Oetwil

Werner Bosshard war 28 Jahre für Oetwil im Einsatz

Werner Bosshard ist seit 1990 Gemeinderat in Oetwil und lebt seit seiner Kindheit dort. Ende Juni gibt der langjährige Finanzvorsteher sein Amt ab. Ein guter Grund, mit dem SVP-Politiker bei einem Gespräch Bilanz zu ziehen.

Werner Bosshard auf der Terrasse seines Wohnsitzes in Oetwil.

Werner Bosshard auf der Terrasse seines Wohnsitzes in Oetwil. Bild: Manuela Matt

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Werner Bosshard hat eine bemerkenswerte Treue zu seiner Heimatgemeinde Oetwil sowie zur Kommunalpolitik an den Tag gelegt: 28 Jahre lang hat er sich jetzt als Gemeinderat engagiert, zuerst als Gesundheitsvorstand und ab 1998 als Vorstand des Ressorts Finanzen. Seit 2002 war er auch noch für die Liegenschaften zuständig. Den Einstieg in die Oetwiler Behördentätigkeit vollzog er aber schon 1986, als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission. Zudem lebt der Betriebsökonom und zweifache Familienvater, der bis Mitte 2017 für die Zürcher Kantonalbank tätig war, seit seiner Kindheit in Oetwil, wo sein Vater einen Landwirtschaftsbetrieb führte.

Woher kommt die starke Bindung an die Gemeinde und die Politik? Beim Treffen in seinem Einfamilienhaus muss der 63-Jährige nicht lange überlegen: Er habe sich in seiner Heimat immer wohl gefühlt und habe sich schon in jungen Jahren für Politik interessiert: «Mit 23 schrieb ich zum ersten Mal über die Oetwiler Gemeindefinanzen, und wissen Sie für wen? Für die Zürichsee-Zeitung», sagt er schmunzelnd und zeigt uns einen Brief des ehemaligen Verlegers Ulrich E. Gut aus dem Jahr 1980: Gut dankt damit dem damaligen Studenten Bosshard für seine Arbeit als Berichterstatter, seine «Gründlichkeit» sowie seine «Bereitschaft, kurz entschlossen einzuspringen».

Spannende Finanzpolitik

Das Anpacken war auch eines der Motive, die Bosshard zum Gang in die Politik bewegten. «Ich wollte immer mitgestalten und meinen Teil für die Gemeinschaft leisten», sagt er. Projekte erarbeiten und planen, sie dann «zum Fliegen bringen» und mit der Bevölkerung in die Tat umsetzen – das habe ihn angesprochen. Und zwar selbst dann, ergänzt er, wenn er mit seinen Vorstellungen auf Widerstand gestossen sei und persönliche Angriffe habe verdauen müssen. Das, erinnert er sich, war etwa bei der Lancierung seines Sparprogramms der Fall. «Ich war aber immer bemüht», erklärt Bosshard, «möglichst sachlich an Probleme und Projekte heranzugehen.»

Wichtig war für Bosshard aber auch, dass die kommunale Politik mit ihrem breiten Themenspektrum für ihn eine spannende Ergänzung zum Berufsleben war: «Wie ein Kontrastprogramm und nah bei den Leuten.» Und er weiss auch, weshalb ihn besonders die Finanzpolitik interessiert hat: Nicht nur, weil er dank seiner Tätigkeit in der Bankenbranche das nötige Knowhow hatte, sondern weil ihn die Finanzierung von Projekten wie Schulen oder Strassen fasziniert habe. «Wie man Gemeindeaufgaben mit beschränkten Mitteln und dem möglichst effizienten Einsatz von Steuergeldern erfüllen kann, hat mich immer gereizt.» Das habe wohl auch damit zu tun, dass er in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen sei und der haushälterische Umgang mit Geld alltäglich gewesen sei..

Hatte der langjährige Gemeinderat nie Ambitionen auf höhere politische Ämter – etwa als Kantonsrat? Durchaus, meint Bosshard, zumal er auch Präsident der Oetwiler SVP war und in jüngeren Jahren von seiner Partei eine entsprechende Anfrage erhalten habe. «Ich beschloss dann aber, Gemeinderat zu bleiben, weil ich das besser mit Beruf und Familie verbinden konnte», erklärt er. Zudem habe er als Machertyp lieber ein Amt in einer Exekutive ausgeübt als in einer Legislative.

Warum nicht Präsident?

Umso mehr stellt sich die Frage, warum Bosshard nie Gemeindepräsident geworden ist. Dazu erklärt er, dass er dieses Ziel sehr wohl gehabt habe, sozusagen als krönenden Abschluss seiner Polit-Laufbahn. «Eigentlich hatte ich mit dem früheren Präsidenten Ernst Sperandio seit Januar 2010 eine Vereinbarung, dass ich 2014 dessen Nachfolge übernehmen sollte», sagt Bosshard. Doch dann habe dieser von der Vereinbarung plötzlich nichts mehr wissen wollen. Zu seiner grossen Enttäuschung, wie Bosshard durchblicken lässt. Später habe er in Absprache mit seiner Frau beschlossen, aufs Präsidium zu verzichten. Dies auch deshalb, weil ihn dieses Amt zeitlich noch stärker beansprucht hätte.

«Ich wollte immer mitgestalten und meinen Teil für die Gemeinschaft leisten.»
Werner Bosshard

Und warum war er zeitlebens in der SVP? Nun, das habe sich von seiner Herkunft her so ergeben, sagt Bosshard, zumal Oetwil gerade früher noch stark ländlich geprägt war. «Ich hatte aber auch nie ein Problem mit der Grundausrichtung der Partei», ergänzt er – und bezeichnet sich selber als «konservativen Wirtschaftsliberalen».

Viele erfolgreiche Projekte

Fragt man Bosshard nach seinen Erfolgen in der Gemeindepolitik, für die er massgeblich mitverantwortlich war, kann er eine ganze Liste präsentieren: Diese reicht von der Sanierung des Schwimmbads Eichbüel von 1990 bis 1992 bis zum jüngst eingeweihten neuen Schulgebäude, das von der Planung bis zur Fertigstellung rund vier Jahre dauerte. Wichtige Erfolge waren auch die Realisierung des Oetwiler Wärmeverbunds per 2016 sowie die Sanierung der Gemeindefinanzen.

Den mit den Eigentümern der Klinik Schlössli und den EKZ umgesetzten Wärmeverbund rühmt Bosshard als «gelungenes Gemeinschaftswerk» von Gemeinde und privaten Eigentümern. Zu den Finanzen hält er fest, dass Oetwil dank seinem konsequenten Sparprogramm endlich aus der durch den Finanzausgleich begünstigten «Negativspirale» herausgekommen ist: «2012 hatten wir noch 21 Millionen Franken Schulden, heute sind wir fast fast schuldenfrei.»

Und wie sieht er die Zukunft – sowohl für die Gemeindepolitik wie auch für sich persönlich? Auch dazu hat Bosshard klare Vorstellungen. Sorgen macht ihm etwa das sinkende Interesse an der Lokalpolitik. «Die Partizipation der Bevölkerung ist stark gesunken», stellt er fest und verweist dabei auf die Stimmbeteiligung, die bei den jüngsten Wahlen in Oetwil noch bei 26 Prozent lag. Es werde auch immer schwieriger, geeignete Leute für Behörden und Ämter zu finden. Problematisch findet er auch, dass das Vereinsleben auf dem Rückzug ist, die Anonymisierung fortschreitet und immer weniger Begegnungsorte wie Beizen zur Verfügung stehen. Eine gute Entwicklung ortet er dafür beim öffentlichen Verkehr, dank dem Oetwil heute sehr gut erschlossen ist, auch mit der Stadt Zürich.

Erst mal Veloferien

Was seine eigenen Projekte anbelangt, schaut Bosshard indes mit Zuversicht und Freude nach vorn. Nach seiner letzten Gemeindeversammlung am 18. Juni, an der er nochmals eine positive Rechnung präsentiert und sich von den Oetwilern verabschiedet, macht er im Juli mit seiner Frau Veloferien an der Mosel. Auch sonst will er mehr Zeit mit seiner Gattin verbringen.

Ohne Arbeit geht es für den 63-Jährigen aber auf keinen Fall weiter: So wird er sich künftig in der Kommission für das Ortsmuseum engagieren und zwei «Altersprojekte» angehen: Erstens will er ein Buch über frühe Siedlungen am Zürichsee und im Zürcher Oberland verfassen. «Ich habe am 1. Mai damit begonnen und bin jetzt auf Seite 24», stellt er klar. Und zweitens will er eine gut recherchierte Ortsgeschichte von Oetwil schreiben, damit sich auch Neuzuzüger besser mit der Gemeinde identifizieren können.

Wie in der Politik hat Werner Bosshard auch diese Projekte so seriös vorbereitet und in Angriff genommen, dass an ihrer Umsetzung nicht zu zweifeln ist. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.06.2018, 14:09 Uhr

Stimmen zu Bosshard

«Seine Erfahrung wird fehlen»

Jürg Hess, Gemeindepräsident Oetwil (SVP): «Mit Werner Bosshard verlässt der dienstälteste Politiker in unserer Region die politische Bühne. Er hat sich in den vielen Jahren grosses Wissen angeeignet, das er stets einbrachte. Seine Erfahrung und sein Wissen werden fehlen. Das Ende seiner Amtszeit ist für den starken Oetwiler Gemeinderat aber auch eine Chance für frischen Wind und neue Ideen.»

Beatrix Frey-Eigenmann, Finanzvorsteherin Meilen (FDP): «Werner Bosshard hatte als Finanzvorstand einer der wenigen finanzschwachen Gemeinden im finanzstarken Bezirk Meilen eine besonders herausfordernde Aufgabe. Er hat diese mit hoher Fachkompetenz, grossem Engagement und viel Leidenschaft bewältigt. Ich habe die Zusammenarbeit mit ihm sehr geschätzt. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir unser gemeinsamer Einsatz für einen vernünftigen Finanzausgleich ohne Fehlanreize.»

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