Küsnacht

Werbung oder Kunst, das ist hier die Frage

Der Parkplatz an der Zürichstrasse in Küsnacht ist dank eines Kunstwettbewerbs bunter geworden. Bei einem Beitrag stellt sich die Frage, ob das noch Kunst oder schon Werbung ist.

Philipp Bretscher von der Apotheke Hotz will das Bild mit dem Bärchen nun anpassen.

Philipp Bretscher von der Apotheke Hotz will das Bild mit dem Bärchen nun anpassen. Bild: Philippa Schmidt

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Wer mit dem Auto auf den Parkplatz an der Zürichstrasse im Zentrum von Küsnacht fährt, kann es nicht übersehen – zumindest, wenn wie jetzt in den Herbstferien viele Parkplätze leer stehen: ein Bärchen auf grünem Grund, das den Betrachter mitleiderregend anschaut. Auf seinem gemalten Köpfchen ist ein Pflaster angebracht. Daneben steht gut sichtbar: «Die Apotheke Hotz kümmert sich um ihre Schrammen.» Die Apotheke selbst befindet sich nur einen Katzensprung entfernt.

Bei dem Bild, das auf einem der Steinelemente angebracht ist, die den Parkplatz unterteilen, sollte es sich eigentlich nicht um Werbung handeln – zumindest offiziell nicht. Vielmehr ist es Teil eines Wettbewerbs, der zum Ziel hatte, den zweifelsohne trostlosen Parkplatz oberhalb des Küsnachter Bahnhofs zu verschönern.

Nicht grösser als A4-Blatt

«Der Beitrag ist nicht ganz so herausgekommen, wie wir uns das vorgestellt haben», sagt Kristine Scheiwiller, eines der Mitglieder des organisierenden Kunstkomitees. «Nach dem ersten Vorschlag haben wir auf die zu grosse Werbung hingewiesen und verlangt, dass diese Werbung mit Namen, Logo, Adresse et cetera nicht grösser als ein A4 Blatt sein dürfe.» Im Gegensatz zu anderen Kunstwerken, deren Entstehung auf dem Parkplatz verfolgt werden konnte, wurde das Bärchen auf eine Spanplatte gemalt und erst ganz am Schluss auf das Betonelement geschraubt. «Den neuen Vorschlag hat man vorher nicht gesehen, und man wurde vor ein Fait accompli gestellt», sagt Scheiwiller.

Sie sieht den Beitrag als Nebenaspekt des Wettbewerbs als Ganzes. «Wir hatten viele gute Begegnungen auf dem Parkplatz, und tolle Kunstwerke sind entstanden», schwärmt Kristine Scheiwiller, verweist aber darauf, dass das Publikum den Beitrag der Apotheke nicht so hoch bewertet habe. Die Bevölkerung, deren Stimmen für den Preis ausschlaggebend war, setzte den grünen Stein auf den letzten Platz. Gewonnen hat der Beitrag der Küsnachterin Ruth Fehr zum Thema Brockenhaus. Ausserhalb der Prämierung hat das Werk der «lebendige Stein mit Kresse und Kohle» von Komiteemitglied Andreas Biank die meisten Stimmen von den Passanten erhalten.

Einer der weiteren Wettbewerbbeiträge in der Entstehung. Bild: PD.

Motiv wird geändert

«Die Werbung ist für das Komitee grenzwertig, und darum hat sich Philipp Bretscher bereit erklärt, seinen Steinquader zu ändern», sagt Scheiwiller abschliessend zum umstrittenen Beitrag. Bretscher ist der Geschäftsführer der Apotheke Hotz. Er hat das Sujet mit dem kleinen Bären in Auftrag gegeben. «Eine Mitarbeiterin von uns hat den Entwurf gezeichnet, und ein Künstler hat dieses Motiv umgesetzt», sagt Bretscher. «Im Vorfeld hatten wir das Logo darauf, aber wir haben es auf Bitte des Kunstkomitees weggelassen.»

Man habe bewusst auf die Adresse und Telefonnummer verzichtet, weil die Verschönerung des Parkplatzes im Vordergrund stehe. «Wir wollen niemandem zu nahe treten und keinen Ärger verursachen», betont er angesichts der Nachfrage. Vielmehr habe man das farbenfrohe Projekt unterstützen wollen. «Wenn es missverstanden wird, ändern wir etwas am Bild.»

Gewonnen hat der Beitrag der Küsnachterin Ruth Fehr zum Thema Brockenhaus. Bild: PD.

«Keine Zensur»

Der Parkplatz, auf dem die Wettbewerbsbeiträge stehen, ist öffentlicher Grund, genauer gesagt Land, das der Gemeinde Küsnacht gehört. Diese stellte dem Komitee den Parkplatz kostenlos zur Verfügung, um die Kunstaktion durchzuführen. Für Werbung im öffentlichen Raum, etwa auf Plakaten, müssen der Gemeinde allerdings Gebühren bezahlt werden. Die Reklamebewilligungen kosten zwischen 200 und 3600 Franken. Was sagt Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) vor diesem Hintergrund zum Beitrag der Apotheke? «Grundsätzlich hat die Gemeinde den Parkplatz freigegeben für die künstlerische Gestaltung des öffentlichen Raums.» Bis jetzt habe sich noch niemand an dem Bild gestört, sagt Ernst. Und die Gemeinde sei schliesslich keine Zensurbehörde. «Wo die Grenze zwischen Werbung und Kunst verläuft, ist auch nicht immer ganz klar», sagt der Gemeindepräsident, der in diesem Zusammenhang an Andy Warhols berühmtes Bild mit den Tomatensuppendosen erinnert.

Erstellt: 08.10.2019, 20:58 Uhr

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