Stäfa

Wie der Kanton Zürich Roger Federer an St. Gallen verlor

Der Tennisstar wird sich voraussichtlich in Kempraten niederlassen. Recherchen zeigen: Es hätte anders kommen können. Auch Stäfa war als Wohnsitz im Rennen.

Für dieses Landgut an der Seestrasse in Stäfa interessierte sich Roger Federer. Es liegt abgeschirmt von dicken Hecken direkt am Zürichsee Foto: Moritz Hager

Für dieses Landgut an der Seestrasse in Stäfa interessierte sich Roger Federer. Es liegt abgeschirmt von dicken Hecken direkt am Zürichsee Foto: Moritz Hager

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Roger Federer zieht es nach Kempraten im Kanton St. Gallen. Doch der grösste Sportler der Schweizer Geschichte hätte genauso gut im Kanton Zürich sesshaft werden können. Womöglich scheiterte dies jedoch daran, dass sich dieser zu wenig um den Tennisstar bemühte.

Was genau ist passiert? Nebst dem Grundstück in Kempraten hatte Federer ein grosszügiges Anwesen in Stäfa im Visier. «Ja, er interessierte sich für eine Liegenschaft in unserer Gemeinde», bestätigt der Stäfner Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP) auf Anfrage der «Zürichsee-Zeitung».

Die Anwälte hatten Kontakt

Gemäss Informationen dieser Zeitung handelt es sich um das Landgut Steinfels im östlichsten Zipfel der Gemeinde. Es befindet sich in jenem Teil des Weilers Schirmensee, der sich auf Stäfner Boden befindet und nicht zum Hombrechtiker Ortsteil Feldbach gehört.

«Ja, Roger Federer interessierte sich für eine Liegenschaft in unserer Gemeinde.»Christian Haltner,
Stäfner Gemeindepräsident

Die Liegenschaft gehört gemäss dem Stäfner Grundbuchamt Hans Jecklin, dem Gründer von Swisscasino. Er war für diese Zeitung nicht persönlich zu sprechen, liess aber ausrichten, dass sein Anwalt und jener von Roger Federer miteinander Kontakt gehabt hätten. Dabei sei es um einen möglichen Verkauf des Anwesens gegangen.

Landsitz mit zehn Gebäuden

Das stattliche Landgut befindet sich auf einem rund 24000 Quadratmeter grossen Grundstück und liegt direkt am Zürichsee. Dicke Hecken schirmen es von der Seestrasse ab. Gut überschauen lässt sich das luxuriöse Anwesen aber von der Alten Landstrasse aus, die etwas erhöht liegt und parallel zur Kantonsstrasse verläuft. Es umfasst einen weitläufigen Park und ein Biotop, hat einen eigenen Bootssteg, ein Hauptgebäude mit Outdoor-Pool sowie neun weitere Gebäude, die früher teils landwirtschaftlich genutzt wurden.

Gerade die bäuerliche Vergangenheit könnte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Federer schliesslich vom Kauf absah. Denn das Grundstück liegt in der Landwirtschaftszone und unterliegt somit strengen Auflagen, was allfällige bauliche Änderungen betrifft. Fraglich wäre sogar, ob ein Tennisplatz zulässig wäre. Das etwas bescheidenere Grundstück in Kempraten mit 16000 Quadratmetern, das sich der Tennisstar stattdessen gesichert haben soll, befindet sich in der Bauzone. Hier hätte Federer deutlich mehr Spielraum als in Stäfa, zumal er auf der grünen Wiese bauen könnte.

«Roger Federer wäre für Stäfa und den Kanton Zürich ein exzellentes Aushängeschild gewesen.»Christian Haltner,
Gemeindepräsident

Federer selbst pflegt sich nicht zu Fragen rund um seinen Wohnsitz zu äussern. Obwohl es in der Immobilienszene von Rapperswil-Jona als offenes Geheimnis gilt, dass der Ausnahmesportler hinter dem Bauprojekt «Seepark» im Ortsteil Kempraten steht, sagt er nichts dazu. Als er im März am Rande des ATP-Turniers in Miami darauf angesprochen wurde, entgegnete er lediglich: «Logischerweise will ich nicht darüber reden. Was ich aber sagen kann: Ich wohne fürs Leben gerne in der Schweiz.»

Markus Kägi bot nicht Hand

Fürs Leben gerne hätte auch Gemeindepräsident Christian Haltner den Tennisstar in seiner Gemeinde gehabt. «Er wäre für Stäfa und den Kanton Zürich ein exzellentes Aushängeschild gewesen», sagt er. Dass der Kanton St. Gallen Roger Federer weggeschnappt hat, fuchst ihn. «Das hätte man vielleicht verhindern können.» Dann nämlich, wenn man sorgfältig geprüft hätte, was sich auf dem Grundstück in Schirmensee trotz der strengen Auflagen in der Landwirtschaftszone realisieren liesse.

Zuständig dafür wäre – wie bei allen potenziellen Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone – der Kanton. Doch der abtretende Baudirektor Markus Kägi (SVP) habe «null Interesse gezeigt», obwohl auch die Gemeinde in den Gesprächen involviert war. «Wir sind enttäuscht», sagt Haltner und hält fest. «Wir hätten nie und nimmer eine Lex Federer verlangt.» Ein bisschen mehr Engagement, um die Möglichkeiten innerhalb des gesetzlichen Rahmens auszuloten, hätte er aber schon erwartet. Die Baudirektion hingegen kann diese Kritik nicht nachvollziehen (siehe Kasten).

Abschied von Herrliberg?

Allem Anschein nach hat nun der Kanton St. Gallen das Endspiel gegen Zürich für sich entschieden. Die Ironie daran: Roger Federer macht es sich lediglich einen Kilometer ennet der Kantonsgrenze bequem. Im Kanton Zürich wird er nichts versteuern.

Auch die Hoffnung jener, die glaubten, Federer werde dereinst auf seinem gut 6000 Quadratmeter grossen Grundstück in Herrliberg bauen, hat sich spätestens am Mittwoch zerschlagen. An dem Tag wurde nämlich bekannt, dass in der Goldküstengemeinde eine Parzelle für 35 Millionen Franken zum Verkauf steht. Es handelt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um Roger Federers Land.

Erstellt: 04.04.2019, 16:18 Uhr

Baudirekton kontert die Kritik:

«Alle Baugesuchsteller sind gleich zu behandeln»

Markus Kägis Sprecher Markus Pfanner bestätigt auf Anfrage, dass mit Blick auf den möglichen Verkauf des Landsitzes Steinfels in Stäfa Gespräche mit der Baudirektion geführt wurden. Im erwähnten Fall habe ein Austausch mit dem Landbesitzer – also mit Swisscasino-Gründer Hans Jecklin – stattgefunden. Dabei sei seitens Kanton erläutert worden, was bei Vorhaben ausserhalb der Bauzonen grundsätzlich möglich sei. «Das angedachte Projekt war in der damals vorliegenden Form mit den gesetzlichen Vorgaben nicht vereinbar», schreibt Pfanner, ohne auf die Details des Vorhabens einzugehen. «Es hätte sowohl das Raumplanungsgesetz als auch den kantonalen Richtplan verletzt.»

Zur Kritik des Stäfner Gemeindepräsidenten Christian Haltner, von Kägi hätte er erwartet, die Möglichkeiten innerhalb des gesetzlichen Rahmens besser zu prüfen, schreibt Pfanner: «Der Kanton hat keinen Spielraum für kreative Lösungen. Die baulichen Möglichkeiten in der Landwirtschaftszone werden vom Raumplanungsgesetz, einem Bundesgesetz, definiert. Zonenkonform können nur Bauten und Anlagen im Zusammenhang mit einem Landwirtschaftsbetrieb erstellt werden.» Für alle nichtlandwirtschaftlichen Vorhaben seien die baulichen Möglichkeiten auf eng umfasste Ausnahmen beschränkt.

Das Fazit: «Die gesetzliche Situation ist eindeutig.» Und: «Alle Baugesuchsteller sind gemäss Gesetz gleich zu behandeln – egal ob es sich um einen Bürger handelt, der Ausserordentliches geleistet hat, oder eine gewöhnliche Person.» (miw)

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