Stäfa

Wie die Zeit auf den Ansichtskarten vergeht

Fünf Ansichtskarten kann der Tourist von Stäfa kaufen. Auf den ersten Blick sind sie recht schön, auf den zweiten klischeehaft — und von der Zeit längst überholt.

See, Schiffe, Hafen, Kirche und Rebberge: Auf den Stäfner Ansichtskarten sind alle Klischees des Verenadorfs vereinigt.

See, Schiffe, Hafen, Kirche und Rebberge: Auf den Stäfner Ansichtskarten sind alle Klischees des Verenadorfs vereinigt. Bild: Christian Dietz-Saluz

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Ansichtstkarten idyllisieren. Sie sollen den Daheimgebliebenen zeigen, wie schön es der Schreibende hatte, als er die Grusszeilen auf der Rückseite schrieb. Doch die Fotos sind Momentaufnahmen, die sich mit jedem Tag von der Wirklichkeit entfernen. In der Region Zürichsee geht der Wandel rasant vonstatten. Das lässt die Karten bald alt aussehen, zum Beispiel in Stäfa. An den Kiosken im Goethezentrum und am Bahnhof sowie in der Papeterie an der Bahnhofstrasse gibt es fünf Motive zur Auswahl. Alle zeigen zumindest einen Teil des Sees, zwei sogar das ganze Dorf aus der Luft. Diese Perspektive sollte die Aufnahme doch zeitlos machen.

Von wegen! Eines dieser Fotos muss mindestens 25 Jahre alt sein, wie der Ortsvertraute rasch bemerkt. Entlarvend sind vor allem grüne Wiesen, wo längst Wohnsiedlungen stehen. Oder grosse Firmengebäude, die bereits verschwunden sind wie die Nauer AG, die einst an der Kreuzstrasse stand. Alteingesessene werden über das Dorfbild lachen, auf dem noch die Beiz Wiesental samt Kegelbahn und das Altersheim Lanzeln im Urzustand zu erkennen sind. Damals hatte Stäfa noch 12 000 Einwohner, heute kratzt es an den 15 000.

Gut für ein Ratespiel

Auch die scheinbar unveränderbare, weil geschützte Häuserzeile am Stäfner Hafen wirkt auf der Postkarte überholt. Zum einen wurden seit der Aufnahme vor geschätzten 20 Jahren einige Häuser renoviert und haben heute andere Fenster, neue Dächer oder – wie das Hotel-Restaurant Sonne – eine frische Fassadenfarbe.

Langjährige Ortsansässige können mit solchen Karten ihr Gedächtnis testen: Wie alt ist dieses Bild? Dieses Haus sieht doch heute ganz anders aus – wann wurde es umgebaut? Das war doch…? Und dieses Geschäft gibt es nicht mehr: Wann wurde es geschlossen?

Wer sich bei Autos gut auskennt, dem bieten Fahrzeuge auf den Bildern eine detektivische Zeitspur. Die Ötiker Haab auf einer Karte wurde demnach circa 1990 fotografiert. Der Steinbrunnen im Vordergrund auf demselben Bild, gestiftet 1988 von Frau Baumann, war damals also noch ganz neu.

Eine der fünf Ansichtskarten übertreibt es mit jenem Motiv, für das Stäfa bekannt ist und das bei den anderen vier fehlt: Weinbau. Dreimal Reben bei sechs Minibildchen sind definitiv zu viel der Idylle.

Ein Gebäude, das für Eingeweihte auf drei Sujets noch erkennbar ist, sucht der Schreibende aber besser nicht — ­ aus sentimentalen Gründen: Die Buechdrucki, 26 Jahre lang seine berufliche Heimat. Auf den Ansichtskarten steht das Stammhaus der ZSZ immer noch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.08.2018, 14:45 Uhr

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