Stäfa/Hombrechtikon

Wie der neue Christbaum nach Stäfa kam

Der Weihnachtsbaum für den Stäfner Gemeindehausplatz stammt heuer aus dem Garten des Hombrechtiker Ehepaars Elmer. Die ZSZ war bei der Fällaktion und dem Aufrichten der Edeltanne dabei.

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Ihr Wuchs ist prächtig und vor allem gerade. Mit ihren ausladenden Ästen tut die fünfzehn Meter hohe Nordmanntanne ihrem Ruf als Edeltanne alle Ehre. «Sie ist wie gemacht, um als Christbaum ein letztes Mal die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen», meint Ruth Elmer nicht ohne Wehmut.Die Hombrechtikerin hat das einst knapp 20 Zentimeter grosse Bäumchen immerhin vor 35 Jahren in den Garten gesetzt.

In all den Jahren ist die Tanne ihr und ihrem Mann Hansulrich ans Herz gewachsen. Doch fällen müssen sie ihre Besitzer sowieso. Unweit ihres Hauses im Gunten verlaufen unterirdische Leitungen, denen der massiven Wurzelstock in nächster Zeit wohl zu nahe rücken würde. Da Elmers wissen, dass die Gemeinde Stäfa seit Jahren ihre Weihnachtsbäume von privaten Spendern erhält, war rasch klar: «Der Baum soll noch einen letzten gebührenden Auftritt haben» (siehe Kasten).

Schwierige Manöver

Heute in der Früh steht die Fällaktion und der anschliessende Transport der Nordmanntanne an. Im Freien stehend schaut das Ehepaaar Elmer dem Forstunternehmer Urs Hedinger aus Hinwil zu, wie er mit seiner Fräse den unteren Stamm von Ästen befreit. Dann fängt Hedinger an, sich wendig Stufe um Stufe durch das dichte Geäst in die Höhe zu stemmen.

Derweil hantiert Ernst Schmid aus Oetwil an den Hebeln vor seinem Bauch und dirigiert damit die Seilwinde seines Lastwagenkrans zur Baumkrone hin. Wie der Forstfachmann das Seil um Stamm und Äste windet, bleibt ein Geheimnis, denn sehen kann man ihn von unten nicht. Kaum ist die Tanne gesichert und Hedinger auf festem Boden, setzt er nochmals mit seiner Motorsäge an und trennt den Stamm vom Wurzelstock. Darauf zieht Kranführer Schmid die Ladung in die Höhe, deren beachtliches Gewicht er auf rund 1700 Kilogramm schätzt.

Surreal ist das Bild der schwebenden Tanne über den Köpfen der Zuschauenden. Schwierig erweist sich das Manöver, die nur scheinbar schwerelose Nordmanntanne in eine seitliche Lage in die eigens dafür installierte Einrichtung des Lastwagens zu betten. Dazu befestigt Urs Hedinger ein zweites Band um den unteren Stamm, so dass Schmid den Baum schliesslich dank beiden Aufhängern für den Transport sicher platzieren kann. Die beiden sind ein eingespieltes Team, das sieht man, übernehmen sie doch diese Aktion im Auftrag der Gemeinde Stäfa seit vielen Jahren. Tatkräftig unterstützt werden sie diesmal von Hansruedi Weber und Herbert Rosenberger vom Stäfner Strassenunterhaltsdienst.

Mit einer Polizeieskorte

Da die Ladung 4,5 Meter breit und 5,5 Meter hoch ist, bedarf es einer Polizeieskorte für den Transport über Willikon, Mühlehölzli und Bergstrasse bis zum Stäfner Gemeindehausplatz. Wer heute gegen halb elf Uhr in Stäfa unterwegs war, wurde Zeuge eines weiteren Spektakels: Wie die liegende Nordmanntanne, fast die ganze Strassenbreite einnehmend, von Ernst Schmid sicher durchs Dorf chauffiert wird, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Die Polizisten regeln bei Abzweigungen jeweils den Verkehr.

Bis der angehende Weihnachtsbaum endgültig in die für ihn vorgesehene und im Boden des Gemeindehausplatzes eingelassene Halterung verankert ist, braucht es mehrere Anläufe. Grund ist, dass der Lastwagenkran wegen einigen Bäumen beim Gasthof zur Krone nicht auf den Platz selber fahren kann. Ernst Schmid hat seine Tochter, die im Familienbetrieb tätig ist, mit einem kleineren Kran aufgeboten. Dieser steht bereits auf dem Platz. Wie nun die Tanne von der Seilwinde des einen Krans zu derjenigen des kleineren gereicht wird, ist mitunter auch den Kletterkünsten von Urs Hedinger zu verdanken. Präzisionsarbeit hat aber auch Kranführer Ernst Schmid geliefert. Alles in allem haben die Männer den Schaulustigen ein Schauspiel mit Seltenheitswert geboten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.11.2016, 17:38 Uhr

Bäume aus privaten Gärten

Die stattlichen Weihnachtsbäume der Gemeinde Stäfa, die in der Adventszeit bis zum Dreikönigstag den Gemeindehausplatz zieren, stammen seit etwa 16 Jahren aus privatem Besitz, wie vom Leiter Fachbereich Tiefbau, Jules Streuli, zu erfahren ist. Als Stäfa einst die Tannenbäume ausgingen, startete die Gemeinde 2000 einen Aufruf an die Bevölkerung, wie Streuli weiter ausführt. Seither werden Tannen «aus privatem Garten auf öffentlichem Platz» der Gemeinde unentgeltlich überlassen, wobei diese das Fällen und den Transport ins Stäfner Dorfzentrum übernimmt. Der Wurzelstock wird ausdrücklich nicht entfernt.
Spektakulär war die Aktion vor sechs Jahren. Damals wurde eine 1,5 Tonnen schwere Rottanne vom Rössliweg im Spittel per Helikopter zum Gemeindehausplatz geflogen. Wegen den engen Strassenverhältnissen im Spittel konnte weder ein Mobilbaukran noch ein Lastwagen eingesetzt werden.
In Frage kommen solitär wachsende Rot- oder Weisstannen mit einer Höhe von rund zwölf Metern, am liebsten mit ausladenden Ästen. Der Baum sollte jeweils Mitte November abholbereit sein. Anfang Januar wird das daraus gewonnene Schnittholz ungespalten und in rund 100 Zentimeter langen Rugeln den Besitzern zugestellt.

Angebote ausschliesslich aus den angrenzenden Gemeinden sind zu richten an den Fachbereich Tiefbau der Gemeinde Stäfa, Tel. 044 928 77 83 oder direkt an deren Leiter Jules Streuli, Tel. 044 928 77 45. mz

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