noch in Stadtnähe. Wir bieten gute Löhne und fünf Wochen Ferien plus sechs vergütete Feiertage.

Wie ist Ihre Beziehung zu Küsnacht und zur Region am See?
Wir sind sehr gerne hier. Unser Arbeitsort am See ist toll. Und wir sind in Küsnacht mittlerweile gut verankert, zumal unser Sohn hier in die Schule geht. Wir engagieren uns fürs lokale Gewerbe, sind im Gewerbeverband und ver­­geben Aufträge an lokale Hand­werker und Lieferanten. Wir bieten mit der Sonne vielen Verei­nen aus Küsnacht einen Ver­samm­lungsort, von den Business-Clubs bis zum Turnverein, die bei uns ihre Generalversammlungen abhalten.

Sie wollen ein Treffpunkt ­bleiben?
Unser Haus hat hier eine lange Tradition als Treffpunkt. In der Sonne wird geheiratet, gefeiert, getauft und getagt. Diese Tradition wollen wir pflegen. Darum ist es wichtig, dass wir preislich bei den Leuten bleiben. Und wenn Vereine etwas von uns brauchen, zum Beispiel für ihr Fest, helfen wir gern.

Als Hotelier erleben Sie sicher ­jede Menge kuriose Geschichten. Kommt Ihnen gerade einein den Sinn?
Ja. Zum Beispiel, als das Kursschiff hier in den Schiffsteg gekracht ist. Ich war oben im Büro. Plötzlich gabs einen unglaub­lichen Knall. Ich realisierte erst draus­sen, was los war. Ich war aber sehr schnell unten! Oder kürzlich, als ein Gast reklamierte, es habe Scherben im Salat. Zweimal hintereinander! Es gab eine riesige Aufregung, bis wir merkten, dass der Gast ein Stücklein Meersalz für einen Glaspartikel hielt.

Wie sieht die Zukunft aus? Bleiben Sie in der Sonne?
Wir fühlen uns wohl hier. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Besitzer Urs Schwarzenbach und arbeiten eng mit dem Verwaltungsrat zusammen. Es bleibt spannend, den Betrieb weiter zu entwickeln. Wir sehen gute Perspektiven und wollen auch in Zukunft Neues bieten – wie zum Beispiel nächstes Jahr eine Weingala mit Winzern vom Zürichsee.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.07.2016, 15:52 Uhr

Zur Person

René Grüter führt das Romantik-Seehotel Sonne in Küsnacht seit 2002 mit seiner Frau Catherine Julen Grüter. Der 54-jährige Luzerner war Koch, besuchte die Hotelfachschule und, wie seine Frau, Management-Seminare. Grüter war u.a für das Giardino in Ascona, das Hermitage in Luzern und den Widder in Zürich tätig, bevor er die Sonne übernahm. Das Ehepaar hat einen Sohn und lebt in Küsnacht.
Das Viersternehotel war schon im 17. Jahrhundert eine Gaststätte und wurde lange von der Familie Guggenbühl geführt. Es gehört heute dem Financier Urs Schwarzenbach, der auch das Dolder Grand in Zürich besitzt. Das Hotel hat 40 Zimmer und eine ausgebaute Infrastruktur mit Liegeplatz am See, Saal, ­Tagungsräumen, Fitnesscenter und grossem Gastroangebot.

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