Herrliberg

Was ein russischer General mit Herrliberg zu schaffen hat

Der neue Herrliberger Kalender blickt in die Vergangenheit des Dorfes und erzählt dabei unter anderem von heimatlosen Schriftstellern und Segelflugzeugen.

Der Kalender wirft einen historischen Blick auf die Gemeinde. Hier zu sehen: Das Hotel Raben (heute Restaurant Il Faro) an der Seestrasse aus dem Jahr 1906.

Der Kalender wirft einen historischen Blick auf die Gemeinde. Hier zu sehen: Das Hotel Raben (heute Restaurant Il Faro) an der Seestrasse aus dem Jahr 1906. Bild: pd / VVH-Dorfarchiv

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Wer im Herrliberger Coop an der Forchstrasse seine Einkäufe tätigt, weiss spätestens seit dem Lesen des neuen Herrliberger Kalenders, dass nur wenige Meter entfernt, der Schriftsteller Walter Matthias Diggelmann in den 1960-er Jahren beheimatet war.

Der Kalender wird einmal jährlich vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg publiziert: Darin lebt die Vergangenheit wieder auf. Das Beschäftigen mit der eigenen Dorfgeschichte verleihe – gerade in der heutigen schnellebigen Zeit – Identität und somit Sicherheit. Dies ist dem Vorwort von alt Schulpräsidentin Annette Konrad zu entnehmen.

Diggelmann ist ein Teil dieser Dorfgeschichte. Der Autor wohnte von 1962 bis 1969 in Herrliberg. Obwohl er nach Aussage seiner ehemaligen Lebenspartnerin der Männedörfler Journalistin Klara Obermüller die Zeit in Herrliberg durchaus genoss, war er aufgrund traumatischer Erlebnisse in seiner Biografie immer ein Heimatloser. Er musste während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiten in einem Dresdner Flugzeugwerk verüben.

Artefakte flüchtender Russen

Auch in seiner Familie war er ein ewig nicht akzeptierter Mensch. Trotzdem ist Herrliberg ein Stück Heimat für den ständig suchenden Schriftsteller gewesen, da er unter anderem in der Gartenstrasse erstmals eine Familie – eine Frau und zwei Kinder – hatte. Im von Sandra Stutte geführten Interview erzählt Obermüller auch, wie die Beziehung zum linken Schriftsteller ihr die Stelle bei der bürgerlich-liberalen NZZ gekostet hat.

Der Grossraum rund um Zürich war zudem vor 220 Jahren Schauplatz zweier grosser Schlachten im Zuge der Koalitionskriege gegen Napoleon. 1798 bricht die Alte Schweizerische Eidgenossenschaft unter dem Einmarsch der französischen Truppen zusammen, worauf die Helvetische Republik ausgerufen wurde. An einer der beiden Schlachten im September 1799 schlugen die Franzosen die österreichischen sowie die russischen Truppen in die Flucht.

Was das mit Herrliberg zu tun hat? 1941 wurden am im Weiler Rütihof Artefakte aus dem 18. Jahrhundert gefunden, die wohl den flüchtenden Russen gehörten. Deshalb stellt sich Antonia Baumann, die den Text darüber verfasst hat, die plausible Frage: War General Suworow im Rütihof?

Jahr der Jubiläen

Der Kalender wurde allen Herrlibergern Haushalten per Post zugestellt. Die restlichen Exemplare stehen den Vereinen, Institutionen und Einwohnern von Herrliberg auf der Gemeindekanzlei kostenfrei zur Verfügung. Dieses Jahr steht der Kalender im Zeichen grosser Jubiläen.

Ganze sechs hiesige Vereine feiern ein Jubiläum. Die Modellfluggruppe Erlenbach-Herrliberg etwa zelebrierte letztes Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Die Gründung erfolgte im Jahr 1944 in Erlenbach.

Seit dem Jahre 1975 sind die Aviatik-Liebhaber auf dem Gemeindegebiet Herrliberg, am südlichen Rand des Schmideneichwalds auf einer landwirtschaftlichen Parzelle sesshaft. Was anfänglich ein Verein von begeisterten Jugendlichen, die kleine Segler aus Holz in die Lüfte steigen liessen, war, ist inzwischen eine etablierte Gruppe von passionierter Segelflieger.

Diese und viele weitere Geschichten um und über Herrliberg finden sich im neuen Herrliberger Kalender.

Erstellt: 13.02.2020, 15:34 Uhr

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