Herrliberg

Wie die Bachforellen mit Elektroschocks gerettet werden

Wegen der Trockenheit fliesst immer weniger Wasser in den Bächen. Darum fischte die Fischereiverwaltung am Donnerstag den Hoferbach in Herrliberg ab und setzte die Fische an einer anderen Stelle aus. Ein Szenario, dass sich wohl wiederholen wird.

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Kein einziges Wölkchen schwebt über dem Zürichsee. Die Sonnenstrahlen knallen unerbittlich herunter. Die Temperatur geht gegen 30 Grad. Das Wetter der letzten Tage und die regenarmen Monate zuvor verlangen der Natur einiges ab. Viele Gewässer führen weniger Wasser als üblich und mancher Bach ist nur noch ein Rinnsal. Darunter leiden die Fischen, die in den Zuflüssen des Zürichsee heimisch sind. So wie die Bachforellen im Hoferbach in Herrliberg.

In Gummistiefeln stapft Fischereiaufseher Arno Filli den Bach hoch. Er ist für den Aufsichtskreis 5 verantwortlich, also für den Zürich- und Obersee und seinen Zuflüssen. Auf seinem Rücken läuft ein Stromgenerator. Es lärmt wie bei einem Laubbläser. In einer Hand hält er einen Stab mit einem Metallring an der Spitze. Damit setzt er Stellen des Baches unter Strom. Der Stromschlag betäubt die Fische. Mit einem Netz in der anderen Hand fischt Filli die Bachforellen von der Wasseroberfläche ab.

Fische japsen nach Sauerstoff

Im Hoferbach gibt es einige Abschnitte, wo kaum Wasser fliesst. Dort sei zu wenig Sauerstoff im Wasser, erklärt Filli. Mit weit aufgerissenen Kiemen japsen die Fische nach Luft. Sie sind gestresst. Im schlimmsten Fall ersticken sie. Dem will der Fischereiaufseher zuvor kommen und fischt den Hoferbach ab — zum ersten Mal in seiner Laufbahn.

Mit dabei sind Benno Seiler und Christoph Roth von der Pächtergruppe des Erlenbachs und seinen Zuflüssen. Sie helfen beim Abfischen. Im Wasserkübel tragen sie die Bachforellen zum Transporter. Auf der Ladefläche stehen grosse Wasserbehälter, die zusätzlich mit Sauerstoff angereichert werden. Darin erholen sich die Fische bis sie andernorts ausgesetzt werden. Am Schluss schätzt Filli 300 bis 500 Fische aus allen Alters- und Grössenklassen — ein paar davon sind tot.

In den letzten Tagen war Arno Filli ständig in der Region unterwegs, um die Gewässer zu kontrollieren. Er sagt, dass die Bäche in den paar Tagen markant ausgetrocknet seien. Als Folge musste er diesen Sommer schon sechs Bäche abfischen. Eine vergleichbare Situation habe er das letzte mal 2012 erlebt, sagt Filli. Damals habe er nur drei Bäche abgefischt. Hinzukommt, dass er dieses Jahr schon sehr früh abfischen müsse. Sonst begännen diese Rettungseinsätze erst Mitte August.

Neues Zuhause im Dorfbach

Mit dem Transporter fährt Filli zum Dorfbach in Erlenbach. Dieser führt noch genug Wasser. «Läuft der Fluss fingerdick, dann genügt es bereits», erklärt er. Die Pächter setzten die Fische an verschiedenen Stellen aus. Die kleinen Fische müssen sich verstecken können, sonst werden sie von den Grossen gefressen. Laut Filli erholt sich die Population im Hoferbach in Zukunft wieder.

Auf die Zusammenarbeit mit den Pächtern der Fischreviere ist Fischereiaufseher Filli angewiesen. In einem E-Mail bat er sie, alle zwei bis drei Tage die Bäche zu kontrollieren. Wenn es anhaltend so trocken bleibe, dann sei es problematisch, sagt Filli am Ende des Einsatzes. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.07.2018, 17:06 Uhr

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