Erlenbach

Wenn Waldwesen menschliche Züge zeigen

Am Samstag feiert die Erlibacher Volksbühne die Premiere ihres neusten Stücks. «Eis isch sicher…» heisst die Eigenproduktion. Sicher ist, dass sich die Zuschauer auf eine fantasievolle Inszenierung gefasst machen können.

Hat ihren allerersten Bühnenauftritt: Jeannette Koch als Clara (Mitte), mit Hanni Vogt als Britt (links) und Marco Tentor als Wendel.

Hat ihren allerersten Bühnenauftritt: Jeannette Koch als Clara (Mitte), mit Hanni Vogt als Britt (links) und Marco Tentor als Wendel. Bild: pd / Georges Wyttenbach

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Es geschieht wohl nicht alle Tage, dass allein ein Bühnenbild für Szenenapplaus sorgt. Genau dies aber ereignet sich am vergangenen Mittwochabend: Im Erlibacherhof ist die Hauptprobe des neusten Stücks des fast gleichnamigen Theatervereins im Gang. Eine Handvoll Zuschauer sitzt in dem Saal und ist bis zu dem Zeitpunkt Zeuge einer unschönen Grundkonstellation geworden. Davon, dass die Beziehung zwischen den Geschwistern Britt (Hanni Vogt) und Merten (Marc Renner) äusserst unheilvoll ist.

Ein Giftmord, den Merten vor zwei Jahrzehnten aus Eifersucht an Wendel (Marco Tentor), dem Verlobten der Schwester begangen hat, spricht eine deutliche Sprache. Desgleichen seine Pläne, genährt aus Machtgier und Bosheit, sich den König gefügig zu machen und auch Britt endgültig aus dem Weg zu schaffen. Wenn er denn nur wüsste, wohin sich diese in Vorausahnung seiner Absicht geflüchtet hat...

Wissend dank Rückblende

Das Publikum der Erlibacher Volksbühne weiss es bereits. Dies dank einer filmischen Rückblende (Illustration: Patricia Keller) zu Beginn des Stücks: Im Wald hat sich die Schwester all die Jahre hindurch versteckt gehalten. Nicht zuletzt darum, weil der Bruder sie, die mit Heilkräutern umzugehen weiss, der Hexerei bezichtigt hat.

Und nun also – nachdem sich das Bisherige in den Kulissen eines kleinen Schlossbalkons abgespielt hat – öffnet sich das grosse Bühnenbild. Es zeigt einen üppigen Wald, bevölkert von zauberhaften, unheimlichen, launischen, frechen, starrköpfigen Wesen: Den Menschen ähnlich in ihren Charakteren und doch: als Elfen, Kobolde oder Waldgeister unsichtbar für diese.

Wald gab Plot vor

Das Werk von Bühnenbildnerin Hanni Vogt verdient einen Applaus für sich. Es hat damit aber noch mehr auf sich, als lediglich für einen besonderen Blickfang zu sorgen. Das Bühnenbild nämlich sei quasi der Ursprung der heurigen Produktion des Erlenbacher Theatervereins gewesen, sagt Regisseurin Nathalie Portmann. «Wir wollten dieses Jahr ein einfaches Bühnenbild». Will heissen: ohne aufwändige Technik. Denn einfach, im Sinne von nüchtern, ist die Waldszenerie keineswegs. So sei sie denn auch auf den Wald mit seinen unzähligen Erzählmöglichkeiten gekommen, erklärt Portmann.

Sie selber schreibt seit 2015 die Stücke für die Erlibacher Volksbühne. Ihr sei zudem wichtig gewesen, mit etwas Neuem gegenüber den Vorjahren aufwarten zu können. «Das ist unser Credo: immer wieder andere Facetten in unsere Theaterstücke einzubringen.» Im aktuellen Stück habe sie dies zum einen durch unbekannte Bewegungsmuster geschaffen. Diese kommen in den Figuren der Waldwesen zum Tragen. Zum anderen, starke Gefühle in der Beziehung zwischen zwei Geschwistern auszuleuchten. Diese und weitere Komponenten hätten schliesslich zum Plot von «Eis isch sicher…» geführt.

Auch wenn das Stück im Reich von Waldwesen verortet ist – als Märchen lässt es sich deswegen nicht klassifizieren. «Märchen haben ihre eigenen Regeln und Stereotypen», sagt Portmann. Diese habe sie nicht umsetzen wollen. «Vielmehr geht es um die allgemeinen Lebensthemen», erklärt sie. Das zeigt sich darin, dass auch die Waldwesen unter sich die einen oder anderen durchaus menschlichen Querelen austragen – die für einige komödiantische Effekte sorgen.

Freude am Spiel fassbar

Aber, der Wald mit seinen Bewohnern ist ohnehin nur die eine Welt des Stücks. Die andere ist das Schloss des Königs (Kaspar Blaser), in dem Merten als Alchimist sein Unwesen treibt – angestachelt von seiner nicht minder kaltherzigen Ehefrau Bärbel (Roswitha Stoll): Zwei anfänglich noch voneinander getrennte Gegenwelten, die sich im Laufe der Handlung jedoch immer mehr vermischen – wenn der Wald zum Refugium für die vom Hof Verbannten wird.

Aber auch zum Ort, an dem der eindrückliche Showdown stattfindet: die Abrechnung im Geschwisterkonflikt, bei dem die Gestalten des Waldes alle Register ziehen. Die fantasievolle Inszenierung macht das Stück durchaus sehenswert. Und wenn auch Souffleuse Ilona Jegge an der Hauptprobe noch hie und da nachhelfen musste: Dass die Darsteller mit Begeisterung ihre Rollen verkörpern und in ihnen aufgehen, ist nicht zu übersehen. Zu erwähnen ist Jeannette Koch, die als Clara zum allerersten Mal auf der Bühne steht. Sie macht dies auf beeindruckende Weise – gibt ihr doch die Rolle der als verrückt angesehen Magd mit ihren – auf den ersten Blick – sinnlosen Sätzen keine einfache Vorlage.

Premiere heute, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Mittwoch, 23. Januar; Freitag, 25. bis Sonntag, 27. Januar; Freitag, 1. bis Sonntag, 3. Februar. Sonntags jeweils 15 Uhr, sonst 20 Uhr im Erlibacherhof. Vorverkauf: www.erlibacher-volksbuehne.ch, bei Schmid und Co. an der Bahnhofstrasse 25 in Erlenbach oder telefonisch unter 079 283 56 91 (Dienstag bis Freitag 10 bis 12 Uhr). (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.01.2019, 16:11 Uhr

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