Hitzewelle

Wenn sogar der Kunstrasen bewässert werden muss

Die Fussballclubs in der Region stehen bei diesen Temperaturen teils vor einem Problem: Weil sich die Kunstrasen-Plätze derart aufheizen, müssen Trainings abgesagt werden.

Die modernen Kunstrasen haben viele Vorteile – Hitzebeständigkeit gehört nicht dazu.

Die modernen Kunstrasen haben viele Vorteile – Hitzebeständigkeit gehört nicht dazu. Bild: Archiv ZSZ

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Den Fussballerinnen und Fussballern der Clubs rund um den Zürichsee hat sich die Hitzewelle gnädig gezeigt. Die letzten Spiele der Saison sind seit vergangenem Wochenende absolviert. Dementsprechend finden vor den Sommerferien kaum mehr Trainings statt. «Einzig die Mannschaften, die sich für die nächste Saison neu formieren, lernen sich diese Woche in Probetrainings kennen», sagt Daniela Keller, Leiterin Spielbetrieb beim FC Horgen. Auch um 18 Uhr, wenn diese Trainings beginnen, ist es noch heiss, sagt sie. Umso wichtiger ist es, genügend Wasser zu trinken.

In Stäfa finden ebenfalls nur vereinzelt Trainings statt. Am kommenden Wochenende tragen die Stäfnerinnen und Stäfner jedoch ihr Grümpi aus. «Wir hoffen auf etwas kühlere Temperaturen», sagt Roger Küng, Präsident des FC Stäfa. Was den Hobbysportlern dann zugutekommt, ist die Unterlage: Das Grümpi findet auf Naturrasen statt, der bei Sonneneinstrahlung deutlich kühler bleibt als Kunstrasen.

Hitze von unten

Dass nämlich nicht nur die Hitze von oben, sondern auch die Hitze von unten ein Problem sein kann, bestätigt Manuel Giger, Platzwart der Sportanlage Chrummen in Freienbach. Auf diesen Fussballplätzen trainiert jeweils die Schweizer Nationalmannschaft. Grundsätzlich sei Kunstrasen bei jedem Wetter bespielbar, auch bei grosser Hitze. «Der Kunstrasen wird aber sehr heiss. Spieler könnten sich verbrennen, wenn sie hinfallen», sagt er.

Aus diesem Grund ist am gegenüberliegenden Seeufer in Küsnacht das wöchentliche Training der F- und G-Junioren, das auf Kunstrasen und mitten am Nachmittag stattfindet, für einmal abgesagt. Für die Kinder mit Jahrgang 2010 bis 2013 strahle der Kunstrasen zu viel Hitze ab. «Auf einer Höhe von 50 Zentimetern sind es 70 Grad», sagt Stufenleiterin Nina Billeter. Der Einsatz von Rasensprengern, um den Kunstrasen zu kühlen, sei wegen der Kinder zu gefährlich. Zudem gebe es auf dem Fussballplatz Fallacher kaum Schattenplätze. «Wir mussten noch nie ein Training absagen, aber diese Woche ist es schlicht zu heiss.»

Rasenkrankheit befürchtet

Die Bewässerung des Kunstrasens schafft grundsätzlich Abhilfe. Denn dieser sei ähnlich aufgebaut wie ein Naturrasenplatz, mit Sickerleitung und Drainage, sagt Platzwart Giger. Grössere Sorgen macht er sich um ebendiesen Naturrasen. Auf den wirken sich die hohen Temperaturen vernichtend aus. Das Hauptproblem sei dabei nicht das Verbrennen des Rasens durch die Sonneneinstrahlung, sagt Giger. «Wenn die Temperaturen in der Nacht nicht unter die 20-Grad-Marke sinken und die Luftfeuchtigkeit hoch ist, steigt das Risiko von Rasenkrankheiten wie Pilzen», sagt er.

Das Schreckensbild des verbrannten Rasens hat Giger dennoch vor Augen. Im Juli reist der Fussballclub Sporting Lissabon für ein Trainingscamp an. «Um die beste Qualität zu erreichen, muss der Rasen bereits jetzt tief gemäht werden», sagt Giger. Dies erhöht das Risiko des Verbrennens. Auch hier ist Bewässerung der einzige Ausweg.

Erstellt: 25.06.2019, 09:21 Uhr

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Hitzeferien in der Schule gehören der Vergangenheit an

Schule Früher war alles besser. Zumindest in Sachen Hitze sehen sich Verfechter dieser Theorie bestätigt – denn früher hatte man schliesslich hitzefrei. Noch heute geistert dieses Phänomen in den Köpfen temperaturgeplagter Menschen herum. Dies, obwohl die Kurzurlaube in den Schulen des Kantons Zürich schon längst Vergangenheit sind. «Kinder sind unter der Obhut von Lehrpersonen besser vor der Hitze geschützt. Viele Eltern sind heute berufstätig. Würde der Unterricht kurzfristig ausfallen, wäre es möglich, dass einige Kinder unbeaufsichtigt wären», sagt Philippe Dietiker vom Volksschulamt Zürich.

Obwohl es im Jahr 2019 kein tatsächliches Hitzefrei mehr gibt, wird es in dieser Woche sicherlich zu Unterrichtsanpassungen kommen. Das Volksschulamt gibt jedoch keine spezifischen Empfehlungen an Lehrpersonen ab. Die Schulen in Wädenswil und Adliswil schauen der Hitzewelle entspannt entgegen: Die Lehrpersonen dürfen laut der Schule Wädenswil den Unterricht mit den Kindern im Wald oder am See abhalten. «Diesen Mittwoch haben wir gerade Sporttag», sagt Joshua Renshaw, Co-Schulleiter der Schule Adliswil, «aber am Nachmittag werden wir wegen der hohen Temperaturen in die Badi gehen.»

In Thalwil hat man sich noch keine grossen Gedanken gemacht; werde dies aber im Verlaufe der Woche nachholen. Etwas weniger entspannt sieht es die Schule Meilen am rechten Seeufer. Am Dienstagnachmittag soll dort entschieden werden, wie die Schüler und Schülerinnen der Hitze trotzen sollen. Die Schule in Meilen spricht dabei von einer «grossen Herausforderung».

Carina Blaser

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