Stäfa

Wer ist die beste Freundin forever?

Das Jugendensemble Theaterratten zeigt unter der Regie von Michael Schwyter eine eigene Fassung von Schiller’s „Räuber“. Nicht um rivalisierende Brüder, sondern um gefährliche Schwestern und ihre Freundinnen dreht sich das Stück.

Im Stück der Theaterratten dreht sich alles um Freundinnen und Schwestern.

Im Stück der Theaterratten dreht sich alles um Freundinnen und Schwestern. Bild: Michael Trost

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Michael Schwyters jüngste Tochter hat ihn auf die Idee gebracht. „In ihrem Leben sind Freundinnen sehr wichtig“, sagt der Regisseur nach der Premiere seines adaptierten Stücks „Bühnenräuber“, das das Nachwuchsensemble Theaterratten am Freitag im Statttheater zum ersten Mal vor Publikum gezeigt hat. Die rivalisierenden Brüder in Schillers Drama „Räuber“, mit dem der deutsche Autor vor fast 250 Jahren schlagartig berühmt wurde, hat Schwyter durch die beiden verstrittenen Schwestern Carmen (Sarah Kraus) und Fränzi (Nellie Hächler) ersetzt, die sich einen Machtkampf liefern. Die freiheitsliebende und ein leichtsinniges Leben führende Carmen, die spätere Räuberchefin, ist die Lieblingstochter des Vaters, was die darauf eifersüchtige und berechnende Fränzi zu Intrigen verleitet. Sie stellt Carmen vor dem Vater als verruchte Person dar, die mordet und raubt, um sich dadurch die Gunst des Vaters und das Erbe zu sichern. Und nicht Schillers Liebesgeschichte, sondern die Loyalität zwischen Freundinnen hat der Stäfner zudem in den Fokus des Theaterstücks gerückt. Es sind die beiden Freundinnen von Carmen, die zu ihr halten und sich nicht von Fränzis Scheinheiligkeit blenden lassen, als diese sie nach dem vermeintlichen Tod Carmens zu ihren eigenen Freundinnen erklären möchte.

„Das Phänomen nennt sich BFF, beste Freundin forever“, erzählt Michael Schwyter amüsiert, wobei er mächtig stolz auf die Bühnenleistung der elf Jugendlichen ist, die er vor dem Premierepublikum auch gebührend gelobt hat.

Handys sind omnipräsent

Und da dieses junge Ensemble nicht im 18. Jahrhundert lebt, tauschen sich die Protagonisten nicht in Briefen aus, sondern verbreiten ihre Botschaften auf Handys, die omnipräsent sind auf der Bühne. Von Fake News, hinter denen Fränzi steckt, ist da die Rede, anstatt von gefälschten Schreiben zu reden. Die Sprache ist raffiniert gespickt mit aktuellen Redewendungen junger Menschen, dennoch zieht sich als roter Faden die Dichtkunst Schillers durch das auf eine knappe Stunde reduzierte Vorstellung. Die minutenlangen Monologe wollte Schwyter, wie er sagt, seinem Publikum, in dem Kinder und Jugendliche sitzen, ersparen. Es hätte auch nicht zu dem spielfreudigen Ensemble gepasst und hätte obendrein noch gekünstelt gewirkt. „Die Jugendlichen müssen verstehen, was ihre Figur sagt, ansonsten ist es nicht authentisch“, so der Regisseur.

Die 16-jährige Nellie Hächler, wie ihre Kollegin Sarah Kraus Gymnasiastin in Zürich, fühlt sich wohl als fiese Fränzi. „Ich habe schon letztes Jahr eine Böse gespielt und kann es mittlerweile ganz gut“, verrät sie nach der geglückten Vorstellung. Sie hat im hautengen Tenue und in der knallorangenen Jacke brilliert als machtbesessene Schwester, die mit schmal gefärbten und zusammengepressten Lippen und lüsternen Blicken ihr Umfeld für ihre Anliegen missbraucht. Ihre ungestüme Schwester wird von Sarah Kraus dank ihrem temperamentvollen Naturell so verkörpert, dass es zur hin- und hergerissenen Carmen passt. Diese lässt sich nur zur Anführerin einer von ihren Freunden gegründeten Räuberbande wählen, weil sie sich nicht nur vom Vater, sondern von der ganzen Gesellschaft ausgeschlossen fühlt. Eine fatale Entscheidung, weil sich nach und nach herausstellt, dass hinter all den hinterhältigen Plänen Fränzi steckt, die nicht einmal vor dem Tod des eigenen Vaters zurückschreckt. Die Rache Carmens ist gewaltig.

Während der Regisseur im Hintergrund die Szenen auf seinem Schwyzer Örgeli mal mit sanften, mal mit lauten Tönen untermalt, lässt er es krachen auf der Bühne, als Carmens Räuberbande den Palast mitsamt der darin gefangenen Fränzi in Flammen aufgehen lässt. Kaum ist eine Feuersbrunst so eindrücklich auf einer Bühne dargestellt worden.
Weitere Aufführungen im Statttheater, Bahnhofstr. 52 in Stäfa: Heute Montag, 3. September und am 10./14./15. und 16. September, jeweils um 20 Uhr.

(zsz.ch)

Erstellt: 02.09.2018, 15:20 Uhr

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