Küsnacht

Wenn Sprache klingt und Musik erzählt

Die Schriftstellerin Lea Gottheil und der Komponist Martin Wettstein in der Küsnachter Kulturbar einen Einblick in ihr kreatives Schaffen gegeben.

Lea Gottheil und Martin Wettstein diskutierten an der Sonntagsmatinee «In Küsnacht angetroffen».

Lea Gottheil und Martin Wettstein diskutierten an der Sonntagsmatinee «In Küsnacht angetroffen». Bild: Michael Trost

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Beide sind in der Region aufgewachsen: Während die freischaffende Autorin und Liedtexterin Lea Gottheil inzwischen mit ihrer Familie in Zürich wohnt, lebt der Pianist und Komponist Martin Wettstein noch heute in Küsnacht. Dieses verbindende Element haben die Verantwortlichen der Kulturbar zum Anlass genommen, um die beiden künstlerisch Tätigen in der Reihe «In Küsnacht angetroffen» am Sonntagvormittag von Kulturwissenschaftlerin und Ortsmuseums-Kuratorin Elisabeth Abgottspon interviewen zu lassen. Mehr als 50 Personen drängten sich in der engen Chrottegrotte, um zu erfahren, worauf es beim Verfassen eines Textes und beim Komponieren eines Musikstücks ankommt.

Lea Gottheil hat schon als Mädchen Bücher verschlungen und liess sich nach Abbruch der Kantonsschule zur Buchhändlerin ausbilden. «Ich war wahnsinnig fasziniert von der Sprache und wusste früh, dass ich entweder Schriftstellerin oder Schauspielerin werden wollte», erzählt sie, die auch schon auf der Bühne der Küsnachter Kulisse stand. Zuerst hätte sie sich den künstlerischen Weg lange nicht zugemutet und sich erst dann vollends dem Schreiben hingegeben, als ihr Körper rebellierte.

Gesellschaft als Inspiration

Für Martin Wettstein war es von Vorteil, dass schon der Vater und Grossvater Musiker waren und er so nach eigener Aussage wie durch Zufall zur Musik fand. Will heissen, bei ihm zu Hause stand ein Flügel und lagen überall Platten herum. «Der Flügel war für mich ein Superspielzeug, das sogar Töne von sich gab», blickt der 50-Jährige auf den Beginn seiner Liebe zur Musik zurück. Er schloss ein Klavierstudium ab, das Komponieren hingegen habe er sich als Autodidakt angeeignet. Zudem wirkt er, der schon 1991 der örtlichen Kulturpreis erhielt, als zweiter Organist der Reformierten Kirchgemeinde Küsnacht.

«Bevor ich nur eine Note schreibe, muss ich leer werden.»Martin Wettstein, Komponist

Als Inspiration nennt Lea Gottheil die Gesellschaft, die sie nicht selten wütend und traurig mache, aber auch alles, was sie im Leben beschäftigt. Daneben holt sie sich Ideen, indem sie Werke anderer Dichterinnen liest. Ihr Ventil für Emotionen sind ihre Lieder, die sie in Mundart verfasst, währenddem ihre Gedichte auf Hochdeutsch sind. Martin Wettsteins Quellen sind vielfältig, er hat sich auch schon mal von seinem Tinnitus oder einem Gleitschirmflug inspirieren lassen. «Doch bevor ich nur eine Note schreibe, muss ich leer werden», erklärt er den Prozess seiner Arbeit, der ihm einiges an Geduld abverlange.

Zusammen gearbeitet

Die beiden beschreiben auch ihre Zusammenarbeit beim Theaterstück «Gebrüder Fleckenstein», das 2018 von der Schauspielgruppe Kulisse uraufgeführt wurde. Lea Gottheil hat für das Auftragswerk der Kulisse zunächst in der Historie der Reformation recherchiert, bis sich aus all dem Material eine Geschichte herauskristallisiert habe. Angst vor dem weissen Blatt habe sie nicht, denn löschen, ändern und hinzufügen könne sie immer. Der Musiker erhielt Gottheils Texte, für deren Vertonung er sich von Bildern und dem Rhythmus der Zeilen inspirieren liess. Es ging ihm um Stimmungen, die er musikalisch auffing und an der Orgel und am Cembalo eigenhändig interpretierte. Obwohl er keine Mühe bekundet, wenn ein anderer Instrumentalist oder ein Orchester seine Werke intoniere, dann könne er doch ohne Lampenfieber dem Konzert beiwohnen. Auch die Autorin kann loslassen: «Wenn andere meine Texte sprechen, ist es für mich wie das Aufgehen einer Knospe.»

Zum Schluss folgt die von Elisabeth Abgottspon versprochene Überraschung: Der Musiker setzt sich ans Klavier und spielt eine Ballade, zu der die Autorin ein spontanes Gedicht verfasst. Und umgekehrt liest sie zuerst einen kurzen Text vor, den er dann buchstäblich zum Tönen bringt.





Erstellt: 20.01.2020, 11:30 Uhr

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