Meilen

«Wir geben den Flieger nicht auf»

Hiobsbotschaft für Schweizer Aviatik-Fans: Die Rettung der «Star of Switzerland» ist gescheitert. Ein Gespräch mit Ernst Frei, Chefpilot und Vorstandsmitglied der Super Constellation Flyers Association.

Ernst Frei kämpfte 15 Jahre lang für den Erhalt des «schönsten Flugzeugs der Aviatikgeschichte».

Ernst Frei kämpfte 15 Jahre lang für den Erhalt des «schönsten Flugzeugs der Aviatikgeschichte». Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Ernst Frei, Sie sind Chefpilot und Vorstandsmitglied der Super Constellation Flyers Association: Was genau hat der Vorstand beschlossen?
Wir mussten den Verein auflösen, weil wir bis zum Stichtag die 20 Millionen für die notwendigen Arbeiten nicht auftreiben konnten.

Ist dies das Ende der Super Connie?
Nein, wir haben nur den Verein aufgelöst, denn nun beginnt ein mehrmonatiges Liquidationsverfahren. Wir müssen das aus rechtlichen Gründen tun, auch wegen der Kündigung von Arbeitsverträgen und Hangarmieten. Wenn wir das Geld doch noch zusammenbekommen, können wir die Liquidation jederzeit stoppen.

Wie realistisch ist es jemanden zu finden, der 20 Millionen Franken gibt?
Es sieht nicht so schlecht aus, wir stehen mit einigen Personen in Kontakt. Wir geben den Flieger nicht auf. Worst case wäre, wenn wir das Geld nicht auftreiben können und die Super Connie verschrottet werden müsste.

Warum braucht es einen grossen Geldgeber und nicht viele kleinere?
Wir benötigten zuletzt ein halbes Jahr um 350.000 Franken zu sammeln. Dafür fehlt uns jetzt die Zeit. Crowdfunding ist ebenfalls zeitraubend und eine weltweite Sammlung ist auch nicht der richtige Weg. Wir brauchen daher einen grossen Mäzen oder auch mehrere wären willkommen, die für ein, zwei oder drei Millionen Franken ein technisches Kulturgut erhalten wollen ohne an Investment zu denken. Aber zugegeben, das ist kein einfaches Unterfangen. Die Aviatik ist eine Nische, es gibt nicht viele Menschen, die Freude an alten Flugzeugen haben und zugleich enorm grosszügig sind.

Ankunft einer Legende: Eine Super Constellation landet in Kloten. Video: Archiv Tamedia.

In Österreich gibt es einen sehr finanzstarken Flugzeugsammler mit einer ganzen Flotte von Oldtimern. Wird man ihn fragen?
Der besagte Mann hätte vor ein paar Jahren tatsächlich unsere Super Connie kaufen wollen. Damals lehnten wir ab. Heute hat er offenbar kein Interesse mehr, wie wir erfahren haben. Aber unser Ziel ist ohnehin, dass die Super Connie in der Schweiz bleibt.

Ist ein Museum eine Alternative?
Es wäre die zweitbeste Variante. Doch auch diese kostet viel Geld, selbst wenn wir unsere Super Connie verschenken würden. Sie müsste zerlegt, transportiert und am neuen Ort wieder zusammengebaut werden. Im Freien aufgestellt müsste sie regelmässig gereinigt und lackiert werden.

Hat der Absturz der Ju 52 die Schweizer Super Connie gegroundet?
Der Absturz hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt dazu gebracht, auch bei uns genau nach Schäden in den Flügeln zu suchen. Und es wurde Rost in den Flügeln gefunden. Wir haben daraufhin selbst das Flugzeug zurückgezogen – wie bisher immer, wenn etwas repariert werden musste. Wir wurden aber nie gegroundet.

Was passiert, wenn der grosse Geldgeber nicht gefunden wird?
Ich bin immer noch verhalten optimistisch. Von Verschrotten spricht heute niemand. Das wäre auch zu brutal, denn mit Ausnahme der Flügel sind die meisten Teile des Flugzeugs und vor allem die Motoren und die Technik wie neu. In ein paar Wochen wird es sich entscheiden. Aber wir können nicht ewig warten, weil weiterhin Kosten anfallen.

Erstellt: 29.04.2019, 17:07 Uhr

Zur Person

Ernst Frei ist 72 Jahre alt und flog von 1970 bis zum Ende der Swissair 2001 als Kapitän verschiedene Passagierflugzeuge bis zum Jumbo Jet. Der Meilemer gründete mit Mitstreitern die SCFA und holte die 1955 gebaute Super Constellation 2004 in einem spektakulären Flug von Kalifornien in die Schweiz. Seither war sie der Star an allen Flugmeetings in der Schweiz und in Europa und wurde für Rundflüge – auch über dem Zürichsee - eingesetzt.

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