Küsnacht

Wenn sich Jazz mit Spiritualität verbindet

Bekannt ist sie als Opernsängerin – gekommen als Jazzinterpretin: Die Sopranistin Noëmi Nadelmann begeisterte in der reformierten Kirche Küsnacht. Dies nicht zuletzt mit einer Premiere.

Noëmi Nadelmann stellt in Küsnacht unter Beweis, dass sie auch im Jazz zu Hause ist.

Noëmi Nadelmann stellt in Küsnacht unter Beweis, dass sie auch im Jazz zu Hause ist. Bild: Moritz Hager

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Es ist einer der Momente, in dem Raum und Klang einander vollenden, sich gegenseitig erhöhen, zu etwas Erhabenem werden. Dies mit einer Kraft, die intensiv, beschwingt, mitunter leise daher kommt. Was dies auslöst bei den Menschen, die hiervon am Freitagabend in der reformierten Kirche Küsnacht Zeuge werden, lässt sich deutlich auf ihren Gesichtern ablesen: Ergriffenheit. Wohl auch eine Ahnung des Göttlichen, passend zur Ausstrahlung dieses Orts, beim einen oder anderen.

Nicht geistlicher Musik entstammen die Klänge, die zu dieser Stimmung beitragen. Sondern der weltlichen Komposition »Rhapsody In Blue». Virtuos, leicht und unaufgeregt interpretiert der Pianist André Desponds das Stück von George Gershwin – und verleiht ihm so die besondere, feierliche Note. Dies bei «Jazz and More» vom vergangenen Freitagabend. Die Veranstaltung kombiniert spirituelle Wort- mit jazzigen Musikbeiträgen. Für Ersteres sorgt Pfarrer René Weisstanner, für den Jazz Desponds – aber nicht nur er.

Eingespieltes Duo

Den Hauptpart des Abends nimmt die Sängerin Noëmi Nadelmann ein. Zwar ist sie im Opernfach zu Bekanntheit gelangt. Nichtsdestotrotz tritt sie nun als Jazzsängerin auf. Damit gibt sie eine eher unbekannte Seite von sich preis – was nicht zuletzt Grund dafür sein dürfte, dass die Zuschauerränge in der Kirche schnell bis fast auf den letzten Platz besetzt sind. Und schon legt Nadelmann denn auch los: Mit «I Got Rhythm» füllt sie den Raum – und gibt damit ein Stück von Gershwin zum Besten, noch bevor Desponds mit seinem Solo aufwartet.

Die gelernte Opernsängerin begeisterte mit ihrem Jazz-Repertoire in der reformierten Kirche Küsnacht.

Dieser begleitet Nadelmann bei ihrem Programmauftakt und fünf weiteren Stücken. Das heisst indes nicht, dass er nur im Hintergrund wirken würde. Vielmehr webt er die beim Jazz üblichen Soloimprovisationen ein, oder er tritt mit der Sängerin in ein musikalisches Zwiegespräch. So oder so lässt sich erkennen, welch eingespieltes Duo die beiden bilden: Schon seit Jahren treten sie immer wieder zusammen auf, dies mit unterschiedlichstem Repertoire.

Worte wirken nach

Die Stückwahl vom Freitag geht auf Weisstanner zurück. Unter anderem hat der Küsnachter Pfarrer auf Lieder aus Leonard Bernsteins «West Side Story» zurückgegriffen. Auch durch sie beweist Nadelmann, dass sie im Jazz ganz zu Hause ist: Gibt sie doch etwa in «America» ihrer Stimme eine Tiefe und Breite, wie man dies von einer Sopranistin nicht erwarten würde. «Sorgfältiges Einsingen ist bei einem solchen Programm besonders wichtig», sagt sie nach der Veranstaltung. Denn die Stücke würden im Ganzen zwei Oktaven umfassen. Die Musik fügt sich stimmungsvoll zu Weisstanners Gedanken um Schönheit, Hoffnung und die Kraft des Gebets – und lange wirkt dies nach. So ist die Ergriffenheit nach «There’s a Place Somewhere» noch dann zu spüren, als mit «I feel pretty» wieder ein fröhliches Lied angesagt ist.

Ein «Heimkommen»

Nadelmanns Herkunft, die Klassik, schimmert freilich in der Klangfülle und Reinheit ihrer Stimme immer durch. Dies nicht minder nach der Pause. Die musikalische Begleitung gestaltet dann das Alessandro d’Episcopo-Trio, bestehend aus dem Namensgeber am Klavier, Elmar Frey am Schlagzeug und Peter Gossweiler am Kontrabass. Mit «Somewhere over the Rainbow» beginnt dieser Teil. Und kaum ist das Stück intoniert, kommt eine Harmonie zwischen Instrumentalisten und Sängerin auf, wie zuvor mit Desponds. Sachte und voller Konzentration lässt Nadelmann ihren Gesang entwickeln, so etwa in «Summertime» von Gershwin.

Und dabei bekommt sie von dem Trio all den Raum, den sie für ihren Ausdruck braucht – so präzise, fein aufeinander abgestimmt und auch hier mit feierlicher Stärke wird musiziert, dass klar zu sein scheint: Auch diese Zusammenarbeit dauert schon jahrelang. Aber weit gefehlt: Sie findet hier zum ersten Mal statt. «Unglaublich gut», urteilt die Sängerin nach dem Konzert über ihre Mitspieler. Überhaupt zeigt sie sich begeistert – so wie auch das Publikum, das von ihr und dem Trio denn auch noch zwei Zugaben fordert. Für Nadelmann ist der Auftritt in Küsnacht ein «Heimkommen», verbindet sie doch mit Weisstanner eine enge Freundschaft seit sie hier an den Kinderkulturwochen den Nachwuchs in die Welt der Oper eingeführt hat. «Hier fühle ich mich wohl und darf auch Neues ausprobieren», sagt sie.

Erstellt: 04.03.2019, 16:05 Uhr

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