Meilen

Wie Midor die Seehund-Lutscher und 300 andere Glaces herstellt

Die Saison der Glace-Liebhaber spürt man auch bei der Firma Midor. Die Produktion des grössten inländischen Herstellers läuft wie geschmiert, wie ein Besuch zeigt.

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Es summt, zischt und brummt im ersten Stock des Midor-Gebäudes beim Bahnhof Meilen. Wir stehen vor einer der sechs Produktionslinien, mit denen die Mitarbeiter die heruntergekühlten Glace-Mischungen aus den so genannten Freezern zu einzelnen Produkten verarbeiten. Jetzt füllt die Maschine eine Eiskaffee-Masse in Becher ab, die übers Fliessband gleiten und flugs mit Deckel und Etikette versehen werden. Eine andere Maschine füllt einen Vanille-Mix in Giessformen ab, in denen die bekannten Lutscher entstehen. Sie werden in Schokoglasur getaucht, mit Holzstängel versehen und gleich abgepackt.

Jost Zentner, Bereichsleiter der Glacéproduktion, erklärt, wie die Mischung im Freezer auf minus 7 Grad runtergekühlt und mit Luft angereichert wird. Dabei wird Druckluft in die Masse gepumpt, die dafür sorgt, dass etwa die Hälfte einer Rahmglace aus Luft besteht. «Das macht die Mischung schön crèmig und gibt ihr die gewünschte Struktur und Konsistenz», sagt Zentner und lässt uns einen frisch abgefüllten Becher «Ice Coffee» probieren. Schmeckt lecker, fühlt sich aber noch an wie ein kühles Dessert-Mousse. Denn die Abkühlung im Gefrierkühler mit minus 42 Grad steht noch bevor – wie die Qualitätskontrolle, das Abpacken in Schachteln und das Weiterleiten in den Kühlraum.

300 verschiedene Produkte

Die Herstellung von Glace, das zeigt der Rundgang, ist perfekt organisiert. Er beginnt mit dem Mischen der einzelnen Sorten, wobei Milch und Rahm, Wasser, Zucker und Schokolade als Ausgangsbasis dienen. Dazu werden je nach Produkt Kaffee, Vanille oder andere Aromen beigemischt, worauf die Masse in den Mischtanks auf über 80 Grad erwärmt und pasteurisiert wird. Dann wird zum Beispiel noch ein Fruchtextrakt dazu gegeben – und die Mischung auf Qualität und Reinheit überprüft. Die Hygiene im Betrieb ist bei der Glaceherstellung generell sehr wichtig, wie Jost Zentner erklärt. «Deshalb wird hier alles immer wieder gereinigt.»

«Die Hygiene ist in der Produktion sehr wichtig, deshalb wird hier alles immer wieder gereinigt.»Jost Zentner, Bereichsleiter

Im Midor-Betrieb werden rund 300 Produkte vom Cornet bis zur Eistorte hergestellt, darunter alle Varianten, die man in der Migros kaufen kann. Aber auch alle Produkte der Linie «iGelati», die an die Gastronomie geliefert werden und auf Desserkarten oder in Kühlboxen in Badis zu finden sind. Die Entwickler tüfteln ständig neue Produkte aus, um sie an die Schleckmäuler zu bringen: Wie zum Beispiel das neu lancierte «Fruitice», das vollständig aus Früchten hergestellt wird, oder das «Coco-Iceland», wie Zentner erklärt. Midor lanciert jedes Jahr neue Glaces – und setzt dabei vermehrt auf Eigenkreationen und Nahrungsmitteltrends wie laktosefreie Produkte.

Der Seehund als Klassiker

Die Basis des Erfolgs bilden aber nach wie vor bewährte Klassiker wie die mit Schokolade überzogenen Schleckstängel. Sie sind seit 1975 im Sortiment und ihre Übernamen entsprechen den Bildern auf der Verpackung: Der Seehund (mit Vanille), der Aff (Erdbeer) und der Bär (Schokolade). Diese Glacesorten sind auch punkto Nachfrage die Bestseller, gefolgt von Stracciatella und Eiskaffee.

Rund 27 Millionen Stück werden jedes Jahr weggeputzt – von Jung und Alt. Bis zu 28 000 Stück pro Stunde spuckt die neue Maschine aus, für die Midor drei Millionen Franken investiert hat. «Sie ist ein wenig wie meine zweite Frau», meint Zentner schmunzelnd mit Verweis auf die viele Zeit, die er damit verbringt.

Bis 1000 Palette pro Woche

9200 Tonnen Glace pro Jahr stellt Midor derzeit her und macht damit einen Umsatz von 72 Millionen Franken. In Spitzenwochen im Sommer verlassen bis zu 1000 Palette mit 600 bis 800 Kilo Glace den Kühlraum. Hier lagern sie maximal zwei Tage, dann kommen sie in die Verteilzentren der Migros, von wo sie zu den Kunden gelangen.

Der Betrieb in Meilen deckt fast die Hälfte des Konsums im Inland ab, wie Zentner erklärt. Midor ist damit der grösste Lieferant im Land, im Gegensatz zu Konkurrenten wie Nestlé (Frisco) ist die Migros-Tochter aber nicht im Export tätig. Der Umsatz mit Glace entspricht einem Drittel des Midor-Gesamtumsatzes von 216 Millionen, die andern zwei Drittel werden mit Guetsli und Gebäck erzielt.

70 Mitarbeiter und Lehrlinge

Die Glaceproduktion ist aufs erste Halbjahr konzentriert, damit die Nachfrage im Sommer gedeckt werden kann. Von den 650 Mitarbeitern von Midor sind 70 im Glacebereich tätig, die im Schichtbetrieb arbeiten. Im Herbst und Winter werden sie auch in der Guetsli- und Fasnachtschüechli-Herstellung eingesetzt. Regelmässig bildet die Glaceabteilung Lehrlinge zu Lebensmitteltechnologen aus und sorgt so dafür, dass in Meilen der Nachwuchs nicht ausgeht. Zum Abschluss testen wir noch einen frisch fabrizierten Seehund – und fragen, wie denn das Geschäft in diesem Jahr läuft. Es dürfte ein normales Glacejahr mit durchschnittlichen Verkäufen werden, meint Anne-Catherine Rüegg, zumal die Nachfrage heuer nicht so stark anzieht wie im heissen Sommer 2015. Aber es bleibt ja noch Zeit, um eine der Neuheiten zu probieren. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.07.2016, 15:34 Uhr

Konsum von Glace

Die Schweizer konsumierten 2015 rund 5,4 Liter Glace pro Kopf. Damit liegt unser Land laut dem Dachverband Glacesuisse, der die Menge in Litern berechnet, in Europa im unteren Mittelfeld. Am meisten Speiseeis schlecken nicht etwa Südländer, sondern Finnen und Schweden (12 Liter). Rekordwerte erreichte der Konsum in der Schweiz im Hitzejahr 2003, danach ging er stetig zurück, um 2015 wieder auf total 46 Millionen Liter anzusteigen. (rpf)

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