Stäfa

«Wir werden bis zum Bundesrat gehen»

Der neue Bushof stösst auf grosses Interesse bei der Stäfner Bevölkerung. Der Gemeinderat kündigte an, mit Vehemenz für eine finanzielle Beteiligung der SBB zu kämpfen.

Bislang gibt es in Stäfa nur eine Rampe auf den Perron. In der Mitte des Bahnhofs ist hingegen Treppensteigen angesagt.

Bislang gibt es in Stäfa nur eine Rampe auf den Perron. In der Mitte des Bahnhofs ist hingegen Treppensteigen angesagt. Bild: Michael Trost

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«Ich habe eine technische, keine emotionale Frage.» Diese Aussage eines Besuchers der Orientierungsveranstaltung zum Bushof war bezeichnend. Sieben Jahre nachdem das Volk das letzte Projekt an der Urne mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit bachab geschickt hat, bewegen die Pläne für und rund ums Bahnhofsareal die Stäfnerinnen und Stäfner immer noch – oder wieder. Am 2. Dezember entscheidet die Gemeindeversammlung über einen Planungskredit von 640'000 Franken.

Der Sonnenwiessaal war mit gut 120 Männern und Frauen an diesem Mittwochabend brechend voll. Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP) legte in seiner Begrüssung sogleich dar, warum die Situation heute eine andere ist als 2012. «Wir hatten eine Phase, in der die Finanzen nicht rosig waren: Jetzt kommen wir in eine Phase, wo sie wieder absolut im Lot sind.»

Funktional statt komfortabel

In einem kurzen Abriss zeigten Tiefbauvorsteherin Claudia Hollenstein (GLP) sowie die Ingenieure des Effretiker Planungsbüros ewp AG, wie der Bushof sowie der stufenlose Perronzugang aussehen sollen. So sieht die jetzige Lösung sowohl Lifte als auch eine Rampe in der Mitte des Perrons und zum seeseitigen Ausgang hin vor. Der Bushof soll dort gebaut werden, wo heute der Güterschuppen steht. Vorgesehen sind sechs Haltekanten für die Busse sowie ein kleines Gebäude mit öffentlichen Toiletten und Pausenräumen für die Chauffeure. Die Zahl der Parkplätze soll unverändert bleiben.

Bei den Kosten nannte Hollenstein eine Summe zwischen 7,6 und 8,8 Millionen Franken, die eine Genauigkeit von +/- 30 Prozent aufweist. Damit hätten sich die Kosten im Vergleich zum Vorläuferprojekt praktisch halbiert. «Das Dach hat das Kostenvolumen damals gesprengt», erklärte ewp-Ingenieurin Stefanie Kraus, einen der Gründe für die Reduktion. Statt eines Dachs sollen nämlich nun Witterungsschutz-Vorrichtungen erstellt werden.

«Es ist keine komfortable, es ist eine funktionale Lösung»Cornel Weingartner

Eine andere Einsparung polarisierte wesentlich mehr. Die jetzigen Plänen sehen keine Verbreiterung der mittleren Unterführung vor. Ein Bürger zweifelte daran, ob die Situation in der Unterführung in Zukunft so angenehm sei. «Es ist keine komfortable, es ist eine funktionale Lösung», sagte Cornel Weingartner, Bauingenieur bei der ewp AG. Er betonte, dass alle Richtlinien eingehalten und ein Verkehrsmodell mit Passagierzahlen bis 2056 angewendet werde.

Gemeindepräsident Haltner sprang ihm bei und verwies auf den künftigen Viertelstundentakt der S-Bahn. «Es wird weniger Leute geben, die auf einmal ankommen.» Andere Anwesende schlugen jedoch in die gleiche Kerbe wie der Vorredner und forderten mehr Platz. Ein Mann befürchtete gar, dass eines Tages jemand «vertramped» werden könnte.

Baustart frühestens 2024

Als zentrales Thema entpuppte sich an diesem Abend der behindertengerechte Zugang zum Bahnhof. Hintergrund ist, dass alle ÖV-Stationen in der Schweiz bis 2023 behindertengerecht umgerüstet werden müssen. Hier offenbarte sich allerdings ein Konflikt. «Die SBB sagen, der Bahnhof Stäfa entspricht dem Behindertengesetz, weil er eine Rampe hat», führte Hollenstein aus. Aus Sicht der Gemeinde ist die Barrierefreiheit aktuell aber nicht gewährleistet, wie die Tiefbauvorsteherin, im Hinblick auf den heute nötigen Umweg von gut 300 Metern und dadurch verpasste Bus-Anschlüsse für Menschen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen, ausführte. «Wir sind der Meinung, dass die Bau- und die Kostenpflicht bei der SBB liegt.»

Dass die Gemeinde von der SBB einen finanzielle Beteiligung am barrierefreien Ausbau erwartet, machte Haltner mit Nachdruck klar. «Wir werden bis zum Bundesrat gehen, damit es einen Beitrag gibt.»

Auch, dass bergseitig bei der mittleren Unterführung keine Rampe geplant ist, sorgte für Gesprächsstoff. «Die Fläche im Norden gehört nicht der Gemeinde», erklärte Hollenstein. Die zwei Eigentümer würden aber früher oder später dort etwas realisieren. Haltner ergänzte, dass die Verzögerung damit zusammenhängt, dass die Grundeigentümer wohl die Revision der Bau- und Zonenordnung abwarteten. Er äusserte die Hoffnung, die Revision noch in dieser Legislaturperiode unter Dach und Fach zu bringen. Neben kritischen Voten gab es von einigen Anwesenden aber auch ausdrückliches Lob für das neue Projekt.

Klar ist: Auch wenn die Gemeindeversammlung dem Planungskredit am 2. Dezember zustimmen sollte, müssen sich die Stäfner noch eine Weile gedulden. Mit der Feinplanung, der Urnenabstimmung und den Bewilligungen könnte ein Baustart für den neuen Bushof und den barrierefreien Zugang zum Perron frühestens 2024 erfolgen.





Erstellt: 21.11.2019, 18:41 Uhr

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