Selbstanzeigen

«Wer sich bis jetzt nicht selber angezeigt hat, sitzt es wohl aus»

Die Angst der Steuersünder: Warum haben sich im Kanton Zürich so viele Steuerpflichtige wie noch nie selbst angezeigt? Eine Steuerexpertin erklärt.

Doppelte Steuereinnahmen: In den Steuerämter des Kantons klingelten im letzten Jahr vor dem automatischen Austausch die Kassen.

Doppelte Steuereinnahmen: In den Steuerämter des Kantons klingelten im letzten Jahr vor dem automatischen Austausch die Kassen. Bild: Symbolbild/Keystone

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Wie haben Sie als Steuerberaterin die hohe Zahl an Selbstanzeigen in Kanton und Gemeinden im letzten Jahr wahrgenommen?
Ute Krane-Zimmermann: Die Anzahl an Selbstanzeigen, mit denen unser Unternehmen Tadico – Tax Audit Consulting konfrontiert war, ist deutlich rückläufig. Nur zehn oder elf Kunden haben sich im Jahr 2018 bezüglich dieser Thematik an uns gewendet, und es werden in Zukunft wohl noch weniger.

Weshalb?
Ich glaube, dass die rückläufigen Zahlen in unserem Unternehmen keinen Einzelfall darstellen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung ist ja bereits seit September 2018 im Besitz der Finanzdaten von einigen Ländern, unter anderem von Deutschland. Somit werden Selbstanzeigen im Zusammenhang mit diesen Ländern grundsätzlich obsolet, da die Straffreiheit durch das Bekanntsein hinfällig wird. Wer sich bis jetzt nicht selber angezeigt hat, sitzt es wohl aus. Die grosse Menge an durch den automatischen Informationsaustausch (AIA) ausgelösten Selbstanzeigen ist beim Steueramt mittlerweile eingegangen.

Wie muss man sich einen Steuersünder, der sich selber anzeigt, vorstellen?
Das sind in unserem Kundenkreis meist Privatpersonen ohne schlechte Absichten. Manche haben hier und da schlicht eine Angabe in der Steuererklärung vergessen. Leute, die nichts zu verbergen haben, sind besonders nervös.

Um welche Art von hinter­zogenen Vermögenswerten und Einkommen handelt es sich in solchen Beispielen?
Etwa um eine Auslandsimmobilie im Wert von 100 000 Franken oder ein Depot von 50 000 Franken im Ausland. Wir haben viele deutsche und andere ausländische Kunden, die nur vorübergehend in der Schweiz leben. Die Deklaration von im Ausland gelegenen Immobilien ist kompliziert und benötigt meist die Hilfe eines Steuerexperten. Hinzu kommt, dass ausländische Immobilien lediglich den persönlichen Steuersatz erhöhen, aber weder ins steuerbare Einkommen noch ins steuerbare Vermögen eingezogen werden. Der Aufwand der Betroffenen für die Steuerberatung und der Ertrag stimmen dann nicht überein.

Sie sagen es selber: im Ausland. Seit Anfang 2017 kommt der AIA zum Einsatz. Wie beurteilen Sie dessen Wirksamkeit?
Der AIA hat bestimmt eine erzieherische Wirkung.

Überführt der AIA auch Steuerhinterzieher, die ohne Reue und im grossen Stil handeln?
Kapital ist flexibel. Personen, die tatsächlich etwas zu verbergen haben, verschieben ihre Vermögenswerte wohl in Länder, die nicht vom AIA betroffen sind.

Wie hat sich die Branche seit der Einführung der straflosen Selbstanzeigen im Jahr 2010 und des AIA verändert?
Ich lebe und arbeite seit zwölf Jahren in der Schweiz. Anfangs war ich positiv überrascht, denn in Deutschland sind die Finanzämter nicht so dienstleistungsorientiert und viele Finanzbeamte sehen in den Steuerpflichtigen potenzielle Steuerhinterzieher. Mittlerweile sind die Steuerkommissäre, besonders im Kanton Zürich, strenger geworden. Die Unterlagen wie Belegnachweise werden genauer angeschaut. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.01.2019, 11:50 Uhr

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