Aviatik

«Wir hätten die Super Connie wieder in die Luft bringen können»

Nach 15 Jahren endet die Ära der «Super Constellation vom Zürichsee». Das Flugzeug wird ins Ausland verkauft, weil nur 10 von 15 Millionen Franken für neue Flügel zugesichert wurden. Der Meilemer Pilot Ernst Frei ist enttäuscht.

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Ex-Swissair-Pilot Ernst Frei ist mit über 250 Starts und 700 Flugstunden im Cockpit der weltweit erfahrenste aktive Pilot einer Super Constellation. Der 72-jährige Meilemer hat es dank seiner Vernetzung in der Region geschafft, viele Mitglieder in der Super Constellation Flyers Association anzuwerben. Und auch, weil er viele Rundflüge über den Zürichsee führte, wurde das 1955 gebaute viermotorige Flugzeug mit dem charakteristischen dreifachen Seitenruder gerne «Super Connie vom Zürichsee» genannt.

«Wir geben den Flieger nicht auf», haben Sie im April gesagt: Jetzt wird die Super Connie nach Deutschland verkauft.Wie enttäuscht sind Sie?
Sehr enttäuscht – ich bin ernüchtert und konsterniert. Bis vor einer Woche sah es aus, als ob es gelingen würde, das Geld für neue Flügel aufzutreiben. Dann ist ein Mäzen ausgestiegen, und es blieb nur noch das Geld vom grossen Mäzen mit 10 Millionen Franken. Aber es braucht 15 Millionen.

Im Communiqué der Super Constellation Flyers heisst es: «Eine sehr gute Lösung wurde gefunden.» – Für Sie ein Hohn?
Ja, die «sehr gute Lösung» bezieht sich darauf, dass die Super Connie irgendwann wieder fliegt. Das ist zwar weniger schlimm als Verschrotten oder den Flieger nur ausstellen. Aber es wäre mehr möglich. Wir hätten es geschafft, selbst das Flugzeug wieder in die Luft zu bringen.

Woher sollten die fehlenden 5 Millionen Franken kommen?
Ich bin überzeugt, dass es gelungen wäre, wenn wir die Arbeiten begonnen hätten. Dann wäre der Rest aufzutreiben gewesen, weil wir gezeigt hätten, dass wir an die Super Connie glauben.

Wie verlief die ausserordentliche Mitgliederversammlung der 50 Eigentümer zum Verkauf am Donnerstag in Olten?
Friedlich, die Leute haben sich einlullen lassen, weil alles geregelt schien in Anbetracht, dass das Geld für die Restaurierung nicht aufgetrieben werden könne und das Flugzeug irgendwann wieder fliegen wird. Und dass wir schuldenfrei abschliessen.

Waren Sie der letzte Kämpfer?
Wir waren zu zweit – der Chef Technik und ich als Chef Betrieb. Wir enthielten uns beide der Stimme.

Sie sagten einmal: «In unserem Verein sind alle Spinner.» Wurden die Spinner jetzt vernünftig, weil sie den Oldtimer als unberechenbares Finanzrisiko betrachteten?
Viele sagen jetzt, sie seien Realisten geworden. Aber ohne Idealisten läuft nicht mehr viel in der Oldtimerszene. Ohne Freunde der Dampfschifffahrt gebe es auch keine Raddampfer mehr am Zürichsee.

Haben der Absturz der Ju-52 im letzten August und die seither restriktive Zulassungspolitik des Bundesamtes für Zivilluftfahrt zum Meinungswandel im Verein beigetragen?
Ja – sowohl bei uns im Verein als auch im Bazl.

Die Super Connie hat in den 15 Schweizer Jahren 20 bis 25 Millionen Franken gekostet. Weshalb sollten solche Oldtimer erhalten werden?
Es geht um technisches Kulturgut. Alte Flugzeuge sind Zeugen aus einer Zeit, wo alles noch ohne Elektronik und Mikrochips funktioniert hat. Die Konstruktionen waren einfach, sie entstanden, weil man einfach drauflosprobiert hat. Die Technik hat sich aus diesem Pioniergeist entwickelt. Die heutigen Jets gäbe es nie ohne die Kolbenpropellerflugzeuge. Ich gehöre nicht zu denen, die alles erhalten wollen, nur weil es alt ist. Aber etwas, das es nur noch einmal auf der Welt gibt, ist es wert, zu erhalten.

Sind Sie der letzte Spinner?
Einer der Letzten.

Wie fühlen Sie sich jetzt?
In einem gewissen Sinn fühle ich mich als Versager, weil es mir nicht gelungen ist, in der reichen Schweiz noch 5 Millionen Franken aufzutreiben. Es ging offenbar nicht mehr trotz der vielen Vorträge, Verhandlungen und Anfragen. Jetzt fühle ich mich leer. Ich weiss aber auch nicht, wo ich heute wäre, wenn ich nach dem Grounding der Swissair 2001 nicht wieder etwas Grosses angepackt hätte. Die Super Connie war ein Stück Lebensinhalt. Jetzt kommen halt neue Inhalte in mein Leben. Vielleicht ist das auch gut so.

Erstellt: 08.07.2019, 17:22 Uhr

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Der letzte Zeuge einer Flugzeug-Ära

Insgesamt 856 Constellations / Super Constellations wurden in den Fünfzigerjahren vom amerikanischen Hersteller Lockheed gebaut. Die viermotorige Maschine markierte den Höhepunkt der Ära der Propellerflugzeuge, bevor die Düsenjets aufkamen, und stand weltweit im Einsatz für Langstreckenflüge Dutzender Fluglinien.
Die «Star of Switzerland» kam 2004 in die Schweiz, nachdem sie von der eigens gegründeten Super Constellation Flyers Association (SCFA) gekauft und in Kalifornien restauriert wurde. Sie ist das letzte passagierflugzugelassene Modell dieses legendären Fliegers mit dem typischen dreiteiligen Seitenruder am Heck.
Seit ihrem Eintreffen in Basel war die «Star of Switzerland», oder nach ihrem Hauptsponsor genannt, die «Breitling Super Constellation», der Star an allen europäischen Flugmeetings. Vor allem in der Region Zürichsee war die Trägervereinigung SCFA mit vielen Mitglieder vertreten. Dies ist mit ein Grund, weshalb die Super Connie in den letzten Jahren – bevor sie ab Frühling 2017 wegen der nötigen Reparaturarbeiten im Hangar blieb – regelmässig über dem Zürichsee flog. Es war eine Hommage an die Menschen, die sie vor der Verschrottung bewahrten. Zu sehen war das Kultflugzeug etwa im Mai 2014 über dem Zürichsee am Hafenfest zu Ehren des 100-Jahr-Jubiläums des Dampfschiffs «Stadt Rapperswil». Auch im Juni 2015 wurde ein Überflug über den Zürichsee medial ausführlich beworben und zog viele Flugzeugfans an. (red)

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