Küsnacht

«Wir müssen unseren Dorfkern aktiv gestalten»

Eine Tiefgarage sowie einen Platz mit zwei Gebäuden sieht die Zentrumsentwicklung bergseitig des Bahnhofs vor. Sie wird vom Küsnachter Gemeinderat zur Annahme empfohlen. Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) erklärt die Gründe.

Die Zentrumsentwicklung: In der Tiefgarage sind 180 und oberirdisch 10 Parkplätze geplant. Zusätzlich sieht das 48-Millionen-Franken-Projekt einen öffentlichen Platz und zwei Gebäude vor. Während im Gebäude auf der Südseite neun Mietwohnungen und Gewerbefläche entstehen sollen, ist im zweiten Bau eine öffentliche Nutzung vorgesehen.

Die Zentrumsentwicklung: In der Tiefgarage sind 180 und oberirdisch 10 Parkplätze geplant. Zusätzlich sieht das 48-Millionen-Franken-Projekt einen öffentlichen Platz und zwei Gebäude vor. Während im Gebäude auf der Südseite neun Mietwohnungen und Gewerbefläche entstehen sollen, ist im zweiten Bau eine öffentliche Nutzung vorgesehen. Bild: Visualisierung/zvg

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Hand aufs Herz, hat die Gemeinde Küsnacht das Parkdeck ebenso sorgfältig ausgearbeitet wie die Zentrumsentwicklung?
Markus Ernst: Ja, das haben wir. Wir hatten zwar weniger Zeit, weil wir erst später anfangen konnten, aber das Projekt ist auch weniger komplex als die Zentrumsentwicklung. Wir dürfen für uns in Anspruch nehmen, dass wir beide Projekte sorgfältig ausgearbeitet haben. Das wurde uns auch von den Initianten attestiert.

Die Zentrumsentwicklung kostet 48 Millionen Franken: Ist das in Zeiten eines angespanntenFinanzhaushalts vertretbar?
Wir brächten die Vorlage nicht, wenn dem nicht so wäre. Finanzieren würden wir die Zentrumsentwicklung aus dem Nettovermögen, daher müsste die Gemeinde kein Fremdkapital aufnehmen. Ausserdem bringt das Projekt inklusive Gebäude der öffentlichen Nutzung eine Bruttorendite von fast zwei Prozent. Dank ihrer Nachhaltigkeit ist die Zentrumsentwicklung eine sinnvolle Investition. Entscheidend ist, dass es eine Investition und nicht einfach eine Ausgabe ist.

Was schaut für die Gemeinde neben der Rendite heraus?
Das Land wird nicht mehr nur für Parkplätze genutzt, es gibt auch eine Nutzung für Wohnen und Gewerbe, für öffentliche Interessen. Es ist ein Gebot der Zeit, dass man mit Landressourcen an solch zentraler Lage mehr macht, als diese einfach nur für Parkplätze zu nutzen.

Braucht Küsnacht überhaupt einen Platz mit zwei Gebäuden?
Ja, wir müssen unseren Dorfkern aktiv gestalten und in die Zukunft führen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es diese Aufwertung braucht. Auch weil wir klare Signale von der Migros in Form eines grossen finanziellen Engagements bekommen. Der heutige Zustand ist für sie unbefriedigend. Ich glaube, wir müssen Küsnacht vor einer Situation wie in Zumikon bewahren, wo man vor 40 Jahren einen grossen Wurf wagte, aber seither nichts mehr gemacht hat. Dort ziehen die Grossverteiler an die Peripherie und das Gewerbe im Zentrum bleibt auf der Strecke. Wenn wir eine solche Entwicklung verhindern und dem Gewerbe Sorge tragen möchten, müssen wir das Zentrum aufwerten.

«Alle Leute, die vom und zum Bahnhof unterwegs sind, gehen über den Platz.»Markus Ernst, Gemeindepräsident

Die Bauarbeiten für die Zentrumsentwicklung, welche dreieinhalb Jahre dauern, sind eine grosse Belastung für das Dorf und damit auch fürs Gewerbe.
Entscheidend ist, dass keine totale Blockade des Dorfzentrums erfolgt. Die Gesamtsperrung der Zürichstrasse dauert nur sechs Wochen, das scheint mir eine akzeptable Zeit zu sein. Natürlich werden Einschränkungen spürbar sein, aber ich bin sicher, dass dies der Gemeinde nicht das Genick bricht. Es ist eine Investition für die Zukunft, bei der man bereit sein muss, etwas auf sich zu nehmen. Nachher freut man sich, dass etwas Schönes entstanden ist. Wir haben zudem eine fast identische Anzahl an Ersatzparkplätzen, die in einem vernünftigen Umkreis zur Verfügung stehen.

Die realisierte Zentrumsentwicklung soll ein Ort der Begegnung werden. Wie lässt sich das erreichen?
Wir können die Leute natürlich nicht zwingen, im Dorf miteinander zu reden, aber Küsnacht hat einen solch dörflichen Charakter, dass man sich kennt. Alle Leute, die vom und zum Bahnhof unterwegs sind, gehen über den Platz: Es wird schon dadurch ganz automatisch Begegnungen geben. Vor allem aber tragen die zusätzlichen Angebote wie Bibliothek, Familienzentrum und Gewerberäume das Ihre dazu bei.

Als Zufahrt zum Parkhaus ist ein unterirdischer Kreisel geplant: Wie lässt sich verhindern, dass der Rückstau das ganze Dorf blockiert?
Ein Kreisel verflüssigt den Verkehr und blockiert ihn nicht wie eine Lichtsignalanlage. Verglichen mit der heutigen Kreuzung Zürichstrasse/Oberwachtstrasse/Dorfstrasse hat ein Kreisel eine viel höhere Kapazität. Im Übrigen hat der Kanton als Strasseneigentümer bestätigt, dass es keinen Rückstau geben wird, weder bergseitig noch in Richtung Seestrasse.

Ein weiterer Kreisel soll die schon genannte Kreuzung er­setzen: Würde dieser zeitgleich zum Zentrum gebaut?
Es wird koordiniert gebaut: Insbesondere den Kreisel in der Unterführung und die Sanierung derselbigen durch den Kanton stimmen wir auf unser Bauwerk ab. Aber die genaue Gestaltung der Oberwachtstrasse und ob die Kreuzung so bleibt oder ob es einen Kreisel gibt, ist im Moment noch nicht entschieden.

In Meilen, wo ein neues Zentrum mit Tiefgarage gebaut wurde, ist diese unterbelegt. Braucht Küsnacht überhaupt mehr Parkplätze?
Etwas mehr Parkplätze brauchen wir sicher, weil wir mit der Zentrumsentwicklung eine zusätzliche Nutzung hätten. Wenn man schon eine solche Summe investiert, muss man schauen, dass es auch in 20, 25 Jahren genügend Parkplätze gibt.

Welche Vor- und Nachteilefallen Ihnen beim Parkdeck-Projekt auf?
Ohne zusätzliche Nutzung brauchen wir nicht mehr Parkplätze. Der Parkplatz ist praktisch nie ausgelastet, so wie er jetzt ist. Von dem her sehe ich nicht, weswegen man 16 Millionen nur für 60 zusätzliche Parkplätze ausgeben soll.

In Bezug auf die Tiefgarage gibt es Sicherheitsbedenken.
Das sind Argumente aus vergangenen Tagen, als Parkhäuser noch dunkle Höhlen waren. Dies ist heute anders: Es wird eine helle, videoüberwachte Tiefgarage geben. Nach wie vor wird ein grosser Teil aller Parkplätze im Dorfzentrum oberirdisch sein. Die Vorteile einer Tiefgarage sind ja gerade bei der aktuellen Witterung offensichtlich.

Woher wissen Sie, dass der Projektierungskredit für die Zentrumsentwicklung 2014 nicht nur deswegen angenommen wurde, weil es noch keine Alternative gab?
Immerhin hat eine Mehrheit von 65 Prozent dem Projekt zugestimmt. Mit dem Mitwirkungsverfahren hat man ja bewusst nicht auf verschiedene Varianten gesetzt, sondern auf den Einbezug der Bevölkerung ab Beginn des Prozesses. Erfreulich ist, dass sich das Projekt im Laufe der Weiterentwicklung als stabil erwiesen hat. Die Versprechungen von damals können eingehalten werden. Die Zentrumsentwicklung hat zudem weitere Verbesserungen erfahren und ist günstiger geworden.

Was für Verbesserungenmeinen Sie?
Das sind Verbesserungen bezüglich der Nutzung des öffentlichen Gebäudes und der Erschliessung – namentlich der Lift von der Tiefgarage vor die Migros. Auch die Fassaden und die Platzgestaltung haben sich gut entwickelt.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Zentrumsentwicklung angenommen wird?
Als intakt.

Was macht der Gemeinderat, wenn beide Projekte abgelehnt werden?
Nichts.

Als 2007 ein Zentrumsprojekt an der Urne abgelehnt wurde, hat man kurz danach die jetzige Zentrumsentwicklung in Angriff genommen.
Initiiert wurde diese damals aus der Bevölkerung und nicht vom Gemeinderat. Wenn die Bevölkerung jetzt das Gefühl hat, es sei richtig, das Dorf und das Zentrum so stagnieren zu lassen, ist das ein Verdikt vom Volk. Man müsste10, 15 Jahre warten, bevor man erneut viel Zeit und Geld in eine Planung steckt.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.01.2017, 09:35 Uhr

Markus Ernst (FDP), Gemeindepräsident von Küsnacht (Bild: zvg)

Seit über 50 Jahren ein Provisorium

Der Parkplatz auf dem Areal Zürichstrasse besteht seit den 1960er-Jahren. Errichtet wurde er ursprünglich als Übergangslösung. Seitdem unternahm der Küsnachter Gemeinderat mehrere Versuche, den Platz neu zu gestalten.

Was lange währt, wird endlich gut. Das dürfte sich angesichts der Vorgeschichte der Küsnachter Gemeinderat vom Urnengang vom 12. Februar erhoffen. Seit über 50 Jahren ist das Areal auf der Bergseite des Bahnhofs ein Zankapfel. Bis dahin war es ein vergleichsweise idyllischer Flecken: eine Wiese mit Obstbäumen.

Zu Beginn der 1960er-Jahre standen die teilweise Überdachung der Gleise, eine Parkgarage, Parkplätze, ein Saal sowie ein Ladenzentrum auf der Bergseite zur Diskussion. 1962 bewilligte die Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit. Zwei Jahre später lag das ausgearbeitete Projekt vor. Die Kosten: 18,2 Millionen Franken. Geplant war, es in vier Etappen umzusetzen. Realisiert wurden aber nur die Unterführung Oberwachtstrasse, mehrere Fussgängerunterführungen und ein neues Bahnhofgebäude. Aus dem grünen Fleck wurde ein Parkplatzprovisorium.

In den 1970er-Jahren erhielt der Parkplatz sein heutiges Gesicht. Obwohl es seitdem immer wieder Ideen für das Areal gab, wurde es erst 2007 erneut konkreter – mit den Gestaltungsplänen Dorfterrasse und Bahnhof. Beide wurden allerdings an der Gemeindeversammlung verworfen. Ein zentraler Vorwurf lautete, die Bevölkerung sei zu wenig in die Planung einbezogen worden. Ein Kritikpunkt, der bei der Ausarbeitung des aktuellen Projekts berücksichtigt wurde.

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