Zumikon

Wie kam die Leiche der Studentin in den Zumiker Wald?

Vor 38 Jahren wurde eine 20-jährige Studentin im Zumiker Wald tot aufgefunden. Was mit ihr geschah, ist bis heute unklar. Auch «Aktenzeichen XY...ungelöst» konnte keine brauchbaren Hinweise liefern.

Im Zumiker Wassbergwald entdeckte ein Reiter vor ziemlich genau 38 Jahren die nackte Leiche einer jungen Frau.

Im Zumiker Wassbergwald entdeckte ein Reiter vor ziemlich genau 38 Jahren die nackte Leiche einer jungen Frau. Bild: Sabine Rock

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«Junge Frau in Zumikon tot aufgefunden», titelte die ZSZ am 5. Februar 1980. Weiter heisst es im Artikel: «Gestern fand ein Reiter frühmorgens im Wassbergwald auf dem Gemeindegebiet von Zumikon die unbekleidete Leiche einer jungen Frau. Nach den ersten Abklärungen steht fest, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt. Die Frau wurde wahrscheinlich erdrosselt.»

Am Tag darauf ist klar: Bei der Leiche handelt es sich um die 20-jährige Anna Gwerder aus Zürich-Schwamendingen. Wie die Studentin in den Zumiker Wald kam und was mit ihr passiert ist, ist bis heute unklar. Der einzige Hinweis auf den Täter: Ein grosses schwarzes Baumwolltuch, das gefaltet neben der Leiche lag.

Im November 1980 wurde der Fall Anna Gwerder in der Fahndungsserie «Aktenzeichen XY...ungelöst» ausgestrahlt. Quelle: Youtube.com.

Sie wollte einen Mann treffen

Der Fall stellt die Polizei vor ein Rätsel. Anna kommt aus einer Familie mit gutem Ruf. Der Vater verdient sein Geld als Nachtwächter, die Mutter als Reinemachefrau. Anna selbst hat kurz vor ihrem Tod die Matur abgeschlossen und arbeitet als Aushilfe in einem Geschäft.

Am Abend ihres Verschwindens geht Anna mit Bekannten aus. Der Polizei erzählt ihre Freundin Ursula, dass sie Schwamendingen gegen 16.30 Uhr verlassen hatten und den Abend in einer Wohngemeinschaft von Freunden an der Brandschenkestrasse zwischen Wiedikon und Enge verbrachten. Kurz vor Mitternacht sei Anna mit dem Tram Nummer 13 zur Helvetiabar gefahren.

Dort will sie einen Bekannten bitten, sie mit dem Auto nach Hause zu bringen. An der Haltestelle Stockerstrasse steigt Anna aus. In der Helvetiabar, die nur wenige Gehminuten entfernt ist, kommt sie aber nie an.

Widersprüchliches Alibi

Der Mann, den sie wahrscheinlich treffen wollte, gibt später selber bei der Polizei zu Protokoll, dass es sich derweil im Lokal aufgehalten hat. Wie der Zufall es will, werden die meisten Gäste der Helvetiabar an diesem Abend fotografiert. Das Merkwürdige: Nur von Anna und ihrem Bekannten fehlt ein Bild. Der Mann beteuert, dass Anna nicht dort war. Ihn selbst habe man wohl zufällig nicht fotografiert. Das mysteriöse Baumwolltuch, das bei der Leiche gefunden wurde, habe er noch nie gesehen.

Die Polizei hält den damals 27-jährigen Schweizer dennoch für verdächtig und nimmt ihn in Untersuchungshaft. Nur wenige Wochen später muss sie ihn jedoch wieder entlassen. Es fehlen Beweise, dass er mit dem Tod von Anna Gwerder etwas zu tun hat. Der bestehende Tatverdacht habe jedoch nicht ausgeräumt werden können, schreibt die NZZ am 26. März 1980. Der Bildhauer habe sich in Bezug auf sein Alibi in Widersprüche verwickelt.

Täter entkommen

Das schwarze Tuch, das neben der Leiche gefunden wurde, können die Ermittler auf den Flohmarkt am Bürkliplatz zurückverfolgen. Dort wechselte es am 8. September 1979 den Besitzer. Derjenige der es damals erstanden hat, war wohl nicht Annas Bekannter. Um wen es sich beim Käufer handelt, bleibt unklar.

Im November 1980 wurde der Fall Anna Gwerder in der Fahndungsserie «Aktenzeichen XY...ungelöst» ausgestrahlt. Auch der TV-Beitrag führte nicht zum gewünschten Erfolg: Der Täter konnte nicht gefasst werden. «Wir haben keine Kenntnisse darüber. ob zum Fall Gwerder aufgrund der Sendung Hinweise eingegangen sind», sagt Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Inzwischen sei der Fall verjährt. «Falls sich aber neue Hinweise ergeben, wird diesen – ungeachtet der Verjährung – immer nachgegangen.»

-> 50 Jahre «Aktenzeichen XY...ungelöst»: In Teil 3 (Mi, 21.2.) unseres Rückblicks geht es um eine Briefbombe in Thalwil und den Mord an einem Metzger in Pfäffikon SZ. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.02.2018, 16:03 Uhr

Die Sendung

«Aktenzeichen XY...ungelöst»

Am 20. Oktober 1967 ging «Aktenzeichen XY ungelöst» zum ersten Mal auf Sendung. Seither hat das Fahndungsformat einen Kultstatus erreicht. In den über 500 Sendungen wurden mehrb als 4000 Fälle rekonstruiert. 40 Prozent davon konnten dank der Sendung gelöst werden. Die Idee stammt von Eduard Zimmermann, der von den Zuschauern auch «Ganoven-Ede» genannt wurde. Nach über 300 Sendungen als Moderator trat er 1997 zurück, als er an Demenz er­krankte. Seit 2002 moderiert Rudi Cerne die Sendung.

Das Schweizer Fernsehen beteiligte­ sich von 1969 bis 2003 an der Sendung. In den letzten 50 Jahren wurden 463 Schweizer Fälle gezeigt, fast die Hälfte davon konnte aufgeklärt werden. In der vom ZDF produzierten Sendung werden weiterhin Schweizer Fälle gezeigt.(lko)

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