Männedorf

Wenn sich plötzlich alles ums Schwangerwerden dreht

Regisseurin Natascha Beller hat im Kino Wildenmann ihre Komödie «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» präsentiert. Das Thema brannte ihr unter den Nägeln.

Regisseurin Natascha Beller erzählte im Kino Wildenmann, wie sie Fernsehberühmtheiten für ihre Filmidee gewinnen konnte.

Regisseurin Natascha Beller erzählte im Kino Wildenmann, wie sie Fernsehberühmtheiten für ihre Filmidee gewinnen konnte. Bild: Frank Speidel

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Die Frau erwacht in einem Raum und blickt auf: Sie sieht Uhren. Sie dreht sich um. Und sieht noch mehr Zifferblätter. Wo sie auch hinschaut: Überall tickt es. Lauter und lauter. Sie befindet sich in einem Zimmer voller laut tickender Uhren. Ein Kuckuck, schiesst unerwartet aus einem Häuschen. Die Botschaft ist klar: Die Uhr tickt.

Die Frau in der Szene ist Leila, gespielt von Michèle Rohrbach. Leila ist 34, hat sich soeben von ihrem langjährigen Freund getrennt und wünscht sich ein Kind. Dass es dafür einen Mann braucht, und der für Frauen über 30 nicht immer leicht zu finden ist – darum dreht sich die Komödie von Natascha Beller. Sie hat das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt. Ihr Werk hat es am Filmfestival Locarno dieses Jahr als einziger Schweizer Film auf die Piazza Grande geschafft.

Im Club stehengelassen

Am Samstag hat sie im Kino Wildenmann in Männedorf dem Publikum erzählt, wie der Film entstanden ist. Auslöser war eine Situation in einem Club, die Beller selber erlebt hat. «Als ich dort einem Mann sagte, dass ich über 30 bin, hat er sich umgedreht und mich stehen lassen.» Die Anekdote hat sie nicht vergessen, sie hat sie beschäftigt.

Da habe sich bald gezeigt: Das Thema «Frau über 30 will unbedingt ein Kind» liefert genug Stoff für einen Film. «Also habe ich weitere mögliche Szenen gesammelt», erzählt sie. Auch Freundinnen und Freunde haben Beller von ihren Erlebnissen rund um die Kinderfrage berichtet.

Der Trailer. Video: Cineworx/Youtube

Gesucht: ein Samenspender

Bald waren genug Geschichten zusammen und Beller machte sich an die Realisierung ihres ersten Spielfilms. Sie konnte einige Schweizer TV-Bekanntheiten von der Idee überzeugen. Zu sehen sind etwa der Schauspieler Beat Schlatter, der Komiker Dominic Deville und Moderator Dani Fohrler. Im Zentrum von «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» stehen aber drei Frauen: Leila, die unbedingt ein Kind will, ihre Schwester Amanda (Sarah Hostettler), die unverhofft schwanger wird, und Sophie (Anne Haug), die alleinerziehende Mutter.

Leila versucht alles, um an einen möglichen Samenspender zu kommen: Speed-Dating, Discobesuche, Partnervermittlung. Doch die Uhr tickt weiter und die möglichen Väter ihrer künftigen Kinder machen sich immer frühzeitig aus dem Staub. Leilas Schwester Amanda kämpft indessen mit der Herausforderung, ihren Beruf als Architektin und das Muttersein unter einen Hut zu bringen. Für sie steht das Kind nicht an erster Stelle.

Rollenbilder sind noch verankert

Hier zeige sich, wie veraltet die Rollenbilder auch heute noch seien, sagt Beller. «Viele Zuschauer störten sich an Amanda, die ihre Karriere nicht wegen einem Kind aufgibt.» Wenn sich ein Mann vor allem seinem Beruf widme, würden keine Fragen gestellt. Eine Frau aus dem Publikum – rund 30 Zuschauer sind anwesend – stimmt Beller zu und lobt sie dafür, dass sie das Thema verarbeitet hat: «Ich danke Ihnen für diesen Film – er ist lustig, aber auch tiefgründig.»

«Es ist ein Thema, das alle betrifft», sagt ein Herr. Häufig erkundige man sich bei Frauen über 30, weshalb sie denn noch keine Kinder hätten – bei Männern sei dies völlig anders. Beller lacht und erzählt von Apéros, an denen sie manchmal keinen Alkohol trinkt. «Dann werde ich oft gefragt, ob ich schwanger bin.»

Inzwischen ist Natascha Beller 36 Jahre alt. Sie lebt mit ihrem Freund in Zürich. Seit den Dreharbeiten habe sich ihre Sicht auf das Thema nicht gross verändert, sagt sie. «Nur, dass ich jetzt noch älter bin.» Sie blickt schon auf die nächste Zahl, das 40-werden. «Das wird wohl ein noch grösserer Schritt», sagt sie.

«Viele Darsteller arbeiteten für ein symbolisches Tageshonorar.»Natascha Beller, Regisseurin.

Auch über die Finanzierung des Films wollte das Publikum mehr wissen. «Ist das nicht ein Luxus, in der Schweiz einen Film zu drehen?», fragte jemand. Hätte sie normale Gagen bezahlt, würden sich die Kosten fast auf eine Million Franken belaufen, sagt Beller. «Viele Darsteller arbeiteten aber für ein symbolisches Tageshonorar von 100 Franken.»

Gefunden hat Beller einige der Darsteller auch dank ihrer Arbeit für das Schweizer Fernsehen, wo sie etwa für die Serie «Der Bestatter» Drehbücher geschrieben hat. Dort konnte sie Kontakte knüpfen. Wenn sie möglichen Darstellern erzählt habe, dass sie einen Film über die Nöte von Frauen über 30 drehen wolle, seien die begeistert gewesen: «Alle, die ich für eine Rolle angefragt habe, haben zugesagt.»

Erstellt: 13.10.2019, 16:55 Uhr

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