Küsnacht/Rapperswil

«Wir sehen Licht am Ende des Tunnels»

Die frühere Wicor-Tochter Weidplas ist im letzten Jahr von Rapperswil nach Küsnacht gezogen. Hier plant der Autozulieferbetrieb den Aufbau einer Denkfabrik für neue Produkte. Im Moment gilt das Augenmerk noch dem Weg aus den roten Zahlen.

Weidplas nach vorne bringen: CEO Manfred Kwade will das Unternehmen im laufenden Jahr aus der Verlustzone führen.

Weidplas nach vorne bringen: CEO Manfred Kwade will das Unternehmen im laufenden Jahr aus der Verlustzone führen. Bild: Sabine Rock

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Die Weidplas GmbH weist eine zwar noch junge, aber bewegte Vergangenheit auf: Das Unternehmen wurde im Mai 2014 von der Muttergesellschaft Wicor in Rapperswil abgetrennt und an die US-Industriegruppe Techniplas verkauft. Im Februar 2015 baute die im Autozulieferungs­geschäft tätige Weidplas am Standort Rapperswil über 30 von 130 Stellen ab. Grund dafür war der Frankenschock nach der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Nationalbank.

Im Mai des vergangenen Jahres wurde das jüngste Kapitel in der Geschichte der Weidplas GmbH geschrieben: Die Firma brach ­ihre Zelte in Rapperswil ab und zog nach Küsnacht. An der Zürcher Goldküste hat die Herstellerin von Kunststoffkomponenten für die Automobilindustrie und die Sanitärbranche ihr neues Hauptquartier bezogen.

Direkter Draht zur Produktion

Als Grund für die Sitzverlagerung seeabwärts gibt Weidplas-Chef Manfred Kwade an, «dass die Entwicklungstätigkeit in Rap­perswil immer etwas los­ge­löst von der Fertigung in Rüti stattgefunden hat». Weidplas betreibt weltweit fünf Produktionsstandorte, darunter einen in Rüti mit rund 250 Mitarbeitenden.

Kwade ist überzeugt, «dass, wer selber entwickelt, einen direkten Draht zur Produktion haben muss, um diese zu verstehen». Deshalb wurde die gesamte Entwicklungsabteilung von Rapperswil ins Werk nach Rüti verlegt, während die Geschäftsleitung und weitere Verwaltungsfunktionen ins neue Firmendomizil nach Küsnacht dislozierten.

Der Umzug steht laut Kwade auch für einen Neuanfang von Weidplas. In Küsnacht soll der unternehmens­weite Thinktank entstehen, «wo die Leute aus dem Product Management ausserhalb der bestehenden Grenzen und in Ruhe über neue Trends nachdenken». Zudem bleiben die Wege nach Rüti kurz, wie auch diejenigen in die Stadt Zürich und zum Flughafen.

Zum Zeitpunkt des Amtsantritts von Kwade im letzten Juni waren über 70 Prozent der Belegschaft in Rüti temporär Angestellte. Von diesen überführte der neue CEO den grössten Teil in feste Arbeitsverhältnisse, «weil es sinnvoll ist, bei der Komplexität unserer Produkte feste Mitarbeiter zu haben, die auch eine starke Verbindung zum Unternehmen aufweisen». Zudem sei die Qualität von temporär angestellten Mitarbeitenden einfach nicht die gleiche wie die von Festangestellten.

Werkplatz im Wandel

Der Wettbewerbsdruck für Weidplas ist in den letzten Jahren nicht kleiner geworden. Von den insgesamt 255 Mio. Franken Umsatz erwirtschaftet die Industriegruppe noch gut 20 Prozent in der Schweiz. Gerade bei einem Hochlohnland wie der Schweiz stellt sich für Kwade permanent die Frage, welche Produkte hierzulande noch gefer­tigt werden können. Für Kwade ist klar: «In der Schweiz können nur noch hochwertige Produkte ge­fer­tigt werden, die komplex und technisch anspruchsvoll sind.»

Mittelfristig soll das Werk im Zürcher Oberland zu einem Technologiekompetenzzentrum entwickelt werden: «Wir verfügen über einige Technologien, insbesondere im Bereich Licht, die in dieser Form einzigartig sind und von denen wir glauben, dass wir davon für die Zukunft zehren können», erklärt Kwade.

Management ausgewechselt

Der diplomierte Maschinenbauingenieur, der von Faurecia, einem der weltweit grössten Autozulieferer mit Sitz bei Paris an den Zürichsee kommt, führt Weidplas als drittes neues Gesicht an der Spitze in anderthalb Jahren. Am Standort Rüti hat Kwade fast das gesamte Management-Team ausgewechselt. Ein Werk, das in Schwierigkeiten stecke, brauche ein anderes Profil als ein solches, das sich in einem soliden Zustand befinde. Und die Automobilbranche sei eine sehr spezielle Industrie: «Es gibt sehr viele­ Chancen, aber wer diese nicht nutzt, ist auch wieder sehr schnell aus dem Geschäft raus.»

Der 58-jährige Deutsche räumt ein, «dass wir aus einer schwie­rigen Zeit kommen, vor allem, was die Industrialisierung verschiedener Projekte betrifft». Die Kosten zur Qualitätssicherung seien dadurch in astronomische Höhe getrieben worden. In den letzten drei Jahren hat Weidplas rote Zahlen geschrieben. Kwade weist aber darauf hin, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Schritt an die schwarze Null herangemacht habe: «Wir sehen neues Licht am Ende des Tunnels.» Das gelte auch für das laufende Jahr: «Wir planen, die Gewinnschwelle für 2017 zu erreichen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.05.2017, 14:54 Uhr

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